Eigenheim: Hypozinsen nähern sich dem Tiefststand
Aktualisiert

EigenheimHypozinsen nähern sich dem Tiefststand

Trotz eindringlicher Warnung vor einer Immobilienblase: Die Zinsen für Festhypotheken sind im zweiten Quartal 2014 weiter markant gesunken und nähern sich dem Rekordtief von 2012.

von
sas

Noch bleibt die Zinswende aus - obwohl Banken und Bund schärfere Regeln im Hypothekenbereich beschlossen haben. Laut dem aktuellsten Hypothekenbarometer des Vergleichsdienstes Comparis sind die Richtzinsen für Festhypotheken im zweiten Quartal nochmals deutlich gesunken und nähren sich dem Rekordtief von 2012 an.

Vor allem die Zinsen für zehnjährige Festhypotheken sind im zweiten Quartal deutlich gesunken, von 2,4 auf 2,2 Prozent. Zehnjährige Festhypotheken konnten von Kunden mit guter Bonität oftmals gar unter der psychologischen Marke von 2 Prozent abgeschlossen werden. Die Zinsen für fünfjährige Laufzeiten gingen von 1,6 auf 1,4 Prozent zurück. Wer gut verhandelte, konnte sogar zu 1,2 bis1,3 Prozent abschliessen. Damit liegen die Zinsen nahe am Rekordtief von Ende 2012.

Enorme Hypothekarverschuldung

Dass die Zinsen nochmals gesunken sind, dürfte jene Kreise bestätigen, die unablässig vor der Bildung einer Immobilienblase warnen und Gegenmassnahmen fordern. So haben die Banken Ende Juni auf Druck der Finanzmarktaufsicht die Anforderungen bei der Hypothekenvergabe verschärft. Seither müssen Neuhypotheken bereits nach 15 statt wie bisher nach 20 Jahren zu zwei Drittel amortisiert sein. Der Bundesrat begrüsst die Verschärfung.

Die aktuelle Hypothekarverschuldung in der Schweiz beträgt bereits 150 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, was Experten als zu viel erachten. Die sinkenden Zinsen dürften das Hypothekarvolumen nun eher weiter ansteigen lassen.

Neue Vergaberegeln haben wenig Auswirkungen

Viele Eigenheimbesitzer beschäftigt derzeit die Frage, ob sich der Traum vom Eigenheim trotz der neuen Amortisationsregeln noch realisieren lässt: Comparis-Sprecher Felix Schneuwly beruhigt: «Nur jeder zwanzigste potenzielle Immobilienkäufer wird angesichts der neuen Bedingungen eine günstigere Immobilie suchen müssen.» Die Auswirkungen der verschärften Amortisation seien gering. Zudem könnten betroffene Hypothekarnehmer oftmals mehr Eigenmittel beisteuern, durch Erhöhung des Vorerbes, Familien-Darlehen oder Vorsorgegelder.

In Sachen Vorsorgegelder hat aber kürzlich Bundesrat Alain Berset mit seinem Vorschlag für viel Wirbel gesorgt. Demnach soll für Wohneigentum keine Pensionskassengelder mehr verwendet werden dürfen, weil vielen das Geld im Rentenalter fehlt. Wer ein Haus baut oder kauft, nimmt laut Zahlen des Bundesamtes für Statistik durchschnittlich rund 80'000 Franken von der Pensionskassen. Jedes Jahr machen rund 25'000 davon Gebrauch.

Versicherungen günstiger als Banken

Auffallend sind laut dem neusten Hypothekenbarometer die markanten Unterschiede bei den 10-Jahres-Angeboten zwischen Banken und Versicherungen. Der Vergleich der drei günstigsten relevanten Versicherungen und Banken zeigt: Bei den Versicherungen zahlen Kunden im vergangenen Quartal im Schnitt 0,2 Prozentpunkte weniger Zinsen als bei den Banken. Je nach Bonität des Kunden klaffen die Unterschiede bis zu einem halben Prozent auseinander.

Die günstigen Angebote haben die Schuldner zum Abschluss von langfristigen Verträgen bewogen. Zwischen April und Juni bevorzugten drei Viertel der Schuldner Festhypotheken mit langfristigen Laufzeiten zwischen 7 und 15 Jahren. Knapp ein Viertel wählte mittelfristige Laufzeiten zwischen 4 und 6 Jahren. Nur 3 Prozent entschieden sich für kurzfristige Laufzeiten von 1 bis 3 Jahren.

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