Aktualisiert 21.01.2016 07:57

Fake-Profile

Hunderte tappen in fiese Facebook-Falle

Die Kantonspolizei Solothurn warnt vor einer neuen, perfiden Facebook-Masche – fünf Opfer sind betroffen. Schweizweit sind Hunderte in die Falle getappt.

von
G. Brönnimann
Diese (und ähnliche) Botschaften sehen verdächtig aus. Mit einem versierten Betrüger am anderen Ende der Leitung, den das Opfer für einen persönlichen Freund hält, ist die «Y»-Taste schnell gedrückt.

Diese (und ähnliche) Botschaften sehen verdächtig aus. Mit einem versierten Betrüger am anderen Ende der Leitung, den das Opfer für einen persönlichen Freund hält, ist die «Y»-Taste schnell gedrückt.

20 Minuten

Felicia* erhält eine Nachricht von ihrem Facebook-Freund Marc*. Ob sie ihm nicht rasch ihre Handynummer schicken könnte? Felicia ist abgelenkt, sitzt mit Kollegen in einer Bar. Hat Marc ihr nicht erst vor einer halben Stunde wieder eine Freundschaftsanfrage geschickt? Technische Probleme? Egal, man kennt sich ja – sie schickt ihm die Nummer.

Sofort kommt eine SMS: Seltsame Sache. Irgendetwas soll sie bestätigen, etwas mit 100 Franken. «Hast Du mein SMS bekommen?», schreibt Marc gleich per Facebook-Chat. «Ja, aber was soll das mit den 100 Franken?» – «Keine Problem, ich erklärs», schreibt Marc, und tippt und tippt. Felicia wird stutzig. Sie sucht Marc unter ihren Facebook-Freunden. Und siehe da: Es gibt ihn zweimal! Jemand hat sein Profil kopiert und ist in seine Rolle geschlüpft, um sie zu beklauen.

Allein bei Swisscom 140 betroffene Kunden

Nicht alle sind so vorsichtig wie Felicia. Am Mittwoch warnte die Solothurner Polizei vor exakt dieser Masche. Gelingt es den falschen Freunden mit den kopierten Profilen, ihre Opfer dazu zu bringen, eine SMS-Bestätigung zu senden oder ihnen einen Code mitzuteilen, sind die unbekannten Gauner 100 Franken reicher.

«Wir haben von fünf Fällen Kenntnis. Wer dahintersteckt, wird derzeit ermittelt», sagt Thomas Kummer, Sprecher der Kapo Solothurn. Fünf Betrogene haben im Kanton Solothurn Anzeige erstattet. Vereinzelt hat die Facebook-Masche schon 2015 für Aufsehen gesorgt, doch nun scheint sie sich zu verbreiten: Allein der Anbieter Swisscom geht im Januar von 140 betroffenen Kunden aus – «die Abklärungen laufen noch», sagt Sprecher Armin Schädeli.

Die Gangster sind kaum zu fassen

Die Geschädigten dürfen aufatmen: «Wir sorgen dafür, dass die Beträge auf der Januarrechnung der betroffenen Kunden gar nicht erst verrechnet werden», so Schädeli. Und weiter: «Die entsprechende Kurznummer wurde bereits am Dienstag gesperrt. Mittlerweile hat der betroffene Anbieter, welcher auch ein Opfer dieses Betrugfalles ist, Massnahmen ergriffen, um künftig solche Betrugsfälle gar nicht erst zu ermöglichen.»

Nicht auszuschliessen, dass die Betrüger einen anderen Anbieter finden. Eine Strafanzeige, so Schädeli, müsse von Seiten der Geschädigten erfolgen – und «in diesem Fall ist dies der Kunde». Mindestens 140 Geschädigte in einem Monat, eine grosse Dunkelziffer von Fällen versuchten Betrugs – und potentiell 26 Kantonspolizeien, die nach den Schuldigen suchen. «Die Verfolgung dieser Delikte liegt in kantonaler Zuständigkeit», erklärt Alexander Rechsteiner, Sprecher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements EJPD.

Wichtige Verhaltensregeln

«Nicht einfach» sei es, die Täter zu schnappen, so Thomas Kummer von der Kapo Solothurn, «weil sich die Spur im Netz verliert». Man arbeite mit Kobik zusammen, der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität. «Wünschenswert», sagt Kummer, sei «äusserste Vorsicht und Skepsis» im Netz. Kobik gibt Verhaltenstipps zu einer ähnlichen Betrugsmasche: «Seien Sie stets misstrauisch bei ungewöhnlichen Meldungen Ihrer Freunde, insbesondere dann, wenn man Sie zum Anrufen auf unbekannte Nummern oder zur Weitergabe der eigenen Nummer auffordert» (weitere Tipps finden Sie hier).

«Zuerst habe mich geschämt für meine Naivität», sagt Felicia, die um ein Haar in die Facebook-Falle getappt wäre. «Aber gleichzeitig war ich wütend. Das bin ich immer noch. Es ist ein Vertrauensmissbrauch. Man denkt bei Freunden nicht gleich an Diebstahl.»

*Namen der Redaktion bekannt

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