Aus dem Spital entlassen: «Hyperpräsident» wieder auf den Beinen

Aktualisiert

Aus dem Spital entlassen«Hyperpräsident» wieder auf den Beinen

Für seine schier unerschöpfliche Energie wird «Hyperpräsident» Nicolas Sarkozy weltweit bewundert. Doch auch der französische Staatschef hat seine Grenzen.

Nach seinem Zusammenbruch beim Joggen im Park von Versailles am Sonntag fordern Parteifreunde, der 54-Jährige müsse einen Schongang einlegen. Der Sprecher seiner Partei UMP, Frédéric Lefebvre, warnte, Sarkozy habe einen Herzanfall erlitten, und dies sei ein ernstes Warnsignal.

Laut Élysée-Palast handelte es sich um einen lipothymischen Schwächeanfall, einen Kollaps am Rande der Bewusstlosigkeit. Die enorme Arbeitsbelastung und die Hitze von knapp 30 Grad hätten dazu geführt. Herzprobleme oder neurologische Gründe wurden ausgeschlossen.

Nach einer Nacht im Krankenhaus war Sarkozy am Montag schon wieder auf den Beinen. Begleitet von seiner Frau Carla Bruni lief er am späten Morgen aus der Klinik zu seinem Wagen. Lächelnd dankte er dem Pflegepersonal und winkte scheinbar entspannt den zahlreichen Reportern zu, bevor er davonfuhr.

Gesundheit des Präsidenten heikles Thema in Frankreich

Die Meldungen von seinem Kollaps hatten zu Beunruhigung geführt. Schliesslich ist die Gesundheit ihrer Präsidenten ein heikles Thema für die Grande Nation: George Pompidou starb 1974 an einer Krebserkrankung, die er Zeit seines Lebens geheim gehalten hatte. François Mitterrand informierte erst mit elfjähriger Verspätung über seine Krebserkrankung. Und Jacques Chirac erlitt einen leichten Schlaganfall, über den sich der Élysée-Palast in Schweigen hüllte.

In seinem Wahlkampf hatte Sarkozy daher versprochen, regelmässig über seinen Gesundheitszustand zu informieren. Umso irritierter waren die Franzosen, als sie von einem operativen Eingriff am Hals im Herbst 2007 durch ein Enthüllungsbuch erfuhren, die offizielle Bestätigung erfolgte erst drei Monate später.

Am Sonntag reagierte der Élysée-Palast prompt. Anderthalb Stunden nach dem Kollaps gab es die erste Erklärung. Die Aussagen mehrerer Vertrauter, der Staatschef habe vorübergehend das Bewusstsein verloren, wurden aber dementiert.

Schongang gehört nicht zu seinem Temperament

Mit einem Hubschrauber wurde Sarkozy ins Pariser Militärkrankenhaus Val-de-Grâce gebracht und einer Serie von Untersuchungen unterzogen. Bereits am Nachmittag versammelte er seine engsten Mitarbeiter um sich, um sich auf dem Laufenden zu halten.

Herzprobleme, neurologische Gründe oder Stoffwechselprobleme wurden am Montag ausgeschlossen. Bei einem EKG seien keine Herzrhythmusstörungen festgestellt worden, erklärte der Élysée-Palast. Eine weitere Behandlung sei nicht nötig, lediglich verordneten die Ärzte einige Tage Ruhe.

Alle Termine für Montag und Dienstag, darunter ein Besuch auf der normannischen Insel Mont Saint Michel, wurden abgeblasen. Am Mittwoch will Sarkozy aber die letzte Kabinettssitzung leiten, bevor er am Donnerstag seinen Urlaub antritt.

UMP-Sprecher Lefebvre ermahnte Sarkozy zu einer Ruhepause. «Wenn ein Herzanfall keine ernste Warnung ist, was kann dann eine ernste Warnung sein», sagte er am Montag. Er muss sich erholen, denn wir brauchen ihn.

Dass Sarkozy sein Arbeitspensum nach dem Schwächeanfall auf Dauer zurückschraubt, glauben seine Vertrauten nicht. «Es ist nicht sein Temperament, sich zu schonen», sagte Konjunkturminister Patrick Devedjian dem Radiosender RTL. Manche Leute würden ihm vorwerfen, er mache zu viel. «Er findet, er mache noch nicht genug.»

(dapd)

Deine Meinung