Brief an Mitarbeiter: Huonder rechtfertigt seine homophoben Aussagen

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Brief an MitarbeiterHuonder rechtfertigt seine homophoben Aussagen

Bischof Huonder entschuldigt sich bei den Schwulen, die er mit seinem Vortrag verletzt hat. Aus theologischer Sicht seien homosexuelle Handlungen aber nicht zu billigen.

von
daw
Der Churer Bischof Vitus Huonder bedauert, dass eine Aussagen als Hetze verstanden wurden.

Der Churer Bischof Vitus Huonder bedauert, dass eine Aussagen als Hetze verstanden wurden.

Der Churer Bischof Vitus Huonder steht wegen seiner Äusserungen über Homosexuelle seit Tagen unter Beschuss. In einem Vortrag in Fulda hatte er zwei Stellen aus dem Alten Testament zitiert, wonach Homosexualität eine Gräueltat sei, die mit dem Tod bestraft werde. In einem Brief an alle Mitarbeiter des Bistums und die Bischofskonferenz, der 20 Minuten vorliegt, erklärt sich Huonder jetzt ausführlich. Vor Wochenfrist hatte er bereits sein Bedauern über das Missverständnis ausgedrückt.

Huonder bedauert, dass die zwei Levitikus-Zitate als Hetze gegen homosexuell empfindende Menschen verstanden wurden. «Selbstverständlich trete ich nicht für die alttestamentliche Forderung der Todesstrafe für homosexuell empfindende Menschen ein», schreibt Huonder. Die gewählten Zitate seien nicht Ausdruck seiner Gesinnung, sondern vielmehr seiner Überzeugung, dass im Rahmen einer theologischen Reflexion keine Textstellen aus der Heiligen Schrift verschwiegen werden dürfen, nur weil sie im heutigen Kontext Schwierigkeiten bereiten. Es gelte, zwischen theologischer Bewertung und dem Handeln der Kirche, der Seelsorge, zu unterscheiden.

Huonder beruft sich auf den Katechismus

Was die theologische Bewertung angeht, zitiert Huonder aus dem Katechismus der katholischen Kirche, zu dem alle Bischöfe in der Schweiz stünden. Homosexuelle Handlungen seien «in keinem Fall zu billigen», trotzdem müsse die Kirche sich in ihrem Handeln hüten, «solche Menschen in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen». Die Kirche wolle auch solche Menschen «aus dem Zustand der gefallenen Natur befreien» und «zum Licht führen».

Huonder führt auch ein weiteres Katechismus-Zitat an, gemäss dem Homosexuelle ihre Sexualität nicht ausleben sollen: «Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich […] durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.»

Churer Bischof gesteht Fehler ein

Dennoch entschuldigt sich Huonder bei allen Menschen, die sich durch seinen Vortrag verletzt gefühlt haben, besonders bei «homosexuell empfindenden Menschen». Diesen wolle er versichern, dass die Kirche niemanden ausgrenzen, sondern für alle im oben beschriebenen Sinn da sein will. Zum Schluss gesteht Huonder mangelnde Sensibilität ein: Er hätte die aktuelle gesamtgesellschaftliche Situation präsenter haben müssen, etwa die Gräueltaten des IS, die sich nicht nur gegen Christen, sondern auch gegen Homosexuelle richteten.

Der Vortrag hatte Huonder zwei Anzeigen wegen öffentlicher Aufforderung zu Verbrechen oder zu Gewalttätigkeit eingebracht, unter anderem von der Schwulenorganisation Pink Cross. Dass diese nach der neuerlichen Wortmeldung aus Chur die Strafanzeige zurückzieht, ist unwahrscheinlich. «Der Bischof hat gesagt, was er gesagt hat. Wir sehen keinen Anlass für einen Rückzug, es sei denn, Herr Huonder würde sich um 180 Grad ändern und plötzlich schwulenfreundliche Positionen einnehmen», sagt Geschäftsführer Bastian Baumann.

FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann unterstellt Huonder zwar keine Böswilligkeit, kauft ihm aber auch die Entschuldigung nicht ab. «Die katholische Kirche sagt, Homosexualität sei etwas Unnatürliches und gehe gegen die göttliche Schöpfung». Er nehme zur Kenntnis, dass auch die Schweizer Vertreter nach wie vor nach dieser Lehre lebten. Portmann bezeichnet sie jedoch als gesellschafts- und weltfremd. Heutzutage gebe es keinen Anlass zu denken, dass Homosexualität nicht auch glücklich gewolltes Leben sei.

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