Bürgerkrieg in Sri Lanka: Hungerstreik von Schweizer Tamilen in Genf
Aktualisiert

Bürgerkrieg in Sri LankaHungerstreik von Schweizer Tamilen in Genf

Schweizer Tamilen protestieren mit einem Hungerstreik in Genf gegen die prekäre Lage im Nordosten Sri Lankas. Dort fordern heftige Kämpfe zwischen Armee und Tiger-Rebellen immer mehr zivile Opfer.

«Es herrscht eine gespannte Situation», erklärte ein Sprecher von «SOS für die Tamilen», einer Organisation junger Tamilen in der Schweiz, auf Anfrage von 20 Minuten Online. Seit Tagen versucht die hiesige Tamilen-Gemeinde, mit Flugblättern, E-Mails und Protesten auf die Lage in Sri Lanka aufmerksam zu machen, die sie als «Genozid» bezeichnen. Seit Donnerstag demonstrieren mehrere hundert Menschen vor dem UNO-Gebäude in Genf, einige von ihnen sind in einen Hungerstreik getreten.

Die Aktion werde fortgesetzt, «bis die UNO, die Schweiz und die internationale Gemeinschaft einschreiten», so der Tamilen-Sprecher. Sie sei spontan erfolgt und nicht geplant gewesen. Den Hintergrund bildet der Vormarsch der srilankischen Armee gegen die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE). Diese Woche haben die Regierungstruppen im Bezirk Mullaitivu im Nordosten der Insel die letzten von den Tamil Tigers gehaltenen Dörfer eingenommen.

Hilfswerke sind «zutiefst besorgt»

Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapaksa ist entschlossen, den seit 25 Jahren andauernden Bürgerkrieg mit militärischen Mitteln zu beenden. Opfer sind in erster Linie hunderttausende Zivilisten. Viele sind zwischen Rebellen und Regierungsarmee eingekesselt und können nicht aus dem Kampfgebiet flüchten, mehrere hundert Menschen kamen in den letzten Tagen ums Leben. Was genau geschieht, lässt sich schwer nachprüfen. Die Regierung in Colombo lässt keine Journalisten ins Kampfgebiet.

In einer Mitteilung vom Donnerstag äusserten sich die UNO und 16 weitere Hilfswerke «zutiefst besorgt» über die Lage in der Region. Die Hilfsorganisationen forderten die Konfliktparteien auf, die Sicherheit der eingekesselten Zivilisten zu gewährleisten. Die LTTE müsse die Menschen aus dem Kampfgebiet abziehen lassen, die Regierung müsse ihnen sichere Wege aus der Region durch «humanitäre Korridore» weisen.

Präsident verspricht freien Abzug

Präsident Rajapaksa sicherte den Zivilisten am Freitag sicheres Geleit zu. Er forderte die Tigers auf, «den freien Abzug in den nächsten 48 Stunden zu ermöglichen». Die LTTE reagierten gemäss BBC noch nicht auf das Angebot. Der UNO und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gelang es am Donnerstag, rund 350 schwer verletzte Zivilisten, darunter 50 Kinder, aus dem Konfliktgebiet zu evakuieren.

Die LTTE hatten sich gemäss IKRK zunächst geweigert, den Konvoi durchzulassen. Diese Darstellung wurde von den Rebellen als «böswillig» zurückgewiesen. Für Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch haben beide Seiten Verstösse gegen das Kriegsrecht begangen. Die Soldaten hätten die Zivilisten beschossen und die Rebellen sie als «menschliche Schutzschilde» missbraucht.

LTTE zurückgedrängt

Die LTTE, die einst weite Teile des Nordens und Ostens Sri Lankas kontrollierten, haben nur noch ein kleines Gebiet im Distrikt Mullaitivu in ihrer Gewalt. Die Rebellen sind von der Armee eingekesselt und können nach Ansicht von Beobachtern nur noch mit Guerilla-Angriffen aus dem Dschungel gegen die Regierungstruppen vorgehen.

(pbl/sda)

Tamilen in der Schweiz

In der Schweiz leben rund 43 000 Menschen aus Sri Lanka. Der grösste Teil gehört der tamilischen Minderheit an. Die mehrheitlich hinduistischen Tamilen fühlen sich seit langem durch die Mehrheit der buddhistischen Singhalesen unterdrückt. Seit Mitte der 80er Jahre herrscht Bürgerkrieg in Sri Lanka. Am 4. Februar, dem srilankischen Unabhängigkeitstag, wollen die Schweizer Tamilen unter anderem mit einer Kundgebung auf dem Helvetiaplatz in Zürich auf die Lage in ihrer Heimat aufmerksam machen.

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