Schneechaos: Hunderte frieren auf Autobahn
Aktualisiert

SchneechaosHunderte frieren auf Autobahn

Heftige Schneestürme haben in Norddeutschland für chaotische Zustände gesorgt. Auf der Autobahn 20 in Mecklenburg-Vorpommern wurden fast 200 Menschen in Autos, Lkws und einem Reisebus eingeschneit und sassen nachts in ihren Fahrzeugen fest.

Erst am Morgen konnten sie von Polizei und Rettungsmannschaften befreit werden. Dramatisch war die Situation auch in Schleswig-Holstein, wo wegen Schneeverwehungen mehrere Orte von der Aussenwelt abgeschnitten wurden. Zudem trat die Ostsee über die Ufer. Bei Dahmeshöved drohte ein Deich zu brechen.

Mit einem Tag Verspätung sorgte das Tief «Daisy» damit doch noch für die vielfach befürchtete Katastrophe. Die Polizei appellierte dringend an die Menschen, ihr Auto stehenzulassen. Am schlimmsten war die Lage auf der A20 in Mecklenburg-Vorpommern südlich von Jarmen, wo zahlreiche Menschen die Nacht über in ihren Fahrzeugen festsassen und vom Technischen Hilfswerk und anderen Rettungskräften versorgt werden mussten. Betroffen waren nach Polizeiangaben 167 Menschen, die in mehreren Autos, einem Reisebus und 12 bis 20 Lastwagen festsassen.

Hilfe erst am Morgen

Wegen des anhaltenden Schneefalls gelang es den Einsatzkräften stundenlang nicht, die Eingeschneiten freizubekommen. Nach Angaben der Autobahnpolizei Altentreptow waren Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte zwischen 03.00 Uhr nachts und 07.30 Uhr morgens im Grosseinsatz. Erst am Morgen hatten sie sich mit Hilfe von Fräsen zu den Eingeschlossenen vorgearbeitet.

Nach ihrer Befreiung wurden die Menschen den Angaben zufolge in Jarmen in aufgebauten Zelten betreut. Die ersten Notrufe hatte es demnach schon am Samstagabend um 20.00 Uhr gegeben. Das Technische Hilfswerk war noch am Sonntagvormittag mit dem Abschleppen der letzten Fahrzeuge beschäftigt.

Auf den Inseln Rügen und Usedom wie auch auf den Halbinseln Fischland, Darss, Zingst sowie dem küstennahen Festland brach den Angaben zufolge der Verkehr fast völlig zusammen. Schon am Samstagnachmittag hatte der Nahverkehr im Küstenbereich den Betrieb eingestellt. Auch Bahnstrecken mussten gesperrt werden.

Überschwemmungen auch in Lübeck

Auch ein Schneesturm über Lübeck und Ostholstein beschäftigte zahlreiche Einsatzkräfte. Die Polizei bezeichnete die Situation am Sonntagmorgen als unverändert angespannt. In Ostholstein waren fast alle Kreis-, Gemeinde- und Nebenstrassen unpassierbar. Lediglich die Autobahnen und Bundesstrassen wurden in Minutenabständen geräumt. Trotzdem kam es auch dort zu Behinderungen durch plötzlich auftretende Schneewehen.

In Neustadt, Heiligenhafen und auch an anderen Badeorten trat nach Angaben der Polizeidirektion Lübeck die Ostsee über die Ufer. Bei Dahmeshöved drohte ein Deich zu brechen, dort halfen zahlreiche Menschen und versuchten, das Schlimmste zu verhindern.

Auf der Insel Fehmarn ging fast nichts mehr, dort war nur die E 47 befahrbar, alle Ortschaften seien «mehr oder weniger sich selbst überlassen», erklärte die Polizei. Auch in Lübeck selbst kam es zu erheblichen Beeinträchtigungen. So stellte die Priwallfähre ihren Betrieb bis auf weiteres komplett ein, so dass der Stadtteil praktisch von der Aussenwelt abgeschnitten war.

Auf dem Land- und Wasserwege nicht erreichbar

Kleine Ortschaften wie Blankensee, Vorrade oder Wulfsdorf und auch unzählige Dörfer in Ostholstein waren auf dem Land- und Wasserwege nicht erreichbar. Der Pegelstand der Trave stieg in der Lübecker Altstadt auf 6,50 Meter, das Wasser trat über die Ufer. Auch in Travemünde sei die Situation äusserst angespannt. «Die Wellen der Ostsee peitschen gegen die steinerne Strandpromenade, reissen mit ungeheurer Wucht Ziegelsteine aus der Mauer, die dann unkontrolliert herumfliegen», teilte die Polizei mit.

Allein in Ostholstein gingen in der Nacht 253 Notrufe bei der Polizei ein. Ständig drohten Baugerüste umzuwehen oder Bäume abzuknicken. Viele Menschen steckten mit ihren Fahrzeugen in meterhohen Schneewehen fest.

(sda)

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