«Time-Out»: Huras' System gegen Sheddens Emotionen
Aktualisiert

«Time-Out»Huras' System gegen Sheddens Emotionen

Die offenste und reizvollste Serie. Zugs Doug Shedden droht nach vier Halbfinals in Serie erstmals das Ausscheiden in der ersten Runde.

von
Klaus Zaugg

Zugs Trainer Doug Shedden ist ein Meister des «Team Building». Er schafft es selbst im fünften Amtsjahr immer wieder, seine Jungs zu einem Team zusammenzuschweissen. Die Zuger vermochten deshalb selbst den Abgang ihrer drei besten Einzelspieler (Damien Brunner, Raphael Diaz, Henrik Zetterberg) wettzumachen.

Als «Emotionenmacher» steht Zugs kanadischer Feuerkopf auf Augenhöhe mit den grossen Motivations-Hexenmeistern Arno Del Curto und Kevin Schläpfer. Aber anders als Arno Del Curto und Kevin Schläpfer ist Doug Shedden bis heute ein emotionaler Zauberlehrling geblieben: Es ist ihm noch nicht gelungen, die Emotionen und Energien so zu verwalten und zu managen, dass seine Spieler über das Halbfinale hinauskommen. Die Emotionen, die er ruft, kann er in den Playoffs nicht mehr richtig kontrollieren. Deshalb hat er bis heute immer verloren, wenn für seine Zuger in den Playoffs die Zeit kam, mit den bösen Hunden nicht nur zu bellen. Sondern sie auch zu beissen.

Viermal hintereinander war bisher unter Doug Shedden nach dem Viertelfinale das spielerische Feuerwerk abgebrannt. Zug ist unter seinem kanadischen Trainer dem Titel noch nie näher gekommen als eine 1. August-Rakete dem Mond.

Lugano als unangenehmer Gegner

Daran wird sich auch in diesem Jahr nichts ändern. Ja, Doug Shedden muss unter seinem Motivations-Hexenkessel ordentlich Feuer machen, um überhaupt ins Halbfinale zu kommen. Mit Lugano haben die Zuger einen äusserst unangenehmen Gegner mit einen fähigen Trainer.

Der Kanadier Larry Huras ist zwar kein so charismatischer «Emotionenmacher» wie Doug Shedden. Aber Luganos Bandengeneral ist einer der extremsten Systemtrainer. Während einer Saison zerlegt er das Spiel sicherlich 50mal in alle Einzelteile und setzt es wieder zusammen. Er versucht dabei, das Defensivsystem zu perfektionieren. Deshalb läuft dieses Viertelfinale unter dem Sammelbegriff: Luganos System gegen Zugs Emotionen. Larrys Huras' Wissen, wie man Meisterschaften gewinnt gegen Doug Sheddens Unvermögen, Meisterschaften zu gewinnen.

Zug hat mehr Tore geschossen - und auch kassiert

Zug (172 Tore) entwickelte in dieser Saison mehr offensive Feuerkraft als Lugano (163 Tore), war aber mit 154 Gegentoren defensiv klar schwächer als Lugano (139 Tore). Seit ewigen Zeiten gilt: Die Defensive entscheidet in den Playoffs. Aber seit ewigen Zeiten gilt auch: Der bessere Torhüter entscheidet eine Serie.

Zug gegen Lugano ist auch das Gipfeltreffen der Lottergoalies. Alle Herrlichkeit der Systeme endet beim Schlussmann und weder Zug noch Lugano haben den Torhüter, der im Alleingang eine Serie zu gewinnen vermag. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass diese Serie letztlich durch die maskierten Männer entschieden wird: Zugs Jussi Markkanen gegen Luganos Michael Flückiger. Spektakel und Polemik sind programmiert.

Für Luganos Michael Flückiger, das verkannte Talent des 1984er-Jahrganges (zu dem auch Daniel Manzato, Tobias Stephan und Thomas Bäumle gehören) könnten diese Playoffs zum Wendepunkt seiner Karriere werden. Zumal Daniel Manzato noch nicht hundertprozentig fit ist.

Flückigers grosser Moment

Ein Held für einen Tag war Michael Flückiger schon: Am 21. Dezember 2007 hexte er die SCL Tigers zu einem sensationellen 2:1 in Bern. Aber schon am nächsten Tag war er beim 3:8 gegen Ambri wieder ein Lottergoalie. Der ehemalige Langnauer Junior hat sich in Kloten und Lugano den Ruf erarbeitet, die beste Nummer 2 der Liga zu sein. Wenn er Lugano ins Halbfinale hext, wird er vielleicht doch noch eine Nummer 1. Und ein Held für mehr als einen Tag.

Bei Zug lauern in der Torhüterfrage die Teufelchen der Fehlentscheidung: Mit Playoff-Versager Jussi Markkanen und nur drei ausländischen Feldspielern gegen Lugano antreten? Oder doch lieber mit Sandro Zurkirchen und dafür mit dem vierten ausländischen Feldspieler Domenico Pittis?

Prognose: Zug in 7 Spielen weiter und Arbeit für Einzelrichter Reto Steinmann.

Direktbegegnungen in dieser Saison

13. September Zug – Lugano 0:3

12. Oktober: Lugano – Zug 7:4

16. November: Zug – Lugano 3:1

21. Dezember: Zug – Lugano 2:1

11. Januar: Lugano – Zug 3:2

15. Februar: Lugano – Zug 3:4

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