Verzweifelte Rettung: Hund Sanuk 27 Stunden in Dachsloch gefangen
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Verzweifelte RettungHund Sanuk 27 Stunden in Dachsloch gefangen

Feuerwehr, Wildhüter und sogar die Polizei: Halb Liechtenstein wurde für die Rettung von Sanuk mobilisiert. Der Hund hatte sich in einem Dachsloch verirrt.

von
tso

Sanuk hat ein Riesenglück gehabt, lebend aus dem Dachsbau zu kommen. Da sind sich wohl alle einig, die an seiner Rettung beteiligt waren. Als Sanuk am Ostersonntag bei einem Spaziergang im liechtensteinischen Triesen im Dachsbau verschwand, nützte alles Rufen nichts. Besitzerin Alexandra Dufner war verzweifelt. Keine Chance hätte Sanuk gehabt, hätte ein Dachs den kleinen Terrier aufgespürt, so der zuständige Wildhüter Fredi Aebi. «Sanuk wäre zerbissen worden.» Hätte es stärker geregnet, wäre der Hund ertrunken.

«Ein Dachsbau ist ein kompliziertes Tunnelsystem, kilometerlang und mit Hindernissen gegen Eindringlinge», so Wildhüter Aebi. Sanuk hätte sich wohl kaum selber befreien können. So blieb nur «graben, warten, rufen.» Ein Bagger wurde mobilisiert, doch auch mit diesem konnten die Retter nicht bis zu den hintersten Winkeln vordringen.

Echte Solidarität statt Likes

In ihrer Ratlosigkeit startete Dufner einen Facebook-Aufruf. Zuerst geschah nichts. «Dann kamen wildfremde Leute mit Schaufeln und gruben nach Sanuk. Nie hätte ich gedacht, dass ein Facebookaufruf solche Solidarität auslöst», so die sechsfache Mutter. Selbst Leute, die sie nie gesehen habe, seien hartnäckig an ihrer Seite geblieben und hätten gegraben, Essen gebracht, auf die Kinder aufgepasst. So entstand für die nächsten 27 Stunden ein kleines Lager vor dem Dachsbau. Dufner verbrachte die ganze Nacht vor dem Loch: «Ich wollte da nicht weg. Nicht ohne meinen Hund.»

Am Montagmorgen ging die Suche weiter. Doch auch ein Suchhund von Freunden und die Metalldetektoren der Polizei, die den Einsatz auf Anfrage bestätigt, brachten keinen Erfolg. Als es anfing zu regnen, drohte sich der Bau mit Wasser zu füllen. Die Feuerwehr zog wieder ab, doch die Helfer blieben. Der Inhaber einer Rohrreinigungsfirma brachte eine spezielle Kamera vorbei und suchte damit die unterirdischen Gänge nach Sanuk ab.

Und was ist mit dem Dachs?

Am Montagnachmittag erspähte die Kamera dann ein Augenpaar in einem bisher unentdeckten Seitengang. Es war Sanuk. Nach seiner Befreiung wurde der Hund von Livio Vetsch, Inhaber einer Hundepension in Grabs SG, untersucht. Vetsch stellt fest: Sanuk ist gesund und munter. Dufner ist überglücklich und bedankt sich bei den Helfern: «Nächste Ostern organisieren wir ein Grillfest nahe beim Bau», sagt sie. «Dann suchen wir zusammen Eier statt einen Hund.»

Und was ist mit dem Dachs, dessen Bau durch die Aktion zerstört wurde? Wildhüter Aebi beschwichtigt: «Da der Dachs nicht gesichtet wurde, ist es wahrscheinlich, dass er den Bau bereits vor Wochen verlassen hat.»

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