Aktualisiert 05.06.2014 17:11

Ostukraine

Hunderttausende ohne Wasser

Wasser weg, Grenzen dicht: In der Ostukraine spitzt sich die Lage zu. Tausende Menschen versuchten, die betroffenen Städte zu verlassen.

Ein Mädchen aus der ukrainischen Stadt Donezk weint. Im Osten der Ukraine spitzt sich die Lage zu.

Ein Mädchen aus der ukrainischen Stadt Donezk weint. Im Osten der Ukraine spitzt sich die Lage zu.

In der von Regierungstruppen und Separatisten umkämpften Ostukraine sind ukrainische Grenzschützer wiederholt von prorussischen Separatisten angegriffen worden. Am Donnerstag haben sie nun mehrere Grenzübergänge nach Russland geräumt. In der Region sind zudem Hunderttausende Menschen ohne Wasser.

Fünf Städte im Gebiet Donesk seien wegen der Beschädigung einer Leitung von der Versorgung abgeschnitten, teilte der ukrainische Zivilschutz am Donnerstag in Kiew mit. Betroffen von Wassermangel seien unter anderem die Grossstädte Slawjansk und Kramatorsk mit jeweils mehr als 100'000 Einwohnern, hiess es.

Der Zivilschutz schickte Tanklastwagen mit Wasser in die betroffenen Gebiete - mit Ausnahme der besonders umkämpften Stadt Slawjansk. Russland beklagt seit Tagen, dass die Region sich zu einem humanitären Krisengebiet entwickle, und fordert die Schaffung eines Hilfskorridors, um Einwohnern in Not zu helfen.

Flucht nach Russland

Tatsächlich versuchten Tausende Menschen, die betroffenen Städte in der Ukraine zu verlassen. Im ukrainischen Fernsehen waren lange Warteschlangen auf Bahnhöfen vor Fahrkartenschaltern zu sehen.

Rund 4000 Menschen hätten inzwischen in Russland einen Flüchtlingsstatus beantragt, sagte Regierungschef Dmitri Medwedew. «Das ist eine nie dagewesene Situation», sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Täglich suchten gemäss den Angaben 3000 Ukrainer Zuflucht in Russland. Nicht alle von ihnen würden aber einen Flüchtlingsstatus beantragen, sagte Medwedew weiter.

«Die ukrainischen Machthaber sehen keine humanitären Probleme, sagen, dass es keine Flüchtlinge gebe. Das ist eine Lüge», sagte Medwedew bei einer Regierungssitzung.

Grenzschützer bedroht

Der ukrainische Grenzschutz konnte eine Flüchtlingswelle zunächst nicht bestätigen. Aus Sicherheitsgründen machte die Behörde aber mehrere Übergänge an der Grenze zu Russland dicht.

Die Grenzschützer und ihre Familien seien ständigen Übergriffen militanter Kräfte aus Russland ausgesetzt, teilten die Behörden in Kiew mit. Geschlossen wurden zunächst zwei von neun Auto- und einer von drei Eisenbahnübergängen im Gebiet Lugansk.

Das russische Aussenministerium kritisierte die Schliessung. Es sei «verstörend und unzulässig», dass auf diese Weise Menschen am Verlassen des Krisengebiets gehindert würden, sagte Aussenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch.

«Zynische» G7-Erklärung

Russland hat am Donnerstag auch die Ukraine-Erklärung der sieben bedeutenden Industrienationen auf dem G7-Gipfel in Brüssel als zynisch kritisiert.

«Die sogenannten Sieben lassen sich über 'gemässigte Handlungen' der ukrainischen Armee gegen das eigene Volk aus: Das ist an Zynismus kaum zu überbieten», sagte Medwedew der Agentur Interfax zufolge.

Moskau wirft den USA und der EU vor, die «Anti-Terror-Operation» der ukrainischen Führung in der Ostukraine zu unterstützen. Die von Russland kritisierte Formulierung auf dem G7-Gipfel lautete: «Wir rufen die ukrainische Führung auf, bei den Operationen zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung massvoll vorzugehen.»

Russland hatte mehrfach zum Dialog aufgerufen, um den Konflikt zu lösen, und immer wieder den Einsatz von Panzern und Kampfflugzeugen in der Ostukraine als völlig überzogen kritisiert. (sda)

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