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Hunderttausende gedenken Hariris

Hunderttausende Libanesen haben in Beirut des vor zwei Jahren ermordeten Ex-Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri gedacht. Mit ihrem Marsch zum Grab auf dem Märtyrerplatz demonstrierten sie ihre Unterstützung für die bedrängte Regierung Siniora.

Ministerpräsident Fuad Siniora hatte den 14. Februar zum Feiertag erklärt. Geschäfte, Schulen und Büros blieben geschlossen. Seine pro-westliche Regierung steht seit Monaten unter dem Rücktrittsdruck pro-syrischer Kräfte.

In libanesischen Sicherheitskreisen war die Rede von 300 000 Teilnehmern an der Hariri-Gedenkveranstaltung.

Hariris Sohn Saad bekräftigte am Mittwoch vor den Nationalfahnen schwenkenden Demonstranten in der libanesischen Hauptstadt die Forderung, die Mörder seines Vaters vor einem internationalen Gerichtshof zur Verantwortung zu ziehen.

Drusenführer Walid Dschumblatt nannte Assad vor den Menschen, die sich in der Nähe von Hariris Grabmoschee in der Innenstadt versammelt hatten, einen «Tyrannen» sowie «Mörder in Syrien und Libanon». Dschumblatt deutete an, der syrische Präsident stecke hinter Hariris Ermordung.

Samir Geagea, Chef der christlichen Partei Forces Libanaises, nannte das internationale Tribunal unerlässlich, «um Gerechtigkeit zu erlangen und das Land zu schützen».

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen

Die Demonstration fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt, um Zusammenstösse mit Anhängern der Opposition zu verhindern, die seit Monaten den Amtssitz von Ministerpräsident Siniora blockieren. Hunderte Soldaten und Polizisten waren mit gepanzerten Fahrzeugen am Märtyrerplatz in Stellung gegangen und leiteten den Verkehr um.

Soldaten riegelten die Zeltstadt der Opposition ab, die unmittelbar an die Moschee grenzt, an deren Fuss Hariris Grab liegt. Viele der Luxusgeschäfte und Restaurants im Zentrum von Beirut blieben geschlossen.

Iran verurteilt Bus-Attentate

Der Iran verurteilte unterdessen die am Dienstag im Norden von Beirut verübten Anschläge auf zwei Busse, bei denen drei Menschen ums Leben kamen. In einer Erklärung des Aussenministeriums in Teheran hiess es, hinter den «verdächtigen Explosionen» stecke ein «zionistisches Komplott», mit dem «die Einheit, die Solidarität und der Widerstand des libanesischen Volks» untergraben werden solle.

Das libanesische Regierungslager machte hingegen Syrien für die Attentate verantwortlich und warf Damaskus vor, in dem konfessionell gemischten Land Zustände wie im Irak herbeiführen zu wollen. Die Opposition hatte als Reaktion auf die Anschläge zur nationalen Einheit aufgerufen.

Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte den Anschlag als terroristischen Angriff und als Versuch, Sicherheit und Stabilität in Libanon zu untergraben.

UNO: Spuren nach Damaskus

Hariri war am 14. Februar 2005 von einem Selbstmordattentäter ermordet worden. Seine Anhänger machen Syrien für diesen und andere Anschläge verantwortlich. Auch eine Untersuchung der UNO war zum Schluss gekommen, dass im Hariri-Mord Spuren nach Syrien führen. Die Regierung in Damaskus hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Der Mord an Hariri hatte massive Proteste gegen Syrien ausgelöst, das daraufhin nach 29 Jahren Besatzung seine Soldaten aus dem Libanon abzog. (sda)

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