28.01.2016 09:19

Wi-Fi im Flugzeug

«Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht»

Ab Ende Februar können Passagiere in den neuen Swiss-Fliegern über den Wolken surfen. Ein Experte erklärt 20 Minuten die Sicherheitsrisiken.

von
Julia Panknin

Vielflieger und Internet-Junkies dürften bei dieser Meldung ein lautes «Endlich!» ausgestossen haben: An Board der neuen Boeing-777-Flotte der Swiss wird es ab Ende Februar auf Langstrecken Wi-Fi für Passagiere geben.

Sicherheitsexperten trüben diese Freude jedoch. Letzten April warnte die amerikanische Behörde GOA (Government Accountability Office) in einem Bericht vor den Risiken eines drahtlosen Internetzugangs für Passagiere: Profis könnten sich über den WLAN-Zugang ins Boardsystem hacken und so das Kommando über die Maschine übernehmen, hiess es.

Swiss ist sich der Gefahr bewusst

Die Vorstellung, Kriminelle könnten so ein Flugzeug kapern, ist für Passagiere beängstigend. Marc Ruef, IT-Sicherheitsexperte bei Scip AG, relativiert dies aber: «Fluggesellschaften sind sich sehr bewusst, dass es sie teurer zu stehen kommen könnte, wenn es deshalb zu einem Zwischenfall kommen würde.» Und ergänzt: Natürlich könnte man Geld sparen, wenn man die gleichen Komponenten für das Boardsystem und das Passagier-Wi-Fi nutzt. Allerdings wisse man, dass dann beide über das jeweilig andere angreifbar wären.

Sonja Ptassek, Sprecherin der Swiss, pflichtet ihm bei: «Wir sind uns der Gefahr grundsätzlich bewusst. Es wird in unserer Infrastruktur aber keinerlei Verbindung zwischen dem Passagier-WLAN und der Elektronik im Cockpit geben.»

«Ein Angriff braucht viel Know-how und Zeit»

Doch kann die Swiss die Sicherheit wirklich garantieren? «Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht», sagt Ruef. Fluggesellschaften könnten anhand von Sicherheitsanalysen aber klare Aussagen darüber machen, ob die Systeme wirklich so getrennt seien wie vorgesehen, erklärt er. «Ein Angriff wäre mit viel Aufwand verbunden. Jemand, der das System nicht kennt, bräuchte sehr viel Know-how und Zeit. Das Überlisten sämtlicher Sicherheitsmechanismen bringt man auf einem siebenstündigen Flug nicht hin», ist sich der Experte sicher.

Und wenn doch? Könnte ein Pilot etwa eine unerlaubte Änderung der Flugroute noch beeinflussen? Ruef: «Die Systeme sind so programmiert, dass das im Idealfall passiert. Wenn ein Angreifer jedoch das System komplett unter Kontrolle bringen kann, dann kann er sämtliche Informationen überschreiben.»

Hinweis: Dieser Artikel ist Mitte 2015 bereits auf 20 Minuten erschienen. Aus aktuellem Anlass wurde er für Sie aus dem Archiv geholt.

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