Boy Scouts of America: Hunderte Sex-Verbrechen verschwiegen
Aktualisiert

Boy Scouts of AmericaHunderte Sex-Verbrechen verschwiegen

Ein grosser Skandal erschüttert die amerikanischen Pfadfinder. Über Jahrzehnte wurden dort hunderte Sexualverbrechen an Kindern verheimlicht. Zudem existierte eine interne Blacklist.

von
aeg
William Lazzareschi auf einem Register für Sexualverbrecher in Rhode Island (Rhode Island Parole Board & Sex Offender)

William Lazzareschi auf einem Register für Sexualverbrecher in Rhode Island (Rhode Island Parole Board & Sex Offender)

Seit 1919 führen die Boy Scouts of America, die amerikanischen Pfadfinder, eine interne schwarze Liste mit Namen von Männern, die Jungen missbraucht haben. Stets haben sie sich erfolgreich gegen eine Veröffentlichung gewehrt. Bis jetzt die «Los Angeles Times» Einblick in die geheimen Dokumente bekam.

Dabei kam heraus: Über zwei Jahrzehnte lang haben die US-Pfadfinder Hunderte mutmassliche Missbrauchsfälle nicht der Polizei gemeldet. Stattdessen wurden die Vorwürfe vor den Eltern und der Öffentlichkeit geheim gehalten. Das Blatt prüfte 1600 vertrauliche Akten aus den Jahren von 1970 bis 1991 und kam zu dem Schluss, dass die Leiter der Organisation die geständigen Täter häufig zum stillen Rückzug drängten.

Die interne schwarze Liste funktionierte offenbar nicht. In der Mehrheit der Fälle erfuhren die Pfadfinder erst von dem Missbrauch, nachdem er den Behörden gemeldet worden war. In mehr als hundert Fällen bemühte sich die Verwaltung jedoch, den Missbrauch zu vertuschen oder liess die Vertuschung durch die Täter zu, wie die «Times» berichtete. Dies sei geschehen, um den Ruf der Organisation und langjährige Mitglieder zu schützen.

«Er hat mich dazu gezwungen»

Ein Beispiel rührt aus dem Jahr 1976. Fünf jugendliche Pfadfinder haben ihren Leiter der Vergewaltigung und weiterer Sex-Verbrechen bei der Pfadfinder-Verwaltung angeklagt. Kurz darauf bat dieser aus beruflichen Gründen um seine Entlassung. «Mit grossem Bedauern» wurde diese dann von der Verwaltung genehmigt.

Ein anderes Beispiel ist der Fall William Lazzareschi. Der Mann wurde 1971 hinter einem Zelt erwischt, als ihn ein Junge oral befriedigte. Lazzareschi wurde von den Pfadfindern entlassen, die Polizei wurde nicht informiert. Dies trotz klarer Aussagen des Opfers: «Herr Lazzareschi hat mich dazu gezwungen», zitiert die «Times» aus dem Bericht.

Die Boy Scouts of America verteidigten sich. Ihr Vorsitzender Wayne Brock veröffentlichte als Reaktion auf den Artikel am Montagabend einen offenen Brief. Darin erläuterte er die Schutzmechanismen, die inzwischen in Kraft seien. So werde zum Beispiel ein Führungszeugnis von Teamleitern gefordert. Diese würden ausserdem darin ausgebildet, Missbrauch zu erkennen und zu melden. Bei allen Aktivitäten seien immer zwei Erwachsene dabei. «Kein Pfadfinder sollte mit einem Leiter allein sein», schrieb Brock. (aeg/dapd)

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