Food-Waste: Hunderte verpackte Menüs von Zürcher Essensdienst landen im Abfall

Aktualisiert

Food-WasteHunderte verpackte Menüs von Zürcher Essensdienst landen im Abfall

Die Firma Felfel beliefert Büros mit Mahlzeiten. Das übrig gebliebene Essen füllt zwei Container pro Woche. Damit liegt die Firma nach eigenen Angaben unter dem Industrie-Durchschnitt beim Food-Waste.

von
Fabian Pöschl
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Dieses Bild machte ein News-Scout kürzlich vor einer Entsorgungsstelle in Dietikon.

Dieses Bild machte ein News-Scout kürzlich vor einer Entsorgungsstelle in Dietikon.

20min/News-Scout
Es sind abgepackte Menüs der Firma Felfel, die abgelaufen sind. Pro Woche seien es zwei Container, sagt Anna Grassler, Co-CEO von Felfel. Die Firma sei damit unter dem Industrie-Durchschnitt.

Es sind abgepackte Menüs der Firma Felfel, die abgelaufen sind. Pro Woche seien es zwei Container, sagt Anna Grassler, Co-CEO von Felfel. Die Firma sei damit unter dem Industrie-Durchschnitt.

Felfel
Erst kürzlich entdeckte ein News-Scout Hunderte Dunkin’ Donuts im Abfall.

Erst kürzlich entdeckte ein News-Scout Hunderte Dunkin’ Donuts im Abfall.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Bei einer Entsorgungsstelle in Dietikon fand ein News-Scout einen Container mit Hunderten verpackten Menüs.

  • Die Leserin kann nicht verstehen, dass so viele Lebensmittel im Abfall landen.

  • Der Essensdienst füllt zwei Container pro Woche.

Ein Abfallcontainer mit unzähligen Dunkin’ Donuts sorgte kürzlich für Unmut in der 20-Minuten-Community. Vergangene Woche hat ein News-Scout einen weiteren solchen Container entdeckt: Hunderte Menüs mit Soba-Nudeln, Süsskartoffeln und Salaten in abgepackten Boxen lagen bei einer Entsorgungsstelle in Dietikon (ZH).

«Ich war ziemlich erschrocken darüber, dass in der heutigen Zeit so viele Lebensmittel entsorgt werden», sagt News-Scout M.* zu 20 Minuten, die den Abfallberg fotografierte (siehe Bildstrecke).

Das Essen stammt von der Zürcher Firma Felfel, die rund 800 Unternehmen in der Schweiz beliefert. Der Container im Bild repräsentiert laut eigenen Angaben den Food-Waste von 150’000 Endkunden für eine halbe Woche. Pro Woche sind es also zwei Container.

Firma verweist aufs Lebensmittelgesetz

«Das Thema Food-Waste hat bei uns oberste Priorität und liegt uns am Herzen», sagt Felfel-Co-CEO Anna Grassler zu 20 Minuten.

Da die Menüs der Firma eine Haltbarkeit von drei Tage hätten, müsse Felfel diese jeweils nach Ablauf der drei Tage von den belieferten Unternehmen zurückholen, obwohl sie noch essbar seien. «Obwohl wir versuchen, so viel wie möglich zu verschenken, dürfen wir aufgrund des Lebensmittelgesetzes vieles nicht – auch wenn wir selbst es essen würden», so Grassler.

Unternimmst du viel gegen Food-Waste?

Sie betont, dass ihr ökologische Nachhaltigkeit wichtig sei. Die Firma setze auf Algorithmen, um die Firmenkühlschränke möglichst so zu bestücken, dass weniger übrig bleibt. «Ich glaube fest an die Macht der Daten. Dank dieser sind wir in puncto Food-Waste bereits jetzt tief unter dem Industrie-Durchschnitt und können den Abfall weiterhin jedes Jahr um ein bis zwei Prozentpunkte senken», so Grassler.

Food-Waste lässt sich vermeiden

Claudio Beretta, Umweltwissenschafter an der ZHAW und Präsident vom Verein foodwaste.ch, lässt das Argument mit dem Lebensmittelgesetz nicht gelten. «Wenn eine Firma Verpflegung wirklich ohne Food Waste anbieten will, findet sie einen Weg dazu», sagt er zu 20 Minuten.

Ein neuer Leitfaden der ZHAW empfehle, Produkte vor dem Ablaufdatum einzufrieren und später zu verkaufen oder zu spenden. Wem das zu viel Aufwand sei, der könne das Essen auch von Institutionen wie dem Verein Foodsharing abholen lassen. Dieser übernehme die Verantwortung zur Einhaltung der Kühlkette, damit ein Betrieb wie Felfel nicht haftbar gemacht werden könnte, wenn etwas mit dem Essen nicht mehr stimmt.

Bundesrat sagt Food-Waste den Kampf an

Der Bundesrat hat im Frühling einen Aktionsplan verabschiedet, der die Verminderung von Lebensmittelverschwendung beschleunigen soll. Bis 2030 soll der Food-Waste in der Schweiz im Vergleich zum Jahr 2017 halbiert werden. Die Ziele sollen durch eine mit Unternehmen und Organisationen des Lebensmittelsektors geschlossene Vereinbarung umgesetzt werden. Die Massnahmen sind freiwillig und sind etwa eine verbesserte Angabe der Haltbarkeitsdauer bestimmter Produkte, eine bessere Anbauplanung, Verpackung oder das Spenden von unverkauften Lebensmitteln. 

*Name der Redaktion bekannt.

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