Covid-Impfung - Hunderttausende Impfdosen laufen ab
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Sinkende NachfrageHunderttausende Schweizer Impfdosen laufen im Mai ab

Die Nachfrage nach Impfungen hat abgenommen, die vierte Impfung ist aktuell nicht zugelassen. Bund und Kantone sitzen nun auf überschüssigen Impfdosen. 

von
Nicolas Meister
Claudia Blumer
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400’000 Impfdosen, die derzeit in der Armeeapotheke gelagert werden, laufen im Mai ab. Der Bund versucht sie dennoch zu verwenden, wie das BAG mitteilt.

400’000 Impfdosen, die derzeit in der Armeeapotheke gelagert werden, laufen im Mai ab. Der Bund versucht sie dennoch zu verwenden, wie das BAG mitteilt.

VBS/Clemens Laub
Die Nachfrage nach der Covid-Impfung ist stark gesunken. Die Planbarkeit sei eine Herausforderung, sagt das BAG. Einerseits wolle man jederzeit genügend Impfstoff haben für Leute, die ihn brauchen. Andererseits wolle man einen möglichst effizienten Umgang damit und keinen überschüssigen Impfstoff entsorgen müssen.

Die Nachfrage nach der Covid-Impfung ist stark gesunken. Die Planbarkeit sei eine Herausforderung, sagt das BAG. Einerseits wolle man jederzeit genügend Impfstoff haben für Leute, die ihn brauchen. Andererseits wolle man einen möglichst effizienten Umgang damit und keinen überschüssigen Impfstoff entsorgen müssen.

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Derzeit besitzen Bund und Kantone überschüssigen Impfstoff, wie die Behörden auf Anfrage sagen.

Derzeit besitzen Bund und Kantone überschüssigen Impfstoff, wie die Behörden auf Anfrage sagen.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Die Nachfrage nach der Covid-Impfung sinkt. Der Bund hat jedoch noch 6,4 Millionen Impfdosen an Lager, wie das Bundesamt für Gesundheit auf Anfrage sagt.

  • 400’000 Impfdosen in der Armee-Apotheke laufen im Mai ab. Der Bund klärt ab, ob eine Verwendung über das Datum hinaus dennoch möglich ist.

  • Auch Kantone müssen teilweise Impfdosen entsorgen, etwa Luzern, St. Gallen und Zürich.

Gähnende Leere am Dienstagmorgen im Impftram beim Bellevue. Das anwesende Personal im weissen Kittel bestätigt dem Besucher auf Anfrage: Es gebe wenig zu tun. Und: Abgelaufene Impfdosen müssten entsorgt werden. Auch im Impfzentrum der Universität Zürich beim Hirschengraben sind die Mitarbeitenden nicht ausgelastet. Das Impfzelt beim Triemlispital hat unregelmässig geöffnet.

Die meisten Personen sind dreimal geimpft, eine weitere Auffrisch-Impfung ist aktuell nicht zugelassen. Deshalb ist die Nachfrage nach der Covid-Impfung stark gesunken. Und nun sitzen Bund und Kantone auf einem Vorrat an Impfdosen, wie Behörden auf Anfrage bestätigen.

Bund versucht ablaufende Impfdosen zu retten

«Aktuell ist es so, dass Mitte Mai rund 400’000 Impfdosen im Lager der Armeeapotheke gemäss den aktuellen Verfallsdaten ablaufen», sagt Simon Ming, Sprecher des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Der Bund suche jedoch mit Nachdruck eine Lösung, wie er diese 400’000 Impfdosen dennoch verwenden kann. Dazu ist er in Kontakt mit den Herstellerfirmen, da es möglicherweise Spielraum bei den Verfalldaten gibt.

Haltbarkeit und Kosten von Impfdosen

Impfdosen von Moderna sind tiefgefroren bis zu neun Monate haltbar. Nach dem Auftauen müssen sie innert 30 Tagen verimpft werden. Pfizer-Biontech-Dosen sind im tiefgefrorenen Zustand maximal sechs Monate haltbar, einmal aufgetaut sind sie noch 31 Tage haltbar.

Die exakten Kosten pro Impfdosis sind nicht bekannt. Die Hersteller selbst sowie die abnehmenden Staaten weltweit haben Stillschweigen über die Preise vereinbart. Schätzungen und Berichten zufolge kostet eine Moderna-Dosis 26 Franken und eine Pfizer-Biontech-Dosis 20 Franken.

Auch der Kanton Luzern bestätigt, dass überschüssige Impfdosen teilweise nicht mehr verwertet werden können. «Impfdosen müssen immer wieder weggeworfen werden, weil sie das Ablaufdatum überschreiten», sagt David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport. Auch wurden im Kanton Luzern wegen der geringen Nachfrage bereits mehrere Impfzentren geschlossen. Ebenfalls von überschüssigen Impfdosen betroffen ist der Kanton St. Gallen. Es müssten jedoch nur «vereinzelt» Impfdosen weggeworfen werden, sagt Sprecherin Olivia Meier. Anna Lüthi, Sprecherin des Basler Gesundheitsdepartements, sagt: «Generell werden beim Bund immer nur so viele Impfdosen bestellt, wie zum Impfen verplant wurden. So stellen wir einen optimalen und umsichtigen Umgang mit dem Impfstoff sicher.»

6,4 Millionen Impfdosen sind noch an Lager

Im Kanton Zürich berichten Besucher von Impfzentren, dass Dosen entsorgt werden müssten. Sprecher der Gesundheitsdirektion Jérôme Weber bestätigt, dass vereinzelt Dosen wegen der rückläufigen Impfnachfrage weggeworfen werden müssen. Übrige Dosen an den Bund zurückschicken sei jedoch keine Option. Das sagt auch BAG-Sprecher Simon Ming: «Die Kantone bestellen beim Bund Impfdosen nach ihren eigenen Berechnungen. Zurücknehmen kann der Bund die Dosen nicht, die Kantone müssen selber dafür sorgen, dass sie maximal effizient innerhalb des Kantons verwendet werden oder sie dann eben entsorgen.»

Insgesamt hat der Bund bisher 20,2 Millionen Impfdosen geliefert bekommen, davon wurden 15,7 Millionen Dosen verimpft. Immer noch an Lager befinden sich 6,4 Millionen Dosen. «Der Bund will sicherstellen, dass jede Person, die eine Impfung braucht, diese auch bekommt», sagt Simon Ming. Die Versorgungssicherheit habe Priorität, gleichzeitig wolle man Überschüsse vermeiden, die dann entsorgt werden müssen. «Das ist eine Gratwanderung.»

15 Millionen Dosen könnten ans Ausland gehen

Der Bund plane jedoch, diesen Frühling bis zu 15 Millionen Impfdosen an bedürftige Länder zu spenden, sollten diese nicht für die Verimpfung in der Schweiz eingeplant werden können, so Ming. «Dies betrifft insbesondere Impfdosen, die bestellt und bezahlt, aber noch nicht in die Schweiz geliefert wurden.» So seien bisher vier Millionen AstraZeneca-Impfdosen gespendet worden.

Dass überschüssige Impfdosen im Abfall landen und nicht als weitere Auffrischungsimpfung verabreicht werden können, sorgt auf Twitter bei manchen für Unmut. So beschwert sich etwa ein User darüber, dass man ihm trotz Attest die vierte Impfung verweigert habe. «Mir wurde bestätigt, dass jeden Abend Impfdosen weggeworfen werden», schreibt er. Ähnliches hat ein anderer User im Impfzentrum beim Triemlispital erlebt.

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BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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