Finnischer Sci-Fi: Hurra, die Nazi-UFOs kommen!
Aktualisiert

Finnischer Sci-FiHurra, die Nazi-UFOs kommen!

Im Jahr 1945 flohen die Nazis auf den Mond; 2018 kehren sie zurück: Das finnische Science-Fiction-Epos «Iron Sky» hat das Zeug, Kassenschlager und Kultfilm zugleich zu werden.

von
Oliver Baroni

Eigentlich hat «Iron Sky» bereits vor der Veröffentlichung gewonnen, denn alleine schon die Zutaten haben es in sich: Verschwörungstheorien über Nazi-Mondlandungen, Experimental-Flugzeuge der deutschen Luftwaffe, die Bildsprache einer Leni Riefenstahl, Nazi-Klischess etlicher Hollywood-Kriegsdramen – das dramatische Potenzial ist enorm.

Doch der schräge Sci-Fi-Thriller aus Finnland vermag auf mehreren Ebenen zu begeistern. Nicht nur, dass die Umsetzung grossartig gelungen ist, der Streifen ist auch eines der ersten erfolgreichen Beispiele von Crowdfunding, der Finanzierung eines Projekts durch ein Fan-Publikum. Doch worum geht es überhaupt?

Nazi-Agentin vs Bush-Tochter

Nach dem Zweiten Weltkrieg finden sich Hans Kammler und andere deutsche Wissenschaftler auf der geheimen Polarstation in der Antarktis ein und flüchten per Rakete auf den Mond, so der Plot. Auf der erdabgewandten Seite des Erdtrabanten gründen sie den Stützpunkt Schwarze Sonne (eine Mischung aus Reichstag und Raumschiff Enterprise in Hakenkreuz-Form - Albert Speer hätte es nicht besser hingekriegt). Von dort starten die Nachkommen der Mondkolonisten im Jahr 2018 die Invasion der Erde. Dabei versucht die Nazi-Agentin Renate im Vorfeld die Präsidentin der USA, Jenna Bush, zu ermorden - quasi als Invasions-Vorbereitung.

Der Film nimmt damit Bezug auf den verbreiteten Mythos der von Deutschland während des 2. Weltkriegs als Wunderwaffe entwickelten Reichsflugscheiben; Nazi-UFOs, gewissermassen. Dass im Jahr 2018 die partyfreudige Tochter Jenna die dritte Vertreterin des Bush-Clans ist, die das Präsidentenamt übernimmt, ist ein kleiner, aber pointierter Kommentar zur politischen Kultur der USA.

Finnische Exzentrik

Interessanterweise steht hinter «Iron Sky» kein grosses Hollywood-Filmstudio mit finanzstarken Investoren, sondern ein kleines Team exzentrischer finnischer Filmemacher, die 2008 mit einem kleinen Teaser am Cannes Film Festival für Furore sorgten.

«Iron Sky» - der erste Teaser (2008)

Danach folgten virale Marketingkampagnen (u.a. mit gefälschten News-Meldungen über «Nazis auf dem Mond»; siehe Bildstrecke) und ein bis heute beispielhaftes Crowdfunding im Internet, das die Finanzierung des Independent-Projekts sicherte. Bei dieser bis heute immer noch unüblichen Finanzierungs-Methode sammelte das «Iron Sky»-Team über Jahre via Social Media Fans, die sich dann per Spende am Film beteiligten. Dafür erhielten sie Einblicke in die Produktion, durften gar Inputs geben, Wünsche anbringen oder Kritik üben. Ausserdem konnten auch Gewinnbeteiligungen von Fans gekauft werden.

«Iron Sky» - Teaser Nr. 2 (2010)

Seit vier Jahren ist «Iron Sky» so in aller Munde. Nun ist der Film fertiggestellt und wird am 11. Februar an der Berlinale Premiere feiern. Geht man von den vielen Trailern, Bildern und Infos aus, die den Fans bereits vorgestellt wurden, dürfte der Streifen den Erwartungen mehr als gerecht werden.

Iron Sky hat noch kein Startdatum in der Schweiz. Es ist zu hoffen, dass die Schweizer Filmvertriebe die Chance nicht verpassen, den potentiell grossartigsten Film des Jahres dem heimischen Publikum zu zeigen.

«Iron Sky» - Teaser Nr. 3

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