Nach Dopingfall - «Hussein wird seine Arbeitsbewilligung als Arzt nicht verlieren»
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Nach Dopingfall«Hussein wird seine Arbeitsbewilligung als Arzt nicht verlieren»

Nach einer positiven Doping-Probe ist Hürdenläufer und Arzt Kariem Hussein für neun Monate gesperrt. Seine Arztlizenz sei wegen des Vorfalls aber nicht gefährdet, erklärt ein Sportmediziner.

von
Michelle Muff

Kariem Hussein wird die nächsten neun Monate jeglichen Wettkämpfen fernbleiben müssen. In einer Videobotschaft erklärt er, wie es zum Missgeschick kam.

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Darum gehts

  • Aufgrund einer positive Dopingkontrolle ist Kariem Hussein für neun Monate gesperrt.

  • Sportmediziner Walter O. Frey sagt, dass ein solcher Fehler eigentlich nicht passieren dürfte.

  • Ein Entzug der Berufsbewilligung als Arzt habe Hussein aber nicht zu befürchten, so Frey.

Wegen der Einnahme einer Lutschtablette, die den verbotenen Wirkstoff Nikethamid enthält, ist Kariem Hussein (31) für die nächsten neun Monate in jeglichen Wettkämpfen und damit auch an den Olympischen Spielen in Tokio gesperrt. Der Hürdenläufer und Arzt selber spricht bei der Einnahme von einem Irrtum, er habe sich nach einem Wettkampf unterzuckert gefühlt und deswegen eine Gly-Coramin-Tablette gegessen. «Als langjähriger professioneller Spitzensportler und praktizierender Arzt sollte einem ein solcher Fehler eigentlich nicht passieren», sagt der an der Klinik Hirslanden praktizierende Sportmediziner Walter O. Frey gegenüber 20 Minuten.

Befürchtungen, dass Hussein wegen des Fehlers die Berufsbewilligung als Arzt entzogen werde, müsse er keine haben, so Frey: «Im Sport untersteht der Athlet dem Sportrecht mit eigener Gesetzgebung. Mit der Berufsbewilligung hat das keinen Zusammenhang.»

«Gly-Coramin-Tabletten haben auf dem Sportplatz nichts verloren»

Für Frey ist der Fehltritt dennoch unverständlich: «Normalerweise haben Leistungssportler nämlich nach einem Wettkampf im Ziel immer ihre persönliche Getränkeflasche bereitstehen. Das wissen bereits die Junioren.» Das Getränk sei angereichert mit einem speziellen individuellen Zuckergemisch, Eiweissen und Elektrolyten.

«Ein Traubenzucker wie die Gly-Coramin-Tablette liefert dem Körper nur kurzfristig Energie und ist kontraproduktiv, da danach der Zuckerspiegel durch die hohe Insulinausschüttung in ein tiefes Loch fällt.» Gly-Coramin-Tabletten hätten wegen des verbotenen Wirkstoffs und der für Spitzensportler ungünstigen Zusammensetzung auf dem Sportplatz nichts verloren, so Frey.

«Aussenpersonen können Wettkampfsituation nicht nachvollziehen»

An Wettkampftagen, wie es bei Hussein der Fall war, als er die Tablette nahm, habe man ausserdem einen streng durchgetakteten Tagesablauf, so Frey: «Alle Mahlzeiten sowie auch Zwischenverpflegung sind fest eingeplant, alles hat seinen standardisierten Ablauf. Dabei muss man nicht kurzfristig improvisieren oder auf Alternativen zugreifen.» Als langjähriger Sportler und Arzt müsste Hussein absolut optimierte Essgewohnheiten und Wettkampf-Abläufe haben.

Aber: «Als Spitzensportler befindet man sich in Wettkämpfen in einer Ausnahmesituation. Man lebt im Tunnelblick und denkt manchmal nicht mehr rational.» Als Aussenperson könne man diesen besonderen hochfokussierten Zustand gar nicht nachvollziehen, so Frey. «Man gibt alles dafür, dass man gewinnt – und blendet die Aussenwelt aus.» Da könne es sein, dass einem Missgeschicke passieren, die unter normalen Umständen nicht eingetreten wären.

Warum wurde Hussein gesperrt?

Der Leichtathlet Kariem Hussein hat nach den Schweizer Meisterschaften Ende Juni in Langenthal eine Gly-Coramin-Lutschtablette genommen. Die Tablette enthält Glucose (Traubenzucker), die Energie spendet, und Nikethamid, das die Atmung anregen kann. Aber der Inhaltsstoff Nikethamid wurde Ende der 1970er-Jahre auf der Dopingliste nationaler und internationaler Sportfachverbände aufgenommen. Die Substanz darf vor und während eines sportlichen Wettkampfs nicht eingenommen werden, wohl aber während des Trainings.

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