Vor Feuer gewarnt: Hund Leon ist der Held von Steckborn
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Vor Feuer gewarntHund Leon ist der Held von Steckborn

Ein Hund hat die Bewohner von Steckborn TG geweckt, als der Brand in der Altstadt um sich griff. Dobermann-Mischling Leon kam in den Flammen ums Leben.

von
mlü

«Ich hörte den Hund bellen und schaute nach, was los ist», sagt der Steckborner Drogist Matthias Brunnschweiler. Der 67-Jährige und seine Frau sahen, wie die Feuerwehr vorfuhr, und verliessen das Haus. «Ich packte eine warme Jacke und rannte auf die Strasse», sagt Brunnschweiler. Beim Grossbrand von Steckborn vom Montagmorgen verlor er seine geliebte Drogerie: «Alles ist durchnässt, überall ist Wasser. Ich kann fast alle Medikamente wegschmeissen.»

Auch Nachbar Walter Knoll (70) wurde durch das Bellen von Leon aufgeweckt: «Ich stand auf und ging auf die Terrasse. Da kam schon die Feuerwehr angefahren und wir mussten so schnell wie möglich aus dem Haus.» Dabei habe Knoll nur ein Pyjama angehabt und sei barfuss auf die Strasse gerannt.

Leon rannte zurück ins Haus

Dobermann-Mischling Leon rannte jedoch wieder zurück ins brennende Haus – wahrscheinlich um sein Frauchen zu retten. Die Hundehalterin war im brennenden Haus gefangen. «Als wir ankamen, standen drei Personen am Fenster», sagt Reto Fischer, Kommandant der Feuerwehr Steckborn. Die Bewohner wurden mit einer Hebebühne gerettet und mussten mit einer Rauchgasvergiftung ins Spital gebracht werden. Für Hund Leon kam jede Hilfe zu spät. «Das Tier wurde am Montagabend tot geborgen», so Feuerwehrkommandant Fischer.

Derweil trauert Walter Knoll seinem Haus nach, in dem er seit 47 Jahren lebte. «Ich habe meine Ersparnisse, Schmuck, alte Bilder, eine wertvolle Uhrensammlung und eine alte Briefmarkensammlung verloren», sagt Knoll. Da auch seine Garderobe verbrannt ist, trägt Knoll nun Kleider, die gespendet wurden. «Es ist komisch, fremde Kleider zu tragen. Aber ich habe keine andere Wahl. Ich habe ja nicht einmal mehr ein Passfoto.» Der Pensionär wurde mit seiner Frau im Altersheim untergebracht. «Ich weiss nicht, wie es weitergeht. Ich lasse mich überraschen», so Knoll.

Arbeiten können noch Wochen dauern

Auch am Dienstag war die Ursache des Grossbrandes unklar. Allerdings können die Ermittler den Ausbruchsort des Feuers eingrenzen. «Das Feuer ist im zweiten Obergeschoss ausgebrochen», sagt Daniel Metzler, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. «Wir müssen mindestens noch eine Nacht Brandwache halten», erklärt Feuerwehrmann Fischer. Dabei würden sich die Feurwehrleute in Schichten von bis zu sechs Stunden das Haus im Auge behalten und allfällige Glutnester löschen. Die Strassensperre könne wegen der Arbeiten erst in einigen Tagen oder gar Wochen aufgehoben werden.

Matthias Brunnschweiler im Interview

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