14 Tiere totgebissen: Hunde im Blutrausch – Schafzüchter alarmiert
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14 Tiere totgebissenHunde im Blutrausch – Schafzüchter alarmiert

Im Luzerner Hinterland sind bereits 14 Schafe totgebissen worden. Der oder die Hundebesitzer müsse dies mitbekommen haben, weil die Hunde Blutspuren aufweisen dürften, sagt ein Schafzüchter.

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mme/dag

Im Luzerner Hinterland treiben Hunde im Blutrausch ihr Unwesen: Erneut wurden tote Schafe aufgefunden. Diesmal in der Gemeinde Ebersecken: Insgesamt wurden drei Tiere, eines davon ein hochträchtiges Muttertier, tot aufgefunden. «Sie wurden offensichtlich gehetzt und wiesen Bisswunden auf», teilte die Polizei am Donnerstag mit.

Im Luzerner Hinterland wurden in den letzten zwei Monaten schon in sechs Fällen Schafrisse gemeldet, wobei insgesamt 14 Tiere ihr Leben liessen. In einem Fall wurde zudem ein Reh totgebissen. Am 3. Mai zum Beispiel fand ein Bauer zwei totgebissene Schafe auf seiner Weide, ein weiteres wies schwere Bisswunden auf, denen es kurz später erlag. Ein Leserbild, das wir nicht veröffentlichen, zeigte, dass in diesem Fall den Schafen die Bäuche aufgebissen und die Eingeweide herausgerissen wurden.

Am 20. April hatte ein Liegenschaftsbesitzer ebenfalls in Zell vier tote und ein verletztes Schaf auf seiner Weide aufgefunden. Das verletzte Tier musste eingeschläfert werden – sämtliche Schafe wiesen Bisswunden auf. Damit wurden bisher schon elf Schafe totgebissen.

Hunde sollen über 60 Zentimeter gross sein

Die Polizei geht aufgrund ihrer Ermittlungen davon aus, dass es sich bei den Verursachern um zwei Hunde handelt. Im ersten Fall berichtete ein Augenzeuge davon, dass die Hunde ein dunkles Fell und eine Risthöhe von 50 bis 60 cm aufwiesen. «Abgeklärt wird nun, ob es sich in allen Fällen um die gleichen Hunde handelt», sagt Polizeisprecher Urs Wigger. Gemäss Einschätzung von Experten handle es sich ziemlich sicher nicht um einen Wolf oder um einen Luchs.

Ein Wolf würde gezielt in den Hals beissen

Sara Wehrli, Wildtierexpertin beim Schweizer Tierschutz STS, geht davon aus, dass Hunde, die Schafe reissen, meistens unbeaufsichtigte Streuner sind. «Ein Hund muss zuerst erfahren, dass er überhaupt jagen kann.» Wenn der Hund entdeckt habe, dass ein Schaf eine potentielle Beute sei, breche der Instinkt durch. Laut Wehrli könnten Experten am Bissmuster erkennen, ob die Schafe von einem Wolf oder einem Hund gerissen wurden. «Ein Wolf beisst gezielt in den Hals und frisst zuerst die Innereien.» Hunde würden ihre Opfer eher in den Rumpf, Hinterbeine, Bauch oder Schwanz beissen, die toten Tiere jedoch in der Regel nicht fressen und einfach liegen lassen.

Pro Schaf zwischen 500 bis 800 Franken Schaden

Auch die Schafzüchter sind alarmiert: «Was hier seit längerer Zeit passiert, finde ich schlimm», sagt Kurt Schärli, Präsident des Schafzuchtverbands Luzern. Schärli hat in der Vergangenheit selber erlebt, dass einige seiner Schafe von Hunden gerissen wurden. Rund drei Jahre seien vergangen, bevor die vierbeinigen Täter und deren Besitzer gefunden werden konnte. Der finanzielle Schaden würde pro Tier bei zwischen 500 und 800 Franken liegen. Für die Schäden müssten die Bauern gerade stehen, zumindest bis der Hundehalter gefunden werde. Schärli: «Nach den Angriffen auf die Schafe müsste der oder die Hundebesitzer merken, was die Tiere angerichtet haben, weil sie Blutspuren auf sich tragen.»

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