Spoofing: Hunderte Anrufe von betrügerischen Polizisten
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SpoofingHunderte Anrufe von betrügerischen Polizisten

Eine neue Telefon-Betrugsmasche macht in der Schweiz die Runde. Täter geben sich als Polizisten aus und manipulieren deren Telefonnummer. Bei der Swisscom ist man machtlos.

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wed/tür
Betrüger rufen die Opfer von einer vermeintlichen Notrufnummer an und geben sich als Polizisten oder Staatsanwälte aus.

Betrüger rufen die Opfer von einer vermeintlichen Notrufnummer an und geben sich als Polizisten oder Staatsanwälte aus.

Keystone/Walter Bieri

Der Grossraum Zürich wird seit ein paar Wochen von einer neuen Telefonbetrugs-Welle heimgesucht – auch Spoofing genannt. Anrufer geben sich als Polizisten oder Staatsanwälte aus und sagen ihren Opfern, dass deren Wertsachen nicht mehr sicher seien – beispielsweise weil es in der Region einen Einbruch gegeben hätte.

Die falschen Polizisten raten den Personen dann, ihr Geld und ihren Schmuck zusammenzupacken und an einen ihrer Polizisten zu übergeben, der anschliessend mit den Wertgegenständen flüchtet. In vielen Fällen erschien beim angerufenen Gerät des Opfers eine Nummer, die entweder ausschliesslich oder zumindest zum Teil die Ziffern 117 enthält.

Kein Kontakt mit Polizei aus Scham

Bei der Kantonspolizei Zürich spricht man von rund 250 Betrugsversuchen dieser Art, die alleine im Dezember gemeldet wurden. In der Stadt Winterthur sind über 130 weitere Anrufe bekannt, und bei der Stadtpolizei Zürich ist von mehreren hundert Betrugsversuchen seit November die Rede. Bei der Kantonspolizei Aargau sind zwischen 40 und 50 Versuche bekannt.

Wie viele der Spoofing-Versuche effektiv erfolgreich waren, ist nicht bekannt, wie die Polizeikorps auf Anfrage sagen. «Es ist nicht auszuschliessen, dass Betrüger mit ihrer Masche bereits Erfolg hatten, die Opfer aber beispielsweise aus Scham keinen Kontakt mit der Polizei aufgenommen haben», sagt Michael Wirz, Sprecher der Stadtpolizei Winterthur

«Täter wollen Gutgläubigkeit ausnützen»

Auffällig ist, dass sowohl Opfer als auch Täter ein typisches Profil haben. «Bei den Geschädigten handelt es sich in der Regel um Personen, die im öffentlichen Telefonbuch zu finden sind und einen Vornamen tragen, der auf eine ältere Person hinweist», sagt Rebecca Tilen von der Kantonspolizei Zürich. Bei den Geschädigten handle es sich deshalb meistens um Personen, die über 65 Jahre alt sind.

Laut Roland Pfister von der Kantonspolizei Aargau sprechen die Täter zum grössten Teil nicht Schweizerdeutsch: «Bei den Anrufern handelt es sich sowohl um Männer als auch um Frauen, die gut bis sehr gut hochdeutsch sprechen.» Alle befragten Polizeikorps vermuten, dass eine oder mehrere Banden hinter den Anrufen steckt.

Spezialistengruppe sucht nach Lösungen

Die beste Möglichkeit, die Täter zu verhaften, ergebe sich bei der Übergabe der Wertsachen. «Nur wenn sich die kontaktierten Personen sofort bei uns melden, können wir die falschen Polizisten am Übergabeort festnehmen», sagt Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich. Da die Polizeikorps bisher nur wenige Verhaftungen verzeichnen, setzt man vor allem auf Prävention, damit sich die angerufenen Personen umgehend bei der Polizei melden.

«Es besteht eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Polizeikorps im In- und Ausland», so Cortesi. Da die Täterschaft mit gefälschten Telefonnummern über verschiedene Anbieter und Länder operiere, sei es aber sehr schwierig, die Herkunft der Anrufe herauszufinden.

Swisscom hat wenig Möglichkeiten

Das bestätigt auch Annina Merk, Sprecherin der Swisscom, auf Anfrage: «Zwischen dem Anrufenden und dem Angerufenen können zahlreiche internationale Telekomanbieter liegen, was die Rückverfolgung und die Beurteilung verunmöglicht oder mindestens massiv erschwert.»

Da sich die Ausprägungen und Muster laufend verändern würden, sei es für Telekom-Unternehmen schwierig, zielführende Massnahmen zu ergreifen. Merk: «Die Betrüger wechseln laufend die Nummern, sodass Sperrungen nur begrenzt nützen.»

Um sich vor Telefonbetrügern zu schützen, rät die Polizei Folgendes:

- Melden Sie verdächtige Anrufe oder geplante persönliche Kontaktaufnahmen umgehend der Polizei auf der Notrufnummer 117.

- Die Betrüger suchen in verschiedenen Telefonverzeichnissen gezielt nach älteren Vornamen und wählen so ihre Opfer aus. Prüfen Sie, ob es für Sie allenfalls Sinn macht, die Telefonnummern aus den Telefonverzeichnissen löschen zu lassen.

- Überprüfen Sie, ob es sich um einen echten Polizisten handelt, indem Sie die Nummer 117 wählen und nach dem anrufenden Polizisten fragen.

- Seien Sie misstrauisch gegenüber hochdeutsch sprechenden Polizisten. Zürcher Polizisten sprechen Schweizerdeutsch.

- Seien Sie misstrauisch, wenn jemand verlangt, Geldsummen bei der Bank abzuheben, zu zahlen, jemandem zu übergeben oder irgendwo zu deponieren. Die Polizei verlangt nie telefonisch Bargeld.

- Nehmen Sie Warnhinweise von Bankangestellten ernst und erlauben Sie diesen bei geringsten Zweifeln, die Polizei zu verständigen.

- Übergeben Sie niemals Bargeld, Schmuck oder andere Wertsachen an Ihnen nicht bekannte Personen.

- Notieren Sie sich Ihnen nicht bekannte Telefonnummern.

- Polizisten weisen sich immer mit ihrem Dienstausweis aus.

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