Aktualisiert 13.11.2017 06:27

Schweizer Armee

Hunderte versäumen den Militärdienst

Zahlen der Militärjustiz zeigen: Immer mehr Militärangehörige versäumen ihren Dienst. Es drohen Arrest, Bussen und Geldstrafen.

von
Jennifer Furer
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Immer wieder kommt es aber vor, dass Militärangehörige, von Offizieren bis Soldaten, die einen Militärdienst leisten müssen, diesen versäumen.

Immer wieder kommt es aber vor, dass Militärangehörige, von Offizieren bis Soldaten, die einen Militärdienst leisten müssen, diesen versäumen.

Keystone/Georgios Kefalas
Wie Zahlen der Militärjustiz, die 20 Minuten vorliegen, zeigen, muss sich diese immer wieder mit Dienstversäumern auseinandersetzen.

Wie Zahlen der Militärjustiz, die 20 Minuten vorliegen, zeigen, muss sich diese immer wieder mit Dienstversäumern auseinandersetzen.

Keystone/Georgios Kefalas
Ein Dienstversäumnis begeht nicht nur, wer seinen Dienst nicht antritt, sprich nicht einrückt, sondern beispielsweise auch, wer nicht am Orientierungstag oder an der Rekrutierung teilnimmt. Das Militärdienstversäumnis kann sowohl vorsätzlich als auch fahrlässig begangen werden.

Ein Dienstversäumnis begeht nicht nur, wer seinen Dienst nicht antritt, sprich nicht einrückt, sondern beispielsweise auch, wer nicht am Orientierungstag oder an der Rekrutierung teilnimmt. Das Militärdienstversäumnis kann sowohl vorsätzlich als auch fahrlässig begangen werden.

Keystone

Jeder männliche Schweizer Bürger ist ab dem 18. Lebensjahr verpflichtet, Militärdienst zu leisten. Immer wieder kommt es aber vor, dass Militärangehörige diesen versäumen, indem sie beispielsweise nicht einrücken. Wie Zahlen der Militärjustiz, die 20 Minuten vorliegen, zeigen, muss sich diese immer wieder mit Dienstversäumern auseinandersetzen.

Ein Dienstversäumnis begeht nicht nur, wer seinen Dienst nicht antritt, sprich nicht einrückt, sondern beispielsweise auch, wer nicht am Orientierungstag oder an der Rekrutierung teilnimmt. Das Militärdienstversäumnis kann sowohl vorsätzlich als auch fahrlässig begangen werden.

Leichte Fälle können disziplinarisch geahndet werden

Dabei kann das vorsätzliche Militärdienstversäumnis mit einer Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen Geldstrafe bestraft werden, das fahrlässige Militärdienstversäumnis wird mit einer Busse bestraft. Beide Varianten sehen einen sogenannten leichten Fall vor, welcher disziplinarisch erledigt werden kann. Wie Armeesprecher Daniel Reist sagt, kann in solch einem Fall beispielsweise der Kompaniekommandant maximal zehn Tage Arrest oder eine Disziplinarbusse bis höchstens 500 Franken verhängen.

Im Jahr 2014 wurden rund 674 Schuldsprüche wegen Militärdienstversäumnissen ausgesprochen. Die Zahl nahm im darauffolgenden Jahr um etwa 100 Fälle ab. 2015 wurden 570 Urteile ausgesprochen. 2016 stieg die Zahl wieder um knapp 90 Fälle auf 656 Urteile wegen Militärdienstversäumnissen.

Zahlen in der Realität deutlich höher

Die Anzahl Versäumer dürfte in der Realität noch einiges höher sein, wie Mario Camelin, Sprecher der Militärjustiz, sagt. Es gelte zu beachten, dass zahlreiche sogenannt leichte Fälle durch die Truppe oder die zuständige Verwaltungsbehörde behandelt werden. Über die Anzahl Administrativ- und Disziplinarverfahren führt die Armee keine zentrale Statistik, wie Armeesprecher Reist sagt.

Zu den Versäumnissen sagt Reist: «Es stellt nicht ein grosses Problem dar. Wenn man die Zahlen ansieht, ist es ein kleiner Bestandteil der Armeeangehörigen, die ihren Dienst versäumen.» 2016 verzeichnete die Armee rund 166'500 Angehörige. 2015 waren es noch knapp 170'000, 2014 lagen die Effektivbestände bei 176'700. Während also die Urteile wegen Militärdienstversäumnissen zunehmen, verringert sich der Personalbestand der Armee. Die Gründe dafür erschliessen sich Reist nicht.

Auslandreisen als Grund?

Reist sagt aber, dass die meisten Vergehen nicht mit voller Absicht erfolgen. «In vielen Fällen vergessen die Armeeangehörigen den Dienst zu verschieben. Sie erhalten ein Aufgebot und merken erst zu spät, dass sie hätten einrücken sollen», so Reist. Es komme auch vor, dass kurzfristig etwas Familiäres oder Berufliches dazwischenkommt.

Lewin Lempert, Sekretär der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), die unter anderem Beratungen für Armeeangehörige macht, stimmt dem zu. Er sagt: «Es kommt oft vor, dass der Militärdienst schlicht vergessen geht. Trotzdem raten wir den Leuten, sich einigermassen an die Regeln zu halten, und helfen dabei, ohne Konflikt mit der Militärjustiz von der Armee wegzukommen. Das vereinfacht das Leben massiv.»

Über den Anstieg der Urteile wegen Militärdienstversäumnissen vom Jahr 2015 auf 2016 von 570 auf 656 Fälle sagt Lempert: «Ich vermute, es hat damit zu tun, dass junge Menschen vermehrt ins Ausland gehen und vergessen, sich abzumelden.»

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