Aktualisiert 02.09.2005 14:23

Hurrikan «Katrina» Bush erwartet Konjunkturdelle

Washington Der Hurrikan «Katrina» wird das Wachstum der US-Wirtschaft nach Einschätzung der Regierung im dritten Quartal spürbar dämpfen.

Präsident George W. Bush und seine Wirtschaftsexperten rechnen aber insgesamt nur mit moderaten und vorübergehenden Auswirkungen auf die Konjunktur.

Bushs Wirtschaftsberater Ben Bernanke ging am Donnerstag auch von einem deutlichen Anstieg der Benzinpreise aus. Die Preise würden jedoch wieder nachgeben, sobald die Anlagen der Ölindustrie im Golf von Mexiko wieder hergestellt seien. Die von «Katrina» verursachten Sachschäden bezifferte Bernanke auf 25 Mrd. Dollar «oder mehr».

Vor dem Expertentreffen hatte Bush mit US-Notenbankchef Alan Greenspan über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Wirbelsturms beraten. Wie sich Greenspan dazu äusserte, sagte Bush vor Journalisten nicht.

«Wir sehen den Sturm als eine vorübergehende Störung, die von der Regierung und dem privaten Sektor angegangen wird», erklärte der Präsident. Er räumte ein, dass die Versorgung einiger Märkte mit Benzin schwierig sei. Die Bevölkerung rief er daher zu einem sparsamen und bewussten Umgang mit Treibstoff auf. «Kaufen Sie kein Benzin, wenn Sie keines brauchen.»

Angst vor ausbleibenden Konsumausgaben

Die Auswirkungen des erwarteten Energiepreisschubs auf die Gesamtwirtschaft werden nach den Worten Bernankes aber moderat ausfallen und nur vorübergehend sein. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte er, der Rückschlag für die Wirtschaft in den betroffenen Bundesstaaten Mississippi, Louisiana und Alabama werde die US-Volkswirtschaft als Ganzes im dritten Quartal belasten.

«Wir haben viele Leute, die nicht mehr zur Arbeit gehen können und die für einige Zeit nicht arbeiten werden», sagte Bernanke. Das werde zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität führen und damit im dritten Quartal wahrscheinlich die gesamte US-Wirtschaft schwächen.

Allerdings werde dieser negative Effekt zum Teil durch den Wiederaufbau in den vom Hurrikan am schwersten betroffenen Gebieten ausgeglichen.

Analysten zeigten sich wegen des befürchteten Rückgangs der Konsumausgaben in den Südstaaten der USA besorgt. Die US-Konjunktur ist stark von den Ausgaben der Konsumenten für Güter, Dienstleistungen und Immobilien abhängig. Sie machten im zweiten Quartal 76 Prozent der Wirtschaftsleistung aus.

In der Vergangenheit hatten die Konsumenten schon so manchen Wirtschaftsschock durch ihre Kauflust abgeschüttelt - etwa die Folgen der Anschläge des 11. Septembers 2001 oder das Zerplatzen der Dot-Com-Spekulationsblase ein Jahr zuvor.

(sda)

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