Parlament: Hundekurs-Pflicht wird abgeschafft
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ParlamentHundekurs-Pflicht wird abgeschafft

Hundebesitzer müssen nicht mehr in einen obligatorischen Kurs. Auch der Nationalrat hat eine entsprechende Motion von Ruedi Noser (FDP) gutgeheissen.

von
fal
2008 wurde das Obligatorium eingeführt: Ein Windhund mit seinem Herrchen im Hundekurs. (Archivbild)

2008 wurde das Obligatorium eingeführt: Ein Windhund mit seinem Herrchen im Hundekurs. (Archivbild)

Keystone

Hundehalter und -halterinnen sollen keine Kurse mehr besuchen müssen. Das hat das Parlament beschlossen. Der Nationalrat überwies – gegen den Willen der Mehrheit der vorberatenden Kommission und des Bundesrates – eine Motion aus dem Ständerat mit 93 gegen 87 Stimmen.

Ruedi Noser (FDP/ZH) hatte im Vorstoss gefordert, die Pflicht für Hundehalter, einen Sachkundenachweis zu erwerben, aufzuheben. Jeder fünfte Hundehalter besuche den Kurs nicht, begründete er dies. Auch sei nicht nachweisbar, dass die Kurse bei Herr respektive Frau und Hund etwas bewirkten.

Ernüchternde Bilanz der Hundekurse

Eine grosse Minderheit der nationalrätlichen Bildungskommission (WBK) wollte dem Ständerat folgen. Eine knappe Mehrheit der Kommission dagegen beantragte, das Obligatorium nur für «Wiederholungshundehalter» aufzuheben. Die Motion sollte entsprechend abgeändert und dem Ständerat nochmals vorgelegt werden.

Minderheitenvertreter Marcel Dettling (SVP/SZ) zitierte einen Evaluationsbericht des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Dort stehe Erschreckendes: Jeder fünfte Hundehalter besuche die Kurse nicht. Und es gebe keinen deutlichen Unterschied zwischen Hunden, die in Kursen gewesen seien, und solchen, die keinen Kurs besucht hätten.

Der Bundesrat dagegen hatte sich dafür ausgesprochen, an den obligatorischen Hundekursen festzuhalten. Innenminister Alain Berset wollte die Kurse wenigstens für jene Halter beibehalten, die sich zum ersten Mal einen Hund anschaffen.

Emotionale Debatten

Der Innenminister erinnerte an die Dramen um Hundebisse in den Nullerjahren und die emotionalen Parlamentsdebatten dazu. Gegen die Auffassung des Bundesrates hätten die Räte damals Massnahmen beschlossen, um für mehr Sicherheit zu sorgen. «Die Motion verlangt nun, das wieder abzuschaffen», mahnte er.

Berset nannte Zahlen: Drei von vier Tierarztpraxen begrüssten die Kurse. Über 70 Prozent der Hundehalterinnen und -halter hielten sie für angezeigt. Und 87 Prozent der Menschen insgesamt hielten sie für richtig. Die im Sinn der WBK-Mehrheit abgeänderte Motion biete Gelegenheit, die Gesetzesbestimmungen anzupassen.

Im Ständerat war die Motion mit 22 zu 18 Stimmen angenommen worden. Hundehalter müssen seit 2008 mit ihrem Tier einen Kurs in Sachkunde besuchen. (fal/sda)

«Bürokratischer Blödsinn»

Herr Noser, Sie haben die obligatorischen Hundekurse gebodigt. Ein Freudentag?

Ja, und wie! Ich hatte nicht erwartet, dass der Nationalrat den Mumm aufbringt, sich gegen den Bundesrat und die vorberatende Kommission zu stellen.

Haben Sie überhaupt einen Hund? Oder ging es nur um das FDP-Mantra «Freiheit und Eigenverantwortung»?

Ja, wir haben einen Hund, einen Lagotto namens Tarik. Natürlich ging es mir aber primär darum, einen bürokratischen Blödsinn abzubauen. Es ist nicht erwiesen, dass die Kurse irgendetwas gebracht haben.

Und wenn in den nächsten Jahren ein schlecht erzogener Hund ein Kind zu Tode beisst, wie 2005 im Fall Oberglatt?

Mit vier Stunden Kurs folgt ein schlecht erzogener Hund nicht plötzlich. Wichtig ist, dass die Gemeinden die Besitzer auffälliger Hunde in den Kurs schicken können. Im Fall Oberglatt war der Hundebesitzer der Polizei bekannt. (jbu)

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