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Gefangen hinter GitternHunderte Arbeiter sterben bei Fabrik-Bränden

Bei einem Feuerinferno in einer Textilfabrik in Karachi und einer Schuhfabrik in Lahore steigen die Opferzahlen weiter. Mindestens 271 Menschen sind bei den Bränden ums Leben gekommen.

Fehlende Notausgänge und fehlende Alarmanlagen haben am Dienstag bei verheerenden Bränden in zwei pakistanischen Fabriken fast 300 Menschen das Leben gekostet. Betroffen sind eine Textilfabrik in Karachi sowie eine Schuhfabrik in Lahore.

Allein aus der niedergebrannten Textilfabrik in Karachi wurden bis am Mittwoch nach offiziellen Angaben 246 Leichen geborgen. Bei dem Brand in der Schuhfabrik in Lahore habe es weitere 25 Tote gegeben, sagte ein Vertreter der pakistanischen Regierung. Damit steigt die Opferzahl auf mindestens 271.

Die meisten Opfer des tödlichen Feuers in der Textilfabrik in Karachi seien erstickt, weil sie nicht aus dem Keller des Gebäudes fliehen konnten, sagte der Chef der Feuerwehr. Es gebe keine Notausgänge in dem Gebäude, und die Türen im Keller seien versperrt gewesen.

Keinerlei Sicherheitsvorkehrungen

Einige zwängten sich durch die mit Metallgittern versperrten Fenster und sprangen aus dem Gebäude. Andere blieben zwischen den Gittern stecken und verbrannten.

Ein verletzter Überlebender berichtete, vom Treppenhaus sei plötzlich ein Feuerball auf die Arbeiter zugekommen. Alle seien aufgesprungen und zu den Fenstern gerannt, doch hätten Eisengitter eine Flucht unmöglich gemacht.

«Einige von uns griffen schnell Werkzeug und Maschinen, um die Eisenstangen zu durchbrechen. So konnten wir aus den Fenstern auf die Erde springen.»

Ein Polizeisprecher sagte, in dem Gebäude habe es keinerlei Sicherheitsvorkehrungen gegeben. «Es gab keinen Notausgang. All die Leute sassen fest.» Die Firmenleitung sei geflüchtet, nach den Managern werde gefahndet, sagte ein Regierungssprecher.

Funken setzen Chemikalien in Brand

In Lahore kamen laut Polizeiangaben 25 Menschen ums Leben. Das Feuer brach demzufolge aus, als nach einem Stromausfall in der Schuhfabrik versucht wurde, den Generator einzuschalten. Funken kamen mit Chemikalien in Kontakt und setzten sie in Brand.

Einige der Opfer seien verbrannt, andere erstickt, sagte ein Polizist. Die Fabrik war illegal in einem Wohnviertel betrieben worden. Auch dort gab es keine Fluchtwege. Die Garage des Gebäudes, in der auch der Brand ausbrach, sei der einzige Weg nach draussen gewesen, sagte einer der überlebenden Arbeiter.

Der pakistanische Ministerpräsident Raja Pervaiz Ashraf äusserte sich entsetzt über die Brände. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Tragische Szenen rund um eine niedergebrannte Textilfabrik in Karachi: Hunderte haben ihre Angehörigen verloren.

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