Hurrikan Frances setzt Florida unter Wasser
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Hurrikan Frances setzt Florida unter Wasser

Mit Böen bis zu 170 Kilometern in der Stunde und kräftigem Regen hat Hurrikan «Frances» am Sonntag weite Teile Floridas heimgesucht. Der Wirbelsturm erreichte am frühen Morgen die Atlantikküste des US-Staats, deckte Dächer ab und entwurzelte Bäume.

Rund vier Millionen Menschen hatten keinen Strom, aus Orlando wurden Plünderungen gemeldet. Erst vor drei Wochen hatte Sturm «Charley» in Florida 27 Menschen das Leben gekostet und Sachschäden in Milliardenhöhe verursacht.

Wegen der gewaltigen Ausdehnung des Frontensystems und seines langsamen Vorankommens brachte «Frances» lang anhaltenden Regen mit sich. Überflutungen fast im gesamten Staat wurden befürchtet. Der Hurrikan ist doppelt so gross wie «Andrew», der 1992 verheerende Schäden anrichtete. «Das ist ein sehr gefährlicher Sturm», erklärte der Gouverneur von Florida, Jeb Bush. Sein Bruder, US-Präsident George W. Bush, erklärte die betroffenen Bezirke zum Katastrophengebiet und ermöglichte damit die Unterstützung mit Bundesmitteln.

Bis zum Vormittag schwächte sich der Hurrikan leicht ab und wurde auf die niedrigste Kategorie 1 herabgestuft. Er erreichte aber immer noch eine Windgeschwindigkeit von 145 Kilometern pro Stunde. Meteorologen zufolge könnte er auf seinem weiteren Weg über dem warmen Wasser des Golfs von Mexiko bis zum Montag wieder an Stärke gewinnen. «Ich wünschte, jemand würde ihn wegschieben, damit wir es hinter uns haben», sagte die 72-jährige Nedra Smith, die in der Lobby eines Hotels in Palm Bay auf das Ende des Sturms wartete.

Mit 2,8 Millionen Betroffenen ordneten die Behörden die umfassendste Evakuierung in der Geschichte Floridas an. Die meisten Menschen brachten sich im Landesinneren in Sicherheit. 86.000 Einwohner und Touristen begaben sich in Schutzunterkünfte. Zehntausende Menschen flüchteten mit dem Auto aus dem gefährdeten Gebiet, an vielen Tankstellen ging das Benzin aus.

Mehrere Flughäfen wurden geschlossen, die von Miami und Fort Lauderdale wurden am Sonntag wieder geöffnet. Auch die grossen Vergnügungsparks und das Kennedy Space Center blieben geschlossen. Wegen des verlängerten Wochenendes zum Labor Day am Montag wurden dort unter normalen Umständen tausende Besucher erwartet. Im Space Center wurde der Nachbau einer Rakete vom Wind umgeworfen. In Orlando rammten Diebe nach Polizeiangaben mit einem gestohlenen Auto einen Laden und stahlen Kleidung im Wert von 10.000 Dollar. Zwei Männer wurden beim Versuch festgenommen, einen Bankautomaten mit einer Kettensäge zu entfernen. Andernorts wurden mindestens zehn weitere Personen festgenommen.

Strassen und Strände waren mit Palmwedeln und Trümmern übersät. In den Strassen von Fort Pierce stand das Wasser mehr als einen Meter hoch. In Stuart stürzte die Fassade eines Geschäfts ein. In Lake Worth, Fort Lauderdale und weiteren Gebieten wurden die Menschen angewiesen, ihr Trinkwasser abzukochen.

Zuvor hatte «Frances» auf den Bahamas mindestens zwei Menschen in den Tod gerissen: Ein Mann ertrank in den Fluten, ein zweiter erlitt einen tödlichen Stromschlag. Der Sturm riss Strommasten um und entwurzelte zahllose Bäume. Auch der Flughafen Freeport wurde teilweise überflutet. (dapd)

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