Erlenbach ZH: Hund biss Jogger: Anwalt vor Gericht
Aktualisiert

Erlenbach ZHHund biss Jogger: Anwalt vor Gericht

In Erlenbach hat ein Schäferhund einen Jogger in den rechten Unterarm gebissen. Am Montag musste sich mit dem Hundehalter ausgerechnet ein langjähriger Rechtsanwalt vor dem Strafgericht verantworten.

Es war am 2. Juli 2009, als ein heute 51-jähriger Berater am Morgen über einen Feldweg „Im Stalden" in Erlenbach joggte. Kurz nach 8.15 Uhr überholte er zwei Spaziergänger, die mit ihren beiden nicht angeleinten Hunden unterwegs waren. Zu den Tieren zählte auch ein Belgischer Schäferhund namens „Tarras", der plötzlich den Jogger angriff und diesem in den rechten Unterarm biss.

Mit erheblichen Folgen für den Geschädigten: So war er in der Folge aufgrund einer ein Zentimeter tiefen Bisswunde sowie einem Bluterguss für zehn Tage lang zu hundert Prozent arbeitsunfähig und konnte für eine gewisse Zeit auch nicht mehr Tennis spielen.

Langjähriger Rechtsanwalt angeklagt

Am Montag beschäftigte der Vorfall das Bezirksgericht Meilen. Der heute 70-jährige Halter des Schäferhundes musste sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft See/Oberland lastete dem Senior eine pflichtwidrige Unterlassung an. So habe er die Kontrolle über sein Tier nicht mehr innegehabt, lautete der zentrale Vorwurf.

Pikant war, dass es sich beim Angeklagten um einen langjährigen Rechtsanwalt handelte. Er musste sich zum ersten Mal in seinem Leben vor einem Strafgericht verantworten. Bei einem Schuldspruch drohen ihm eine bedingte Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 500 Franken sowie eine Busse von 300 Franken.

Hund in Schutz genommen

Vor Gericht nahm der Angeklagte seinen früheren Hund in Schutz. Das erst fünfjährige Tier sei zudem bereits verstorben, gab er bekannt. Trotz eines Durchfalls vor dem Tod schloss er eine Vergiftung aus. „Tarras" sei lebhaft und zutraulich gewesen, erinnerte er sich zurück. Eine Wesensprüfung nach dem Ereignis habe keine Auffälligkeiten beim gehorsamen Vierbeiner ergeben, sagte er. Allerdings liess ein anderer Punkt aufhorchen. So soll „Tarras" schon früher einen Velofahrer gebissen haben. Damals sei aber seine Frau dabei gewesen, sagte er.

Geschädigten als „Frustjogger" bezeichnet

Der Angeklagte verlangte einen Freispruch und schob die Verantwortung auf die Gegenseite ab. So würde es sowohl „Lustjogger" als auch „Frustjogger" geben, erklärte der Ex-Anwalt. Der Geschädigte gehöre leider zur zweiten Sorte und habe an jenem Morgen nicht einmal gegrüsst, beschwerte er sich. Kurz danach zog sich die zuständige Richterin zu geheimen Urteilsberatung zurück. Sie wird den Entscheid den Parteien schriftlich zustellen. Auch dem gebissenen Jogger, der zwar nicht am Prozess erschienen war, jedoch Zivilansprüche in der Höhe von 1 600 Franken anmeldete.

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