Aktualisiert 25.05.2015 13:37

Im Tode vereint

Hunde folgen Menschen ins Grab

Gemeinsam in die Ewigkeit: Menschen wollen sich mit ihren Haustieren beerdigen lassen. Das geht – vorerst aber nur heimlich.

von
Isabell Prophet
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Die Tradition, hängende Särge an Felswänden anzubringen, wird von verschiedenen Volksgruppen geteilt - unter anderen von der Gruppe der Bo aus Südwestchina, die allerdings als fast ausgestorben gilt. Dieses Bild zeigt eine Grabstätte im Norden der philippinischen Hauptstadt Manila.

Die Tradition, hängende Särge an Felswänden anzubringen, wird von verschiedenen Volksgruppen geteilt - unter anderen von der Gruppe der Bo aus Südwestchina, die allerdings als fast ausgestorben gilt. Dieses Bild zeigt eine Grabstätte im Norden der philippinischen Hauptstadt Manila.

epa/Zhao zp
Die Reste toter Verwandter von Familienangehörigen verspeisen zu lassen, ist für die Bewohner Papua-Neuguineas nichts Ungewöhnliches. Die Aufnahme in den Körper der Lebenden dient dem Erhalt der Seele des Verstorbenen, heisst es. Auch heute noch soll die Sitte in manchen Dörfern bestehen.

Die Reste toter Verwandter von Familienangehörigen verspeisen zu lassen, ist für die Bewohner Papua-Neuguineas nichts Ungewöhnliches. Die Aufnahme in den Körper der Lebenden dient dem Erhalt der Seele des Verstorbenen, heisst es. Auch heute noch soll die Sitte in manchen Dörfern bestehen.

AP/Rob Griffith
Für Hindus ist Feuerbestattung nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Wenn dem Ritual eine karnevalsähnliche Feier vorausgeht, wie zum Beispiel auf Bali, nennt sich die Zeremonie Ngaben. Sie repräsentiert den Übergang in ein neues Leben.

Für Hindus ist Feuerbestattung nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Wenn dem Ritual eine karnevalsähnliche Feier vorausgeht, wie zum Beispiel auf Bali, nennt sich die Zeremonie Ngaben. Sie repräsentiert den Übergang in ein neues Leben.

epa/Zhao zp

Wer sein Tier liebt, der will es manchmal mit ins Grab nehmen. Deutschland diskutiert dieser Tage über gemeinsame Bestattung von Mensch und Hund – in der Schweiz löst man das Problem längst ganz unbürokratisch.

Öffentlich wird ungern über das Thema gesprochen, dabei gibt es einige Anekdoten zu erzählen. Zum Beispiel die Geschichte einer Frau, die zuhause die Urnen von mindestens fünf Hunden stehen hat – und nach ihrem Tod mit ihnen beigesetzt wird.

Auf dem Tierfriedhof in Läufelfingen sind bislang etwa zehn Menschen beigesetzt worden, schätzt Leiter Urs Mörgeli. «Immer mehr Leute wollen weg von den konventionellen Friedhöfen», sagt er. Viele seiner Kunden seien alleinstehend, hätten keine Verwandten und kaum Beziehungen zu ihren Nachbarn oder zur Kirche. «Es macht keinen Sinn, auf einem Friedhof zu liegen, den niemand besucht.»

Bestatter erfüllen Wünsche – heimlich

Die letzten Wünsche eines Verstorbenen erfüllen Bestatter auch bei konventionellen Beerdigungen. «Wir haben kürzlich die Asche eines Hundes bei einer Bestattung beigegeben, weil die Angehörigen sich das gewünscht hatten», erzählt ein Bestatter – der aber lieber anonym bleiben will. «Dem Pfarrer muss man das ja nicht auf die Nase binden – denn wenn er einmal Nein gesagt hat, dann kann man es nicht mehr machen.»

Arnold Landtwing, Sprecher des Generalvikariats für die Kantone Zürich und Glarus, sagt: «In der katholischen Kirche gibt es kein Ritual, das für die Bestattung von Tieren zusammen mit Menschen vorgesehen ist.» Dennoch lässt die Kirche mit sich reden.

«Wir wägen in der Seelsorge den Einzelfall ab. Unser Hauptanliegen ist der Abschied vom Menschen. Grabbeigaben sind normal – das kann auch die Asche von Tieren sein», sagt Landtwing. Seelsorger oder Pfarrer besprechen mit den Angehörigen, ob die gemeinsame Bestattung sinnvoll ist.

Gemeinden entscheiden unterschiedlich

Ideen für die gemeinsame Beisetzung von Herrchen und Hund gibt es in einigen Verwaltungen bereits, umgesetzt sind sie bislang aber nicht. In Basel ist die gemeinsame Bestattung nicht gern gesehen. «Wir machen das aus Pietätsgründen nicht», sagt Brigitte Vogel von der Stadtgärtnerei in Basel. Auch als Grabbeigaben sind Urnen nicht gestattet.

Auch in Bern verbietet das Friedhofsreglement die gemeinsame Bestattung, sagt Walter Glauser, Bereichsleiter Friedhöfe und Familiengärten. «Aber das Bedürfnis ist da – wir erhalten immer mehr Anfragen zu diesem Thema. Wenn dies in Bern ermöglicht werden soll, ist wichtig, dass auf alle Gefühle Rücksicht genommen wird: Es gibt Menschen, die nicht neben Tieren begraben werden wollen. Dafür müssten wir ein separates Abteil einrichten. Das wäre aber grundsätzlich denkbar.»

Rolf Steinmann, Leiter des Bestattungs- und Friedhofamts der Stadt Zürich, sieht kein Problem in der gemeinsamen Beisetzung: «Ist das Tier kremiert, ist es möglich, die Urne gemeinsam mit dem Menschen zu bestatten», sagt er. «Tiere haben in unserer Gesellschaft einen immer höheren Stellenwert, es lohnt sich in meinen Augen, darüber nachzudenken.»

Im Tode vereint

Bestatter Adrian Hauser aus Willisau schlägt vor, einen Teil der menschlichen Asche gemeinsam mit der Asche des Hundes im Wald oder im Garten zu verstreuen. Auch so sind Mensch und Tier im Tode vereint.

Stirbt das Tier zu früh, gibt es auch die Möglichkeit, die Asche zu einem Diamanten pressen zu lassen. Das kostet zwischen 2500 und 4000 Franken – und den Diamanten kann Herrchen auf jeden Fall mit ins Grab nehmen.

Debatte in Deutschland

Das Unternehmen «Deutsche Friedhofsgesellschaft» hat angekündigt, im Projekt «Unser Hafen» gemeinsame Beisetzungen von Mensch und Tier zu ermöglichen. Angeboten werden ausschliesslich Urnengräber.

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