Aktualisiert 29.08.2014 16:47

Geschmäcker ändern sich

Hund verschwindet aus Südkoreas Menükarten

Noch sind Südkoreas Hunde nicht sicher. Zwei Millionen landen jedes Jahr auf dem Teller. Doch bei den Jungen findet ein Umdenken statt - sie halten sich Hunde lieber als Haustier.

von
Youkyung Lee, AP

Aus für eines der berühmtesten Hundefleisch-Restaurants in Südkoreas Hauptstadt Seoul: Nach mehr als 30 Jahren hat am Freitag mit dem «Daegyo» eine Institution geschlossen. Der Grund: Immer weniger Südkoreaner, darunter viele junge Menschen, finden Gefallen an dieser Spezialität.

Das sah vor Jahren noch ganz anders aus. Köchin Oh Keum-il, die 1981 das «Daegyo» gründete, reiste damals durch das Land, um in jeder Region Rezepte mit Hundefleisch zu sammeln. In ihrem Restaurant servierte die 58-Jährige bis zuletzt landestypische Spezialitäten wie Bibimbap, ein Gericht aus Hundefleisch und Reis. Beliebt waren auch der Eintopf Boshintang mit Hundefleisch.

Aus der Mode

In Südkorea, China und Vietnam hat das Essen von Hunden eine lange Tradition. Schon in einem koreanischen Medizinbuch aus dem 17. Jahrhundert wird aufgeführt, welchen medizinischen Nutzen das Fleisch hat. Doch das Essen von Hunden kommt aus der Mode. Schuld sind nicht etwa Gesetzesänderungen, sondern vor allem Veränderungen im Verbraucherverhalten.

Wenn es im Sommer während der sogenannten Hundstage richtig heiss wird, griffen viele Koreaner früher zu einem alten Hausmittel, das angeblich Kraft verleiht, die Hitze gut zu überstehen - Hund mit Gemüse in scharfer Suppe. Heutzutage bevorzugen junge Südkoreaner eine andere Küche. An den Hundstagen ordern sie Hühnersuppe. Wer noch Hund bestelle, erzähle das nicht gross herum, sagt Moon Jaesuk, ein 32-jähriger Forscher, der vor seinem Umzug in die Hauptstadt gerne Hund gegessen hat.

«In einer Gruppe von 10 oder 20 Leuten vorzuschlagen, man könne doch Hund essen, ist nicht einfach. Das ist so, als mache man einen anzüglichen Witz», so Moon. «Bei Boshintang ist die Generationenkluft zu gross», sagt auch Oh. «Junge Menschen bestellen das nicht.» Früher habe sie rund 700 Portionen Boshintang pro Tag verkauft, heute nur noch halb so viel, sagt Oh.

Dass den Koreanern der Appetit auf Hund vergangen sei, hänge auch mit Fernsehsendungen zusammen, in denen niedliche Welpen und andere Haustiere grossgezogen werden, sagt Oh. Zudem wirken sich wohl auch die Klagen der Tierschützer aus, die für den Verzehr gedachten Hunde stürben einen schmerzhaften und unmenschlichen Tod. Auch nehmen Südkoreaner Hunde immer stärker als Haustiere und «besten Freund» wahr. Jeder fünfte Haushalt hält sich aktuell entweder einen Hund oder eine Katze.

Keine Zukunft

Hundefleisch sei früher nach Rind, Schwein und Huhn das viertbeliebteste Fleisch gewesen, sagt Choi Young-im, Generalsekretär eines Verbands industrieller Hundezüchter. Mittlerweile sei auch Entenfleisch noch beliebter, aber Hund werde auch künftig auf Speisekarten zu finden sein, meint er. Er schätzt, dass die Koreaner jährlich 2 bis 2,5 Millionen Hunde essen.

Offizielle Zahlen zur Hundefleischbranche liegen nicht vor, aber Lieferanten bestätigen die Einschätzung, dass der Verzehr zurückgeht. Die Zahl der Anbieter habe sich im Vergleich zu früher etwa halbiert, meint der Schlachter Shin Jang-gun, dessen Vater jahrzehntelang nichts als Hundefleisch verkauft hat. Er selbst hat auf seiner Liste noch knapp 800 Restaurants aus Seoul als Abnehmer stehen, früher seien es mehr als 1500 gewesen.

«Hundefleisch ist keine Branche mit einer glorreichen Zukunft», meint Shin. «Die jungen Generationen essen das Fleisch nur selten.» Oh bedauert die Entwicklung: «Ich war immer glücklich, wenn ich junge Menschen in meinem Restaurant sah», sagt sie. Sie will jetzt ein Beef-Barbecue-Restaurant eröffnen.

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