Body Profiling – Der gefährliche Trend aus Südkorea
Der Begriff «Body Profiling» wurde 2021 bei Google bereits über 500’000 Mal gesucht, die meisten Suchanfragen kommen aus Südkorea.

Der Begriff «Body Profiling» wurde 2021 bei Google bereits über 500’000 Mal gesucht, die meisten Suchanfragen kommen aus Südkorea.

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Publiziert

«Body Profiling»Hungern für ein Fotoshooting – der gefährliche Trend aus Südkorea

Ein neues Social-Media-Phänomen feiert vermeintlich perfekte Körper, bezahlt wird mit der Gesundheit. Ärztliche Fachpersonen und Psychologen schlagen Alarm.

von
Geraldine Bidermann

Über zwei Millionen Bilder findet man unter dem Hashtag #Bodyprofiling auf Instagram. Darauf zu sehen: Menschen, die stolz ihren muskulösen Körper zeigen. Die meisten Body-Profile-Teilnehmenden kommen aus Südkorea. Vor allem in der Hauptstadt Seoul wird dieser Trend immer beliebter.

Was ist Body Profiling?

Der Begriff Body Profiling bezeichnet eine Challenge, die ein bestimmtes Körperbild zum Ziel hat. Durch ein intensives Sport- und Diätprogramm soll eine extreme Körperdefinition erreicht werden. Das Programm dauert durchschnittlich drei bis sechs Monate, trainiert wird fünf bis sechs Mal in der Woche. In dieser Zeit verzichten die Teilnehmenden auf Kohlenhydrate, Zucker und Alkohol, dafür wird die Proteinaufnahme massiv erhöht.

Am Ende des Programms wird ein professionelles Fotoshooting gemacht, um das Ergebnis auf Bildern festzuhalten. Die Body Profiler teilen ihre Bilder auf Social Media, wo sie oft auf Lob, Anerkennung und Bewunderung stossenwas wiederum andere motiviert, auch mitzumachen.

Body Profile boomt in Südkorea

Der Trend ist mittlerweile in Südkorea so weit verbreitet, dass immer mehr Menschen einmal im Leben einen perfekt durchtrainierten Körper haben wollen. Deshalb spezialisieren sich in Südkorea derzeit Trainer, Fitnessstudios und Fotografinnen und Fotografen auf Body Profile.

Ärztliche Fachpersonen warnen vor Essstörungen

Das Risiko, beim Body Profile in eine Essstörung zu rutschen, ist sehr hoch. Einige der Teilnehmenden sind mit ihrer Diät so extrem, dass sie Essattacken bekommen und die Kontrolle verlieren. Dadurch können Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht entstehen. Auch nach der Teilnahme entwickeln viele eine ungesunde Beziehung zum Essen. Nach dem monatelangen Verzicht auf Teigwaren, Reis und Süssigkeiten wird die Lust darauf umso grösser, was zu sogenanntem Binge Eating führt. Dieses Verhalten wird teils in den sozialen Medien auch gefeiert, Teilnehmende zeigen, wie sie nach dem Fotoshooting einen Einkaufswagen mit Rahmtorten, Chips und Wurstwaren beladen.

Da der Körper aber die vielen Kalorien nicht mehr gewohnt ist und der Stoffwechsel nach Body Profiling anders arbeitet, nehmen viele Menschen nach der Teilnahme rasch wieder an Gewicht zu. Sie sind frustriert, fühlen sich in ihrem Körper nicht wohl und starten erneut eine strenge Diät. Viele starten das Programm immer wieder von vorne und ignorieren alle Alarmzeichen des Körpers, wie zum Beispiel das Ausbleiben der Menstruation.

Ärztliche Fachpersonen sowie Psychologinnen und Psychologen in Südkorea schlagen deshalb Alarm und warnen vor Body Profiling und den gefährlichen Nebenwirkungen. Auch Ex-Teilnehmende äussern sich: «Es ist nichts falsch daran, auf seinen Körper zu achten, aber alles auf eine Karte für ein Foto zu setzen, geht zu weit», erklärte der koreanische Schauspieler und Fitness-Influencer Kim Jong-kook auf seinem Youtube-Kanal.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Essstörung?

Hier findest du Hilfe:

Fachstelle PEP, Beratung für Betroffene und Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

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