Aktualisiert 20.04.2007 16:35

«Hundefrieden» kostet Pitbulls das Leben

Nach der tödlichen Pitbullattacke auf einen Buben in Oberglatt ZH im Dezember 2005 will eine Nationalratskommission den «Hundefrieden» wiederherstellen. Sie hat dazu einen Verfassungs-und einen Gesetzestext mit 16 zu 3 Stimmen verabschiedet.

Die Kommission für Bildung, Wissenschaft und Kultur (WBK) möchte dafür sorgen, dass Spaziergängerinnen und Spaziergänger angstfrei Hunden begegnen können, weil sie sicher sein dürfen, dass diese harmlos sind, sagte Präsidentin Kathy Riklin (CVP/ZH) am Freitag vor den Medien. Der WBK-Entwurf geht drei Monate in Vernehmlassung.

Volk und Stände müssen zu den Massnahmen gegen gefährliche Hunde Stellung nehmen. Denn Voraussetzung für ein Eingreifen des Bundes ist eine Verfassungsänderung. Der Bund soll die Kompetenz erhalten, zum Schutz des Menschen vor Verletzungen durch Tiere, die von Menschen gehalten werden, Vorschriften zu erlassen.

Keine Rassenliste

Bei der Volksabstimmung müsse der genaue Gesetzestext vorliegen, sagte Heiner Studer (EVP/AG), der die WBK-Subkommission präsidiert hatte. Die WBK erwarte vom Bundesrat keine Liste verbotener Rassen, sondern einen Kriterienkatalog, wie Hunde als harmlos, allenfalls gefährlich oder ganz gefährlich klassifiziert werden können.

Dabei soll der Bundesrat den Rassetyp, die Körpergrösse und das Gewicht des Hundes in erwachsenem Zustand berücksichtigen. Auf jeden Fall verboten würden Pitbull-Kampfhunde und Pitbullartige, sagte Studer. Bei Rottweilern oder Deutschen Schäfern müsse der Tierarzt die Unbedenklichkeit bescheinigen.

Die Kommission hält fest, dass Angriffe von Kampfhunden auf Menschen nur einen geringen Prozentsatz der registrierten Hundebisse ausmachen. Der grösste Teil der Beissunfälle sei Hunden anderer Rasse zuzuschreiben. Ein ausschliessliches Verbot bestimmter Kampfhunderassen würde deshalb zu kurz greifen.

Leinenzwang und Freiräume

Das Halten von möglicherweise gefährlichen Hunden braucht eine Bewilligung der kantonalen Behörden. Die gesuchstellende Person muss einen Auszug aus dem Strafregister einreichen. Leuten, die zur Annahme Anlass geben, dass sie mit ihrem Hund Personen gefährden, wird die Hundehaltung untersagt.

Bei der Prävention von Beissunfällen kommt laut WBK der Verantwortung der Hundehalterinnen und -halter sowie der Hundeerziehung eine wichtige Rolle zu. Halterinnen und Halter sollen neu gesetzlich verpflichtet werden, dafür zu sorgen, dass ihre Tiere nicht gefährlich werden.

Grundsätzlich gilt für alle Hunde in überbautem Gebiet sowie an öffentlich zugänglichen und stark frequentierten Orten wie Schulanlagen, Spiel- und Sportplätzen, Parkanlagen und Badeanstalten eine Leinenpflicht. Die Kantone können die Pflicht ausdehnen, aber auch Freiräume für Hundespaziergänge ausscheiden.

Amtlich abgesegnet

Zusätzlich zu den im Tierschutzgesetz bereits bestehenden Ausbildungsvorschriften werden Kurse zur Sozialisierung von Hunden (beispielsweise «Welpenkurse») vorgeschrieben. Die bereits bestehende Meldepflicht von Bissverletzungen soll im Tierschutzgesetz verankert werden.

Der neue Verfassungsartikel zum Schutz des Menschen vor Tieren beziehe sich nicht auf frei lebende Tiere wie Wölfe, Luchse oder Bären, sagte Studer. Möglich wären aber Vorschriften für Personen, die Reptilien halten. Der Gesetzesentwurf der WBK sei von den Bundesämtern für Veterinärwesen (BVET) und Justiz (BJ) abgesegnet. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.