Bob: Humphries mit erfolgreicher Titelverteidigung

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BobHumphries mit erfolgreicher Titelverteidigung

An den Bob-Weltmeisterschaften in St. Moritz ist im Frauen-Rennen das kanadische Team Humphries/Valois der Favoritenrolle gerecht worden. Die Schweizer Duos Meyer/Graf und Spahni/Walser belegten die Schlussränge 9 und 10.

Kaillie Humphries und Chelsea Valois hatten schon nach den ersten zwei Durchgängen in Führung gelegen. Am Samstag konnten sie dann ihren Vorsprung noch ausbauen. Die zweitplatzierte Amerikanerin Elana Meyers büsste in der Endabrechnung 68 Hundertstelsekunden ein. Bronze ging nach Deutschland an die routinierte Sandra Kiriasis. Dank einer markanten Steigerung konnte sie sich am zweiten Wettkampf-Tag noch um zwei Positionen verbessern. Ihre Landsfrauen Cathleen Martini (4.) und Anja Schneiderheinze (5.) landeten knapp neben dem Podest.

Humphries war zweifellos als Kronfavoritin nach St. Moritz gereist. Sechs Siege in der laufenden Weltcup-Saison, der WM-Titel von Lake Placid aus dem letzten Jahr und der Olympiasieg von Vancouver dokumentierten ihre Ausnahmestellung. Sie liess auch im Engadiner Natureiskanal von Beginn weg nichts anbrennen. Ihre neue Bremserin Valois bewährt sich auf der ganzen Linie. Bei der WM-Goldmedaille in Lake Placid war Humphries noch von Jennifer Ciochetti angeschoben worden, die mittlerweile selbst Pilotin ist.

Im Schlussklassement war eine Mehrklassengesellschaft auszumachen. Die Schweizerinnen gehörten erwartungsgemäss nicht der ersten Garde an. Fabienne Meyer verlor als Neunte knapp zweieinhalb Sekunden auf Humphries. Für die 31-jährige Luzernerin war es ein schwacher Trost, dass sie das interne Duell mit Caroline Spahni um elf Hundertstel zu ihren Gunsten entscheiden konnte. «Ehrlich gesagt, ob Neunte oder Zehnte spielt am Ende keine grosse Rolle. Es interessiert nur, wer auf dem Podest steht», sagte Meyer nüchtern. Aufgrund des Saisonverlaufs könne ihr mässiges Resultat nicht überraschen. Einmal mehr bekam sie den St. Moritzer «Olympia Bobrun» nicht in den Griff. Positiv habe sie gestimmt, so Meyer, dass sie und ihre Anschieberin Elisabeth Graf am Samstag Moral gezeigt hätten. Nach zwei Durchgängen hatte das Duo noch um drei Plätze hinter Spahni gelegen.

Nachdem sie am Freitag ansprechende Leistungen gezeigt hatte, konnte Caroline Spahni mit der zweiten Hälfte des Wettkampfs nicht mehr zufrieden sein. Der Bielerin, für die es die erste WM-Teilnahme als Pilotin war, unterliefen in den Durchgängen 3 und 4 zu viele Schnitzer. Spahni meinte hinterher: «Am Samstag habe ich zu viel gewollt. So fehlte plötzlich die Lockerheit. Die Fehler im oberen Streckenteil haben mich ein wenig aus dem Konzept gebracht. Es ist schon nicht optimal, wenn man nicht zeigen kann, was man eigentlich drauf hätte.»

Die Schweizerinnen sind auf Leistungssprünge angewiesen, wenn sie in der nächsten Saison in Sotschi um die Olympia-Medaillen mitkämpfen wollen. Luft nach oben ist in diversen Bereichen vorhanden. Meyer muss in erster Linie das Manko am Start beheben. Sie ist überzeugt, dass in der ausgeliehenen Bremserin Elisabeth Graf einiges an Potenzial schlummert. Meyer traut der Toggenburgerin die erwünschten Fortschritte zu. Es ist nicht ausser Acht zu lassen, dass Graf erst in dieser Saison erste Erfahrungen auf höchstem Level sammeln konnte. In St. Moritz kam sie eher unverhofft zum WM-Debüt. Sie war zu Saisonbeginn ins kalte Wasser geworfen worden. Meyer glaubt, dass für sie und Graf am Start mindestens eine Zehntel drinliegen würde, wenn man den Anschub vertieft trainieren könnte.

Auch im Team Spahni erhofft man sich durch das Aneignen von mehr Routine bessere Ergebnisse. Mit Blick auf 'Sotschi 2014' sei es auch ein wichtiger Faktor, dass man in den kommenden Monaten möglichst verletzungsfrei bleibe, gab Anschieberin Ariane Walser zu Protokoll. Spahni schlug sich seit dem vergangenen Herbst mit einem Muskelfaserriss und Fersenproblemen herum. Unter diesen Vorzeichen waren die an der WM erbrachten Startzeiten noch akzeptabel. (si)

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