St. Gallen: «Hypersexueller» Pfleger (62) muss hinter Gitter

Aktualisiert

St. Gallen«Hypersexueller» Pfleger (62) muss hinter Gitter

Das St. Galler Kantonsgericht hat die unbedingte Freiheitsstrafe gegen einen Hilfspfleger bestätigt. Der Mann hatte Patientinnen gedrängt, ihn sexuell zu befriedigen.

Das Spital Wattwil: Hier hat der 62-Jährige drei Frauen sexuell missbraucht.

Das Spital Wattwil: Hier hat der 62-Jährige drei Frauen sexuell missbraucht.

Die Vorwürfe gegen den diplomierten Sozialpädagogen gehen auf die Jahre 2008 bis 2010 zurück. Das Kreisgericht Toggenburg verurteilte ihn 2013 wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Anstaltspfleglingen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Der Mann hatte drei Patientinnen dazu gedrängt, ihn mit der Hand sexuell zu befriedigen.

Zudem ordnete das Gericht eine Therapie an und auferlegte dem Hilfspfleger ein Berufsverbot für fünf Jahre. Dagegen erhob der Verurteilte Berufung. Vor dem Kantonsgericht beantragte er am Dienstag eine bedingte Geldstrafe von 2700 Franken und eine Aufhebung der Therapie.

Staatsanwalt forderte härtere Strafe

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Verschärfung der Strafe: Der 62-Jährige solle auch wegen sexueller Nötigung, allenfalls wegen Schändung verurteilt werden und eine Freiheitsstrafe von vier Jahren erhalten. Das Kantonsgericht folgte jedoch keinem der Anträge der beiden Parteien.

Es bestätigte vielmehr das Urteil der Vorinstanz, wie es am Mittwoch mitteilte.

Der Mann habe die Abhängigkeit der Patientinnen schamlos ausgenutzt, um sie zu sexuellen Handlungen zu veranlassen. Er habe aber weder Gewalt angewendet noch die Patientinnen derart psychisch unter Druck gesetzt, dass Nötigung vorläge.

Angemessene Strafe

Angesichts des Verschuldens sei eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten angemessen.

Weil der Hilfspfleger nach Auffassung des Gerichts behandlungsbedürftig ist und eine Gefahr weiterer Sexualstraftaten besteht, wurde auch die vom Kreisgericht angeordnete Therapie bestätigt. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

«Ich habe schon als Jugendlicher gemerkt, dass mit meiner Sexualität etwas nicht in Ordnung ist», hatte der heute 62-Jährige am Dienstag vor Kantonsgericht erklärt. Der Mann wurde bereits früher wegen Exhibitionismus gebüsst.

Er sei zum Zeitpunkt der Vorfälle im Spital Wattwil hypersexuell gewesen, sagte er. «Heute habe ich das Problem nicht mehr, weil ich auf Sexualität verzichte.» Er nehme triebhemmende Medikamente und befinde sich in einer ambulanten Therapie. (sda)

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