Kapo Schwyz: Hundehalter sollen vor Einbrüchen warnen
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Kapo SchwyzHundehalter sollen vor Einbrüchen warnen

Eine neue Kampagne der Kapo Schwyz spricht Hundehalter an. In anderen Kantonen sieht man dafür kein Bedürfnis. Erfolge seien nicht auf Einzelaktionen zurückzuführen.

von
ced
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«Beim Spaziergang hat mein Hund eine Person in den Fokus genommen, es war aussergewöhnlich», sagt Ladina Cattaneo in der Sendung «10vor10».

«Beim Spaziergang hat mein Hund eine Person in den Fokus genommen, es war aussergewöhnlich», sagt Ladina Cattaneo in der Sendung «10vor10».

Screenshot/10vor10
«Der Mann hat sich dann bei mir nach jemandem erkundigt, der angeblich im Quartier wohnt. Den Namen hatte ich noch nie zuvor gehört», so die Hundehalterin weiter. Den Vorfall habe sie der Polizei gemeldet.

«Der Mann hat sich dann bei mir nach jemandem erkundigt, der angeblich im Quartier wohnt. Den Namen hatte ich noch nie zuvor gehört», so die Hundehalterin weiter. Den Vorfall habe sie der Polizei gemeldet.

Screenshot/10vor10
Hundehalter sind zu jeder Tageszeit unterwegs. Davon profitiert die Polizei.

Hundehalter sind zu jeder Tageszeit unterwegs. Davon profitiert die Polizei.

Keystone/AP/Fabian Bimmer

Laut Kriminalstatistik wurden in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr 9000 Einbrüche weniger verübt. Mögliche Gründe dafür gibt es viele. Im Kanton Schwyz vermutet man, dass ein Zusammenhang mit einer neuen Polizeiaktion besteht: Im Oktober 2014 hat die Kantonspolizei Hundehalter im ganzen Kanton angeschrieben und sie darauf aufmerksam gemacht, verdächtige Personen sofort zu melden.

Bereits zum Telefon gegriffen hat Ladina Cattaneo. «Beim Spaziergang hat mein Hund eine Person in den Fokus genommen, es war aussergewöhnlich. Der Mann hat sich dann bei mir nach jemandem erkundigt, der angeblich im Quartier wohne. Den Namen hatte ich noch nie zuvor gehört», sagt die Hundehalterin in der SRF-Sendung «10 vor 10».

Eine neue Form der Verbrechensbekämpfung?

Cattaneo ist nicht die einzige, die bei der Polizei Meldung erstattet hat. Über die Wintermonate sind über 180 ähnliche Hinweise eingegangen. «Wie viele auf Hundehalter zurückzuführen sind, ist unklar», so der Sprecher der Schwyzer Kantonspolizei, Florian Grossmann. Man ziehe aber durchaus eine positive Bilanz aus der Aktion. «Viele Anrufe haben dazu geführt, dass die Kantonspolizei verdächtige Personen überführen konnte.»

Man habe sich aus zwei Gründen dafür entschieden, Hundehalter anzuschreiben. Zum einen will man sich den guten Spürsinn der Hunde zunutze machen. Zum anderen habe man gezielt Personen gesucht, die Tag und Nacht und bei jeden Wetterbedingungen unterwegs sind. «In Gebieten mit höherem Einbruchspotenzial ist es von Vorteil, Zeugen zu haben, die oft draussen sind und wissen, wer ins Gebiet gehört», sagt Grossmann. Ziel sei nicht, dass Hundehalter als «Sheriffs» auftreten, sondern, dass sie bei Verdacht die Polizei alarmieren.

Kampagnen je nach Kanton unterschiedlich

In Zürich habe man bereits vor zehn Jahren mit der Idee gespielt, gezielt Hundehalter anzusprechen. «Letztlich haben wir aber davon abgesehen», so Kapo-Sprecher Beat Jost. Es seien viele mögliche Präventionskampagnen getestet worden. Dabei habe eine Plakataktion am besten abgeschnitten. Auch in Bern geht man die Einbruchsprävention anders an, erklärt Sprecherin Simona Benovici: «Wir richten uns bewusst an die gesamte Bevölkerung und nicht an einzelne Zielgruppen. Unser Ziel ist primär Aufklärung.»

Viele würden sich zum Beispiel beim Stichwort Einbrecher immer noch einen schwarz gekleideten Mann mit einer Brechstange vorstellen. «Solche falschen Vorstellungen wollen wir aus dem Weg räumen. Nur wer weiss, wie Einbrecher vorgehen, kann sich dagegen schützen», so Benovici. Die Aktion habe mitunter dazu beigetragen, dass die Zahl der Einbrüche 2014 um 22 Prozent zurückgegangen ist.

Wirksamkeit unklar

Laut Martin Killias, Experte für Strafrecht, muss man die Schwyzer Einbruchsauswertungen differenzierter betrachten: «Es gibt keine Bestätigung, dass die neuen Taktiken der Kapo Schwyz wirksam sind.» Die Kriminalität habe in der ganzen Schweiz abgenommen – das sei aber hauptsächlich auf eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung zurückzuführen und hänge nicht mit Einzelaktionen zusammen.

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