Tiermessies : Hundekot im Bett, Ratten im Eisfach
Aktualisiert

Tiermessies Hundekot im Bett, Ratten im Eisfach

Tierschützer erleben immer öfter grausame Fälle von Tierhortung – Betroffene merken nicht einmal mehr, wenn ihre Tiere tot in der Wohnung liegen.

von
Maja Sommerhalder

Duzende von Zuchthunden zusammengepfercht auf engsten Raum. Sie leben in ihrem eigenem Kot, es fehlt an Futter. Viele Hunde haben Verletzungen und Krankheiten, einige sind bereits tot, es stinkt nach Verwesung. Der Halter sieht jedoch nicht ein, dass er seine Tiere quält. Die Behörden und Tierschützer räumen die Zucht an einem abgelegenen Ort in der Region Zürich. «Wir brauchten richtig viele Fahrzeuge», erinnert sich Susy Utzinger.

Die Tierschützerin der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz aus Kollbrunn ist regelmässig dabei, wenn bei solchen Fällen von «Tierhortung» eingegriffen werden muss. Tierhorter oder - messies sammeln krankhaft Tiere, obwohl sie ihnen nicht genügend Platz, medizinische Versorgung und Nahrung gewährleisten können.

100 Katzen auf einer Liegenschaft

Immer öfters werden Tierschützer und das Zürcher Veterinäramt mit solchen Problemen konfrontiert. «In den letzten zwei bis drei Jahren haben sich die Tierhortungs-Fälle gehäuft», bestätigt die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel. Zwischen 10 bis 20 Meldungen gehen beim Veterinäramt pro Jahr ein. So etwa von einer Rassenkatzenzucht, die aus dem Ruder gelaufen war. «Dabei hatte sich die Züchterin in der Szene einst einen guten Namen gemacht», so Regula Vogel: «Als der Absatz einbrach, verpasste sie es jedoch die Tiere wegzugeben.» Irgendwann lebten 100 Katzen auf ihrer Liegenschaft: «Es fehlte zwar nicht an Futter, viele Tiere waren trotzdem unterernährt und krank», sagt Vogel. Das Veterinäramt musste die Zucht räumen. Dies sei aber nicht bei allen «Tiermessies» nötig: «Einige sind durchaus einsichtig. Mit ihnen können wir vereinbaren, dass sie einige Tiere behalten dürfen.»

Vogel kann nur mutmassen, warum das Phänomen zunimmt: «Es hat wohl damit zu tun, dass immer mehr Personen einsam und am Rande der Gesellschaft leben.» Auch Tierschützerin Utzinger glaubt, dass dies ein Zeichen der zunehmenden sozialen Verarmung ist: «Viele Tiermessies sind einsam.» Ihre Tiere seien ein Ersatz für menschliche Kontakte.

Ratten im Eisfach

Dabei machten die meisten Betroffenen auf Utzinger keinen verwirrten Eindruck. Oft hatte sie es mit sympathischen und intelligenten Leuten zu tun, die denken, dass es die Tiere bei ihnen gut haben: «Sie blenden aus, dass sie quälen – vielleicht ist das ein Schutzmechanismus des Gehirns.» So traf sie etwa einen Mann, der mit seinen Hunden das Bett teilte: «Den Halter hat nicht gestört, dass dieses voll mit Hundekot- und Urin war.»

Mit solchen Menschen hat auch Hakan Gürgen zu tun. Der Teilhaber der Firma Atax hat sich auf die Räumung von Messie-Wohnungen spezialisiert – in etwa 20 Prozent der Fälle seien Tiere involviert, so Gürgen: «Besonders viel Arbeit haben wir im Sommer, wenn es aus den Wohnungen penetrant stinkt.» Verwunderlich sei dies nicht, so Gürgen: «Gewisse Messies merken nicht, dass verweste Tiere in ihrem Chaos liegen.» Andere sammeln ihre dahingeschiedenen Lieblinge – so etwa eine Frau, die ihre toten Ratten fein säuberlich im Gefrierschrank lagerte.

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