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PolenHundertausende an Trauerfeier

Mit einer ergreifenden Trauerfeier haben die Polen Abschied von den 96 Opfern des Flugzeugabsturzes vor einer Woche genommen.

von
Monika Scislowska
AP
Zehntausende Menschen strömten am Samstag auf dem Warschauer Pilsudski Platz zusammen, um an der Abdankung für die Absturzopfer von Smolensk teilzunehmen.

Zehntausende Menschen strömten am Samstag auf dem Warschauer Pilsudski Platz zusammen, um an der Abdankung für die Absturzopfer von Smolensk teilzunehmen.

Um 08.56 Uhr, dem Zeitpunkt des Flugzeugabsturzes im russischen Smolensk am Samstag vergangener Woche, läuteten im ganzen Land die Kirchenglocken; die Sirenen heulten. Auf dem Pilsudski-Platz im Herzen Warschaus versammelten sich rund hunderttausend Menschen zu einem Gedenkgottesdienst, die mitgeführten polnischen Fahnen verwandelten den Ort in ein rot-weisses Farbenmeer.

In der Mitte des Platzes war eine riesige Bühne aufgebaut, auf der ein grosses Holzkreuz von grosses Bildern der Toten flankiert wurde. Die Name der Verunglückten - darunter sind auch der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski und seine Frau Maria - wurden vorgelesen. Unter den Trauergästen waren auch der frühere Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski, der Zwillingsbruder des Präsidenten, die einzige Tochter des getöteten Präsidentenpaares, Marta Kaczynski, sowie Regierungschef Donald Tusk und der amtierende Staatspräsident Bronislaw Komorowski.

Tusk bezeichnete den Absturz, bei denen neben dem Präsidenten weitere führende Vertreter aus Militär, Wirtschaft und Gesellschaft ums Leben kamen, als verhängnisvolles Ereignis und «grösste Katastrophe in Polen seit Kriegsende». Auf dem Platz waren viele Anhänger der Gewerkschaft Solidarnosc, die Kaczynski unterstützt hatte.

Der Gedenkgottesdienst war die erste in einer Reihe von Gedenkveranstaltungen für die Verunglückten. Am Samstagabend sollte um 18.00 Uhr in der Kathedrale St. Johannes eine Messe für das Ehepaar Kaczynski gefeiert werden.

Kaczynski und seine Frau Maria sollen am Sonntag im Dom der Wawel-Burg in Krakau bestattet werden, der traditionellen Grabstätte der polnischen Könige. Diese Entscheidung ist in Polen umstritten.

Schon zahlreiche Absagen

Zu der Beisetzung werden Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erwartet, darunter auch der russische Präsident Dmitri Medwedew. Unklar war am Samstag aber weiter, inwieweit die Anreise der Trauergäste durch die Aschewolke nach dem Vulkanausbruch auf Island behindert werden würde. Bis Samstagabend abgesagt haben unter anderen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama, sowie Bundespräsidentin Doris Leuthard.

Schon zuvor abgesagt hatten nach Angaben des Aussenministeriums Delegationen aus Indien, Ägypten, Japan, Südkorea, Mexiko, Neuseeland, Mazedonien und Pakistan. Das polnische Aussenministerium erwartet aber weiter knapp 100 ausländische Würdenträger. Kardinaldekan Angelo Sodano musste wegen des Chaos im Flugverkehr seine Reise nach Warschau absagen, wo er am Samstagabend einen Trauergottesdienst halten wollte.

Bei dem Flugzeugunglück kamen Kaczynski, seine Frau und 94 weitere Menschen ums Leben. Die Delegation war auf dem Weg zu den Feiern für die Opfer des Massakers von Katyn, wo vor 70 Jahren tausende polnische Offiziere von der sowjetischen Geheimpolizei getötet wurden.

Erste Absagen für Staatsbegräbnis

Wegen der Aschewolke aus Island kann ein Teil der ausländischen Gäste nicht zum Staatsbegräbnis für den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und seine Frau Maria am Sonntag in Krakau kommen. Abgesagt hätten bislang Vertreter von acht Staaten, teilte das polnische Aussenministerium am Samstag in Warschau mit. Darunter seien der Präsident von Mazedonien, Djordje Ivanov und der südkoreanische Regierungschef Chung Unchan.

Dagegen will US-Präsident Barack Obama ungeachtet der Aschewolke an der Beerdigung teilnehmen. Er wolle sich am Samstagabend (Ortszeit) auf den Weg nach Krakau machen, teilte das Weisse Haus mit. Der Präsident werde dort am frühen Sonntagnachmittag (MESZ) eintreffen. Angemeldet waren ursprünglich Vertreter von 98 Staaten. (SDA)

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