Hungersnot in Niger schlimmer als erwartet
Aktualisiert

Hungersnot in Niger schlimmer als erwartet

Die Hungersnot im westafrikanischen Staat Niger ist nach Angaben von Hilfsorganisationen schlimmer als erwartet.

Die der Aktion Deutschland Hilft angehörende Organisation CARE erklärte am Freitag, mit jedem Tag steige die Zahl der Menschen und besonders der Kinder, die an Unterernährung litten. Die UN betonten, sie hätten bereits im November um Spenden gebeten. Bis die Medien über die Hungerkatastrophe berichtet hätten, habe es aber kaum Resonanz gegeben, sagte der UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten, Jan Egeland.

Laut Egeland gingen bei den Vereinten Nationen in den letzten zehn Tagen mehr Spenden ein als in den vergangenen zehn Monaten zusammen. «Die Welt ist endlich aufgewacht, aber dazu waren die Bilder von sterbenden Kindern nötig», sagte Egeland in Genf. Auch ein Sprecher der SOS-Kinderdörfer erklärte, bereits vor Monaten hätten internationale Beobachter vor einer Katastrophe in Niger gewarnt.

Nach UN-Schätzungen droht derzeit 150.000 Kindern der Hungertod. Insgesamt leiden demnach rund 2,5 Millionen Menschen an der akuten Nahrungsmittelknappheit in Niger, einem der ärmsten Länder der Erde. Mehrere Hilfsorganisationen wie die Diakonie, die Deutsche Welthungerhilfe und die SOS-Kinderdörfer konzentrieren ihre Bemühungen auf die Region um die Stadt Tahoua, etwa 550 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Niamey. Die Diakonie Katastrophenhilfe wies darauf hin, dass die Ernteverluste durch anhaltende Dürre und eine Heuschreckenplage auch andere Länder der Sahel-Zone wie Mali, Mauretanien und Burkina Faso beträfen.

Nach Angaben der Deutschen Welthungerhilfe leben in der Provinz Tahoua rund 530.000 Menschen. Davon seien 400.000 von der Hungersnot betroffen. Jedes fünfte der etwa 80.000 Kinder unter fünf Jahren weise Symptome von Unterernährung auf. «Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit», sagte Sprecherin Marion Aberle. «Etwa 400 Menschen sterben allein im Nordwesten jeden Tag an den Folgen der Unterernährung, die meisten davon Kinder.»

Kinder weinen vor Hunger

Wie dramatisch die Lage ist, schilderte Christa Heinzelmann von der Organisation Helfende Hände: «In einigen Regionen in Niger ... weinen die Kinder vor Hunger und können deshalb nicht schlafen. Die Erwachsenen flössen ihnen Wasser ein, gemischt mit rotem scharfen Pfeffer - die Kinder werden damit betäubt, damit sie überhaupt schlafen können.»

Zahlreiche Hilfsorganisationen in Deutschland haben zu Spenden aufgerufen. «Ich wünsche mir, dass sich die deutsche Öffentlichkeit für die Not in Westafrika genauso aufgeschlossen zeigt wie nach der Tsunami-Katastrophe», sagte die Sprecherin der Aktion Deutschland Hilft, Janina Niemietz.

Unterdessen ist nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) eine Lieferung mit 16 Tonnen Hilfsgütern aus Frankreich in Niger eingetroffen. Weitere Hilfslieferungen sollen in den kommenden Tagen folgen. Die Bundesregierung hat am Donnerstag angekündigt, Deutschland werde seine Hilfe für Niger um eine Million Euro auf 1,5 Millionen Euro aufstocken. (dapd)

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