Aktualisiert 16.02.2016 11:24

Küssnacht SZ

Hypnose war ein raffinierter Trickbetrug

Der Unbekannte, der einer Frau 900 Franken abgenommen hatte, wird von Experten als Trickbetrüger entlarvt. Hypnose sei nicht im Spiel gewesen.

von
Daniela Gigor
Der unbekannte Mann der von einer Frau am Freitag in Küssnacht 900 Franken erhalten hatte, dürfte ein Trickdieb sein.

Der unbekannte Mann der von einer Frau am Freitag in Küssnacht 900 Franken erhalten hatte, dürfte ein Trickdieb sein.

Kein Anbieter/zVg

Ein Unbekannter hat in Küssnacht am Freitag eine Frau dazu gebracht, von der Bank 900 Franken abzuheben und ihm das Geld zu übergeben. Als die Frau von einem Augenzeugen darauf angesprochen wurde, wusste sie im ersten Moment von nichts. Darum tauchte der Verdacht auf, dass der Mann die Frau mit Magie oder Hypnose bearbeitet hatte, um an sein Ziel zu gelangen.

«Hypnose kann ausgeschlossen werden», sagt der frühere Zauberer Orsani und heutige Trickdieb-Experte Urs Saner auf Anfrage. Saner hat sich zur Berufung gemacht, durch Prävention Trickdieben das Leben schwer zu machen. Dies tut er auch in enger Zusammenarbeit mit der Polizei. Laut Saner ist es realistisch, dass der unbekannte Mann einen verbalen, psychologischen Trick eingesetzt habe. Auf dieselbe Weise würden alle Trickdiebe inklusive der Enkeltrickbetrüger operieren. «Der Unbekannte hat sie in ein Gespräch verwickelt und ihr den Kopf so voll gesprochen, dass sie sich gar nicht mehr bewusst war, was sie tat. Es ist durchaus möglich, dass sich die Frau erst nach einer gewissen Zeit bewusst wurde, dass sie dem Unbekannten Geld übergeben hatte», sagt Saner weiter. In der Fachsprache von professionellen Zauberern und Mentalisten heisse dieses Vorgehen «Kalte Deutung».

Laut Saner haben es Trickdiebe meistens auf ältere Leute abgesehen. Ein Grund dafür, dass Trickdiebe in der Schweiz erfolgreich operieren können, sieht Saner in unserer Erziehung: «Wir werden von Kindesbeinen an erzogen zu geben und wir sind auch als Erwachsene zu gutgläubig. Früher wurde dies nicht missbraucht, im Gegensatz zu heute.»

Gesicht und Körperhaltung sind ein offenes Buch

Auch der deutsche Coach, Trainer und Autor Stefan F. M. Dittrich glaubt nicht daran, dass das betroffene Opfer hypnotisiert wurde. Auch er denkt, ohne den Fall präzise zu kennen, dass der Unbekannte die Frau verbal unter Druck gesetzt hatte: «Trickbetrüger sind häufig sehr versiert darin, bereits aufgrund der optischen Erscheinung, der Körpersprache und Reaktionen auf das Verhalten des Täters sehr genaue Informationen über die Charaktereigenschaften ihrer Opfer zu gewinnen», sagt Dittrich. Auch Blickkontakte oder Bewegungen der Augen sind für sie aufschlussreich. Dittrich: «So achten zum Beispiel auch Zöllner, Polizisten, Türsteher oder Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen darauf, ob und wie lange es einem Menschen möglich ist, Blickkontakt zu halten.»

Ein weiteres offenes Buch ist die Mimik: Ein gut ausgebildeter Trickbetrüger könne etwa in Millisekunden aus der Mimik ablesen, ob die Worte beim Empfänger auf Wohlwollen oder Ablehnung stossen. Diese und weitere Informationen wie etwa die Körpersprache würden einem guten Menschenkenner bereits in den ersten Sekunden der Beobachtung unglaublich viel Wissen über das Gegenüber liefern, um dies geschickt zu den eigenen Gunsten zu nutzen.

Um sich vor Trickdieben zu schützen, rät Dittrich, sich klar abzugrenzen: «Es erfordet einen fast übermenschlichen Willen, jemanden abzuweisen oder ein Gespräch rigoros zu beenden, wenn es uns unangenehm wird.» Wenn man von Unbekannten angesprochen werde, soll man sich gar nicht darauf einlassen. Und Eltern rät Dittrich, Kinder zu ermutigen, ihren Willen klar zum Ausdruck zu bringen und nicht zu allem «Ja und Amen» zu sagen. «Es ist auch gut, wenn man wachsam bleibt und sich fragt: Was ist die Absicht meines Gesprächspartners? Hinter jedem Handeln steht eine Absicht und wenn diese nicht klar erkennbar ist, sollte man skeptisch sein.»

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