Leinenzwang: Hund schützt Halterin vor Pöbel - Halterin gebüsst
Aktualisiert

LeinenzwangHund schützt Halterin vor Pöbel - Halterin gebüsst

Drei Jugendliche bedrängten sie, da verteidigte Mopsi ihr Frauchen und schnappte zu. Jetzt hat das Bezirksgericht Zürich die Hundehalterin wegen Missachtung der Leinenpflicht gebüsst.

von
A. Szenogrady
Mopsi verteidigte ihr Frauchen und schnappte zu. Zurecht, wie das Bezirksgericht Zürich urteilte. Trotzdem verknurrte es die Hundebesitzerin zu einer Busse wegen Missachtung der Leinenpflicht.

Mopsi verteidigte ihr Frauchen und schnappte zu. Zurecht, wie das Bezirksgericht Zürich urteilte. Trotzdem verknurrte es die Hundebesitzerin zu einer Busse wegen Missachtung der Leinenpflicht.

«Bei den Binz-Chaoten, die einen Millionenschaden angerichtet haben, habt ihr keinen einzigen festgenommen», beschwerte sich die über 50-jährige Beschuldigte lautstark am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich. «Mich aber zerrt man wegen einer Lappalie auf die Anklagebank», regte sich die gesundheitlich angeschlagene Stadtzürcherin auf. Ihr seien im Leben ohnehin nur noch ihre beiden Hunde Mopsi und Puschel geblieben. Die Mischlingshündin und der tibetanische Löwenhund hatten das Strafverfahren eigentlich auch ausgelöst.

Mopsi gegen die drei Jugendlichen

Der umstrittene Vorfall ereignete sich am 1. Oktober 2010. Damals regte sich die IV-Rentnerin an ihrem Wohnort auf. Kurz vor drei Uhr, also mitten in der Nacht, hörte sie lärmende Randale auf der Strasse. Als sie das Fenster öffnete, erblickte sie drei Jugendliche, die gerade damit beschäftigt waren, irgendwelche Baulatten durch die Lüfte zu werfen. Als sie sich darüber beschwerte, rief ihr einer des Trios zu: «Du kommen runter, dann machen ich dich kaputt!»

Sie habe diesen Burschen dann als «Jugogrind» beschimpft und sei kurz darauf in Begleitung ihrer beiden Hunde auf die Strasse getreten. Fest steht, dass die nicht angeleinte Mopsi plötzlich auf einen der Männer losging und diesen dreimal am Bein schnappte. Mit der Folge, dass schon bald Sanität und Polizei vor Ort waren. Zwei der jungen Männer hatten sich allerdings schon vorher aus dem Staub gemacht.

Erst auch wegen Angriffs verurteilt

Die eingeleitete Untersuchung richtete sich zunächst gegen die Hundehalterin. Sie wurde im März 2011 vom Stadtrichteramt wegen Nichtanleinens eines Hundes an verkehrsreichen Strassen sowie wegen mangelnden Abhaltens eines Hundes vom Angriff auf einen Menschen zu einer Busse von 500 Franken verurteilt. Der Schweizerin wurde im Strafbefehl angelastet, dass sie nicht mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln eingegriffen habe. Die Hundehalterin erhob Einsprache gegen die Schuldsprüche.

Sie hat sich zurecht gewehrt

In einem Punkt hatte die Zürcherin schon vor dem Prozess Glück. So tauchte der vom Hund geschnappte Jugendliche nicht mehr auf. Der Schweizer Staatsangehörige wurde von der Polizei auch mehrfach erfolglos als Zeuge vorgeladen. Mit der Konsequenz, dass das Stadtrichteramt den Hauptvorwurf des mangelnden Abhaltens eines Hundes vom Angriff auf einen Menschen doch noch fallen liess. Dabei wurde der Frau auch neu eine Notwehrlage zuerkannt, und zwar aufgrund ihrer Aussage, wonach sie sich bedroht gefühlt habe. Die Hündin habe sie nur verteidigen wollen, stand im neuen Strafbefehl.

130 Franken Busse erst die Spitze des Eisberges

Trotz der Notwehrsituation wurde die Hundehalterin zum Schluss vom Bezirksgericht Zürich zu einer Busse von 130 Franken verurteilt, wegen Nichtanleinens ihrer Hunde, die sie an einer verkehrsreichen Strasse ausgeführt habe, so das Urteil des zuständigen Einzelrichters Ferdinand Hürlimann. Hinzu kam ein Nichtbefolgen einer polizeilichen Anordnung. So hatte sie während einer Kontrolle trotz der Aufforderung, nicht zu rauchen, eine Zigarette angezündet. Die Schuldsprüche nahm sie nur unter lautem Protest entgegen.

Zusätzlich wurden ihr auch die Gerichtsgebühr von 400 Franken und die Verfahrenskosten von über 650 Franken auferlegt.

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