Aktualisiert 28.06.2020 14:33

20-Stunden-Party in Bern

Hunderte feiern illegale Techno-Party ohne Corona-Schutz

Eine Party mitten in der Stadt Bern dauerte fast einen ganzen Tag. Laut Augenzeugen wurde diese von mehreren Tausend Menschen besucht. Corona-Schutzmassnahmen wurden offenbar keine umgesetzt.

So eine Techno-Party hat die Stadt Bern wohl noch nie gesehen: Mitten in der Berner City wummerten gut 20 Stunden lang laute Bässe durch die Gassen und an der Aare entlang. Am Samstag nach dem Mittag ging es los, am Sonntag um 8 Uhr war dann Schluss. Während die illegale Party auf dem Vorplatz der Reitschule in den ersten Stunden eher spärlich besucht war, tanzten in der Nacht mehrere Hundert Nachtschwärmer zu den lauten Bässen.

«Das ganze Areal war sozusagen ein grosser Klumpen Menschen. Alle waren dicht gedrängt», so ein Leser-Reporter, der um 1 Uhr an der Party vorbeiging. Was ihn besonders störte: «Niemand, wirklich niemand, hat sich um die Corona-Schutzmassnahmen oder allgemein um das Virus geschert.» Die Bernerin M. B.*, die an der Party war, bestätigt: «Es wurden weder Personalien aufgenommen, noch gab es die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren, und kaum jemand trug eine Maske.» Es seien vor allem jüngere Besucher gewesen, sagt die 24-Jährige: «Hätten wir nicht Corona-Zeit, dann wäre es eine richtig geile und wilde Party gewesen. Aber so hat das Ganze schon einen fahlen Nachgeschmack.» Die Bernerin verbrachte trotzdem einige Stunden dort: «Ich habe mich hinreissen lassen. Als ich heute erwachte, hatte ich ein schlechtes Gewissen.»

Kapo beschlagnahmt Musikanlage

Ein Anwohner*, der das rege Treiben auf dem Vorplatz der Reitschule verfolgte, schätzt, dass insgesamt mehrere Tausend Menschen den Event besuchten. «Morgens um 8 Uhr fuhr schliesslich die Polizei vor und beendete die Party.» Die Kapo Bern bestätigt, dass die Musikanlage schlussendlich von Polizisten beschlagnahmt wurde. Es sind zwei Personen angehalten worden, sie werden gemäss Kapo angezeigt. Über 100 Lärmklagen gingen wegen der Party ein – teils auch aus den umliegenden Gemeinden.

Noch in der Nacht hätte die Kapo Bern bezüglich der Veranstaltung versucht, den Lärm zu unterbinden, sagt Kapo-Sprecher Dominik Jäggi: «Mit Blick auf die zahlreichen Personen, die sich während den Nachtstunden im Raum Schützenmatte aufhielten, wurde aber zunächst auf eine Intervention verzichtet.»

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Von Samstag Vormittag bis Sonntag in der Früh fand auf dem Vorplatz der Berner Reithalle ein Rave statt.

Von Samstag Vormittag bis Sonntag in der Früh fand auf dem Vorplatz der Berner Reithalle ein Rave statt.

Leser-Reporter
Ursprünglich war die illegale Party als Dayrave angekündigt.

Ursprünglich war die illegale Party als Dayrave angekündigt.

zvg
Laut Augenzeugen haben einige Tausend Menschen den Event besucht.

Laut Augenzeugen haben einige Tausend Menschen den Event besucht.

Leser-Reporter

Keine Reitschul-Party

Die Reitschule betont gegenüber 20 Minuten, dass die Party nicht vom Polit- und Kulturzentrum veranstaltet wurde: «Das Grosse Tor zur Reitschule war die ganze Nacht geschlossen. Die Party verlief allem Anschein nach friedlich», so die Mediengruppe der Reitschule. Sie könnten keine Angaben dazu machen, wer die Organisatoren waren oder ob Schutzmassnahmen umgesetzt wurden: «Der allgemein lockere bis sorglose Umgang betreffend Corona-Massnahmen seit dem Lockdown-Ende geht natürlich auch an den jungen Menschen nicht vorbei, die lange auf Partys verzichten mussten.»

War die Party ursprünglich als Daydance geplant gewesen, der dann ausgeartet ist? Im Vorfeld grassierte ein Flyer der Veranstaltung, die den Namen «Techno Paradies» trug. Laut diesem sollte die Veranstaltung, die dort als Daydance bezeichnet wurde, von 11 Uhr vormittags bis Mitternacht stattfinden.

*Namen bekannt

(db/cho)

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1095 Kommentare
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Schreiberling

29.06.2020, 11:31

Freiheit nehmen? Das Leben besteht nicht nur aus Spass und Dollerei. Aber leider steht in unserer Spassgesellschaft das Ego an erster Stelle. Es ist nun mal eine Ausnahmesituation, da könnte man sich auch mal an die Regeln halten. Aber damit tut man sich heute halt schwer.

Spitäler

29.06.2020, 09:06

Der Sinn des Lockdowns war das unsere Spitäler nicht überlastet werden. Das war nie der Fall. Ich arbeite selbst im Spital. Die Betten waren etwa zu 30% ausgelastet. Hört auf mit der Angstmache. Menschen sterben auch ohne Covid!

TanzDichFrei

29.06.2020, 08:58

Versucht den jungen ruhig ihre Freiheit zu nehmen. Schlussendlich wird das in einem neuen Tanz dich Frei enden.