FC Zürich: Hyypiä verliert die Geduld mit Schönbächler
Aktualisiert

FC ZürichHyypiä verliert die Geduld mit Schönbächler

Noch immer fehlt Marco Schönbächler dem FC Zürich. Wird der Flügel in dieser Saison gar nicht mehr spielen?

von
Sandro Compagno

15. November 2014: Mit dem rechten Aussenrist stoppt Marco Schönbächler einen 60-Meter-Pass von Fabian Schär. Der Zürcher kommt beim 4:0 in der EM-Qualifikation gegen Litauen zu seinen ersten sieben Minuten im roten Dress. In der Einzelkritik zum Spiel schwärmt 20 Minuten von den «unglaublichen technischen Fähigkeiten» des Debütanten. Mit knapp 25 Jahren ist Schönbächler an einem Karriere-Höhepunkt angelangt, sein Vertrag beim FC Zürich läuft im Sommer 2015 aus, ein Wechsel in eine Top-Liga scheint lediglich eine Frage der Zeit.

11. Februar 2016: Marco Schönbächlers schwarzer Audi steht auf dem Parkplatz vor der Zürcher Saalsporthalle. Unter den 20 Spielern, die FCZ-Trainer Sami Hyypiä während 90 Minuten über den Trainingsplatz scheucht, sucht man den Offensivmann jedoch vergeblich. Einmal mehr. «Er ist nicht hier», sagt der Finne und macht ein noch längeres Gesicht, als ihm die Natur eh schon mitgegeben hat.

Letztes Pflichtspiel vor elf Monaten

Eine schmerzhafte Entzündung im Bereich der Adduktoren und des Schambeines zwingt Schönbächler seit bald einem Jahr auf die Tribüne. Seinen letzten Ernstkampf bestritt er am 15. März 2015. Im Sommer verlängerte er seinen auslaufenden Vertrag in Zürich bis 2018. Er habe unterschriftsreife Offerten aus der Bundesliga gehabt, aber ein Wechsel mit der mysteriösen Verletzung schien im zu riskant.

Schönbächler oder Moussa Koné

Für Sami Hyypiä wird die Personalie zunehmend zur Belastung. Im 25er-Kontingent des FC Zürich sind 24 Spielernamen aufgeführt, eine Zeile ist noch frei. Hyypiä hat sie offen gelassen für Schönbächler. «Wenn er gesund ist, dann ist er ein guter Spieler», sagt der Cheftrainer. Aber er zweifelt, ob Schönbächler seine gesundheitlichen Probleme innert nützlicher Frist beheben kann: «Ich habe Geduld, aber ich kann nicht ewig warten.»

Im Training am Donnerstagmittag kümmert sich Sami Hyypiä auffällig um den jungen Moussa Koné, ruft ihn zu sich, erklärt ihm, wie er stehen, laufen, spielen soll. Der senegalesische U20-Internationale ist die Alternative zu Schönbächler als 25. Name auf der Kontingentsliste. Entscheidet sich der FCZ für Koné, würde er damit Schönbächlers Saison unwiderruflich beenden. «Irgendwann muss ich eine Entscheidung treffen», sagte Hyypiä zu 20 Minuten. Er hält viel vom 19-jährigen Stürmertalent.

Wohin mit Chiumiento?

Wohin mit Chiumiento?

ZÜRICH. In einem klassischen 4-4-2 liess Sami Hyypiä den FCZ am vergangenen Sonntag gegen Sion spielen. Das System mit Vierer-Abwehrkette und Mittelfeld mit Doppel-Sechs ist die bevorzugte Aufstellung des langjährigen England-Söldners. Am Tag nach der 0:1-Niederlage überraschte der FCZ mit der Begnadigung von Davide Chiumiento. Der im Januar in die U21 versetzte Ex-Captain ist ein feiner Techniker und intelligenter Spielmacher, der in manches System passt, nur nicht in dieses 4-4-2! «Das Problem begleitet mich schon meine ganze Karriere», flachst der 31-Jährige.

Am Sonntag tritt der Tabellenletzte der Super League beim FC Luzern an. Trainer Hyypiä muss eine knifflige Denksport-Aufgabe lösen: Wohin mit Chiumiento? Opfert er eine «Sechs»? Oder verzichtet er auf einen der zwei Stürmer? «Wir können verschiedene Systeme spielen», sagt der Finne und verweist auf die Vorbereitung. Dort bestritt der FCZ zwei Testspiele mit zwei Sturmspitzen und zwei mit einem Angreifer und drei offensiven Mittelfeldspielern.

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