Ermordung des Präsidenten: Hutu-Extremisten gaben Signal für Genozid
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Ermordung des PräsidentenHutu-Extremisten gaben Signal für Genozid

Der Abschuss des Flugzeugs des ruandischen Präsidenten wurde 1994 als Vorwand zum Beginn eines Völkermords gebraucht, der zwischen 500 000 und einer Million Menschen das Leben gekostet hat - und bei dem die westlichen Staaten kläglich versagt haben.

Für den mysteriösen Abschuss des Flugzeugs des damaligen ruandischen Präsidenten Juvenal Habyarimana 1994 waren nach Angaben einer staatlichen Untersuchungskommission ruandische Soldaten vom Volk der Hutu verantwortlich. Für den am Montag vorgelegten Abschlussbericht wurden mehr als 500 Zeugen befragt.

Nach dem Abschuss der Maschine von Präsident Habyarimana, ebenfalls ein Hutu, am 6. April 1994 war es in Ruanda zu einem Völkermord gekommen. Mindestens 500 000 Menschen - überwiegend vom Volk der Tutsi sowie einige moderate Hutu - wurden in den folgenden Wochen von radikalen Hutu getötet.

Ermordung statt Machtteilung

Präsident Habyarimana war auf dem Rückflug von Gesprächen mit Tutsi-Rebellen. Extremistische Hutu-Politiker und Armeeoffiziere lehnten die von dem gemässigten Präsidenten betriebene Machtteilung mit den Tutsi aber ab. Habyarimana sei mehrmals mit dem Tode bedroht worden, falls er ein Abkommen mit den Tutsi unterschreibe, heisst es in dem Bericht weiter.

Die Tutsi-Rebellen sind laut Kommission nicht für den Anschlag verantwortlich. Laut Zeugen wurden die Flugkörper, vermutlich Raketen, aus dem Inneren oder der Nähe einer Militärkaserne abgefeuert. Die Tutsi-Rebellen wurden damals von Paul Kagame befehligt. Sie besiegten schliesslich die Hutu-Extremisten und setzten dem Massenmord ein Ende. Kagame ist heute der Präsident Ruandas. (dapd)

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