Massnahmen-Ende - Erkältungswelle – Hustende sorgen für Zoff im ÖV
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Massnahmen-EndeErkältungswelle – Hustende sorgen für Zoff im ÖV

Das Ende der Maskenpflicht fällt mitten in eine Erkältungswelle. Hustende und schniefende Personen ängstigen einige Passagiere im öffentlichen Verkehr. 

von
Bettina Zanni
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Das Gehuste und das Geschniefe führen dazu, dass einige Menschen unterwegs vermehrt aufschrecken oder sich nicht trauen, sich von der Maske zu verabschieden.

Das Gehuste und das Geschniefe führen dazu, dass einige Menschen unterwegs vermehrt aufschrecken oder sich nicht trauen, sich von der Maske zu verabschieden.

20min/Sonja Mulitze
Das Ende der Maskenpflicht fällt mitten in eine Erkältungswelle.

Das Ende der Maskenpflicht fällt mitten in eine Erkältungswelle.

20min/Michael Scherrer
«Erkältungen haben in den letzten Wochen deutlich zugenommen», sagt Felix Huber, Präsident des Ärztenetzwerks Medix.

«Erkältungen haben in den letzten Wochen deutlich zugenommen», sagt Felix Huber, Präsident des Ärztenetzwerks Medix.

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Darum gehts

  • «Erkältungen haben in den letzten Wochen deutlich zugenommen», sagt der Präsident des Ärztenetzwerks Medix.

  • Das Gehuste und das Geschniefe führen dazu, dass einige Personen unterwegs vermehrt aufschrecken.

  • Die Menschen sollten sich nicht verrückt machen und in ein hypochondrisches Verhalten fallen, sagt ein psychosozialer Berater.

Viren und Bakterien haben wieder freien Lauf: Die Maske, die das Gehuste vom Sitznachbarn im Zug abgefangen hat, ist seit dem 1. April weg. Das Ende der Maskenpflicht fällt mitten in eine Erkältungswelle. «Erkältungen haben in den letzten Wochen deutlich zugenommen», sagt Felix Huber, Präsident des Ärztenetzwerks Medix. Eine Ärztin oder ein Arzt behandle zurzeit täglich rund zehn solcher Patientinnen und Patienten. «Covid-Erkrankungen findet man dabei nur noch zum Teil.»

Das Gehuste und das Geschniefe führen dazu, dass einige Menschen unterwegs vermehrt aufschrecken oder sich nicht trauen, sich von der Maske zu verabschieden. «Die Soldat*innen spreaden und husten den Zug voll. Sie halten beim Aussteigen keinen Abstand zu mir (FFP2), ich muss stets flüchten», schreibt ein Pendler auf Twitter.

Ein weiterer blafft einen Pendler an: «Okay, Maskenpflicht im ÖV ist aufgehoben. Aber du mit deinem trockenen Husten, knapp in die Faust, geh einfach weit weg von mir!» Eine Userin fragt sich, ob Leute neben ihr im Zug extra «so viel husten und rumschnoddern», weil sie noch eine Maske trage. 

Aus Angst, beim Berühren des Knopfs das Virus aufzulesen, wünschen sich einige Pendlerinnen und Pendler zudem die automatische Türöffnung zurück.

«Zwei Jahre lang umprogrammiert»

Fachpersonen bestätigen, dass einige Personen mit der Rückkehr in die Normalität kämpfen. «Zwei Jahre lang wurde die Gesellschaft umprogrammiert», sagt Oliver Ender, psychosozialer Berater mit Schwerpunkt Verhaltensstrategien. Viele Menschen hätten vor der Pandemie im Umgang mit Erkältungen eine gesunde Einstellung gehabt. «Doch in der Pandemie verloren sie ihr natürliches Verhalten, da – einfach gesagt – der Staat vorschrieb, wie man husten musste.»

Die Menschen brauchten wohl noch etwas Zeit, um sich umzugewöhnen, sollten sich dabei aber nicht verrückt machen und in ein hypochondrisches Verhalten fallen, sagt Ender. «Dagegen hilft, sich bewusst zu machen, was man durch die Normalität wieder dazugewinnen kann.» Eine Möglichkeit sei, daran zu denken, wieder frei atmen zu können und das Immunsystem stärken zu können.

«Reaktion auf Unsicherheit»

Anderen Fachpersonen zufolge haben die Menschen ihren gesunden Umgang mit Erkältungen nicht verloren. Mit dem Wegfall aller Massnahmen sei es wahrscheinlicher geworden, dass eine an Covid-19 erkrankte Person ohne Maske im ÖV fahre, sagt Gesundheitspsychologin Urte Scholz. «Die Menschen reagierten nicht empfindlich auf normale Erkältungen, sondern auf die Unsicherheit, sich mit Covid-19 anzustecken.» Da auch keine Isolationspflicht mehr gelte, sei es nun eher möglich, dass ein Husten im ÖV ein Zeichen für eine Covid-Infektion sei, was berechtigterweise zu Unsicherheit führe.

Unabhängig von Corona empfiehlt Scholz, auch bei normalen Erkältungen möglichst rücksichtsvoll zu sein. «Wer hat schon gerne einen Schnupfen?» Hier biete die Erfahrung der letzten Jahre auch eine Chance, dass man selbst bei normalen Erkältungen aus Rücksicht gegenüber anderen zum Beispiel eine Maske trage, um niemanden anzustecken.

Erkältung sei nichts Schlimmes

Infektiologe Andreas Widmer stellt fest: «Die neue alte Normalität ist noch nicht da, weil die Pandemie weder psychologisch noch real vorbei ist.» Niese jemand zum Beispiel im Tram ohne Maske, müsse das Gegenüber damit rechnen, Omikron oder eine Erkältung zu erwischen, trage es auch keine Maske. «Um dies möglichst zu vermeiden, ist es ratsam, den Platz zu wechseln.» 

Dennoch ist es laut Widmer richtig, dass die bisherigen Schutzmassnahmen für die Bevölkerung aufgehoben wurden. «Geboosterte oder zumindest doppelt Geimpfte erhalten damit die aktuellste und natürlichste Impfung gegen das Virus, ohne schwer zu erkranken.» Auch das Drücken eines Türöffnungsknopfs solle keine Ängste auslösen. «Glücklicherweise hat sich erwiesen, dass Viren auf Knöpfen keine langen Überlebenschancen haben.» Zudem dürfte nicht vergessen gehen, dass eine Erkältung nichts Schlimmes sei. «Um genügend Abwehrkräfte aufzubauen, ist der Kontakt mit Viren für unser Immunsystem wichtig.» 

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