22.08.2019 04:48

Über 47'000 FrankenHunderte spenden für die Klimaaktivisten-Strafen

Aktivisten, die in Zürich und Basel Standorte der UBS und CS blockiert hatten, werden beim Bezahlen ihrer Strafen unterstützt. Dafür gibt es Kritik.

von
jen
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Ein Grossteil der Aktivisten kam am Mittwoch frei. Zwei müssen in Haft bleiben.

Ein Grossteil der Aktivisten kam am Mittwoch frei. Zwei müssen in Haft bleiben.

20M
54 Aktivisten erhielten bereits einen Strafbefehl wegen Nötigung. Gegen sieben weitere Personen läuft ein Verfahren.

54 Aktivisten erhielten bereits einen Strafbefehl wegen Nötigung. Gegen sieben weitere Personen läuft ein Verfahren.

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Die 19-jährige Enora aus Genf (Mitte) war zwei Nächte in Haft: «Ich habe in der Zelle absichtlich geschrien.»

Die 19-jährige Enora aus Genf (Mitte) war zwei Nächte in Haft: «Ich habe in der Zelle absichtlich geschrien.»

Leser-Reporter/20M

Klimaaktivisten des Collective Climate Justice haben Anfang Juli die Eingänge der Hauptsitze der Grossbanken Credit Suisse in Zürich und der UBS in Basel besetzt. Dafür werden die rund 100 Klimaaktivisten nun zur Kasse gebeten. Wie es aus dem Aktivistenumkreis heisst, bewegt sich der Betrag um die 800 Franken pro Aktivist.

Für die Aktion in Zürich wurden die Aktivisten per Strafbefehl verurteilt. Die meisten wurden wegen Nötigung schuldig gesprochen, manche auch wegen Hausfriedensbruch. In Basel sollen teils Aktivisten auch wegen Landfriedensbruch verurteilt worden sein, was höhere Bussen zur Folge hat. Eine Handvoll habe den Strafbefehl angefochten und ziehe nun vor Gericht.

Bereits 47'000 Franken gesammelt

Laut Campax, einer progressiven Kampagnenorganisation mit Sitz in Zürich, belaufen sich die Kosten aller Aktivisten auf insgesamt etwa 265'000 Franken. Der Verein hat sich deshalb dazu entschlossen, ihnen unter die Arme zu greifen und eine Spendenaktion im Internet durchzuführen.

«Nur weil das Gesetz solche Strafen ermöglicht, heisst das nicht, dass sie richtig sind», sagt Andreas Freimüller, Geschäftsführer von Campax. Diese Ansicht würden weit über 700 Leute teilen. Denn bis heute hat die Organisation rund 47'000 Franken für die Aktivisten gesammelt. «Dass die AktivistInnen wegen ihrer gewaltfreien Blockade so behandelt werden, ist total daneben», so Freimüller.

«Einziges Verbrechen begehen die Grossbanken»

Er spricht die Haft an, in der sich die Klimaaktivisten nach ihrer Aktion befanden. «Es ist nicht schön, wie eine Schwerverbrecherin behandelt zu werden», sagte etwa die 15-jährige Paula Schmid nach ihrer Entlassung.

Die Schülerin findet die Spendenaktion gelungen: «Viele von uns können eine solche Geldstrafe gar nicht bezahlen.» Es sei ihr bewusst, dass sie und die anderen sich strafbar gemacht hätten, aber: «Das einzige Verbrechen hier begehen die Grossbanken. Sie sind es, die unsere Welt zerstören, also müssen sie zur Verantwortung gezogen werden und nicht wir, die das aufhalten möchten.»

«Eine Strafe muss wehtun»

Das sieht Nationalrat und Stadtzürcher SVP-Präsident Mauro Tuena anders: «Wenn Leute eine solche Guerillaaktion durchziehen, müssen sie mit einer harten Strafe rechnen.»

Er halte nichts von diesem «Bettelaufruf», wie Tuena den Spendenaufruf betitelt: «Ich rufe dazu auf, diesem unter keinen Umständen zu folgen.» Bei einer Strafe handle es sich um eine erzieherische Massnahme. «Wenn die Verurteilten die Strafe nicht selber bezahlen, verfehlt sie ihre Wirkung – auch in präventiver Hinsicht», sagt Tuena. Das dürfe nicht sein. «Eine Strafe muss wehtun, sonst lernt niemand daraus.»

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