Samstag, 22.11.: I Love JT!
Aktualisiert

Samstag, 22.11.I Love JT!

Alle lieben Justin: Mit «Justified» spielte sich der neue Superstar in die Herzen von Fans und Kritikern – jetzt kommt Justin Timberlake (22) nach Zürich.

Text -- Martin Söhnlein

Nein, so besonders sieht er gar nicht aus: Das ist doch eher solides Mittelmass, wie es im mittleren Süden der USA häufig anzutreffen ist. Dabei galt Justin Timberlake bereits zu 'N-Sync-Zeiten als Mädchenschwarm. Mit gelocktem Haar und schüchternem Blick strahlte der Jüngling von den Wänden zahlloser Kinderzimmer. Das liegt vielleicht daran, dass Timberlake schon im Alter von 6 Jahren im Mickey Mouse Club auftrat. Doch ist das cool, zeitgenössisch, klassisch?

The Neptunes: Wer derzeit von Chad Hugo und Pharell Williams produziert wird, dem ist eine Platzierung in den Charts sicher (das gilt im Grunde für alle – mit Ausnahme ihrer eigenen Band N.E.R.D.). Was die beiden dazu veranlasst hat, Justin Timberlake unter ihre Fittiche zu nehmen? Man weiss es nicht genau, es wird aber gemunkelt, die Songs seien ursprünglich für ein Michael-Jackson-Album geschrieben worden. Falls das nicht stimmt, so ist der Gedanke doch reizvoll und erklärt wohl auch die Schlagzeilen, die vor einem Jahr die frohe Botschaft verkündeten: Justin Timberlake ist der neue King of Pop.

«Ich habe keine Ahnung, wie die Scheibe bei den 15- oder bei den 30-Jährigen ankommen wird», sagte damals ein unverschämt bescheiden wirkender Timberlake. Natürlich wusste er da schon, dass «Justified» ein Meisterwerk ist. Glaubt man der These, dass der Sound eines Jahrzehnts in seinen ersten zwei, drei Jahren geprägt wird, könnte das Album zu einem der wichtigsten dieser Dekade werden. Der Gedanke schmerzt: Schliesslich war 'N Sync die zwar erfolgreichste, dafür aber auch unsympathischste Boygroup. Und selbst wenn Timberlake gerne mal die Human Beatbox macht, über eine nette Stimme verfügt und den Moonwalk fast perfekt beherrscht – an Street Credibility gewinnt er dadurch nicht. Für viele bleibt er der Künstler aus der Retorte, der bereits als Vierjähriger Gesangsunterricht erhielt und mit zwölf seinen ersten TV-Auftritt hatte.

«Cry Me a River» ist der Song, der oft herbeigezogen wird, wenn es darum geht, sich dem Menschen Timberlake anzunähern. Die slicke Timbaland-Produktion unterstützt die dramatische Aussage: Angeblich verarbeitet Justin in dem Lied seine Beziehung zu Britney Spears – falls eine solche überhaupt je stattgefunden hat. Derzeit wird dem 22-Jährigen eine Liaison mit der neun Jahre älteren US-Schauspielerin Cameron Diaz nachgesagt. Es wäre spannend zu erfahren, worüber die beiden sich so unterhalten.

Mit «Rock Your Body» betrat Justin Timberlake Neuland. Während «Cry Me a River» noch vage an 'N Sync erinnert, ist der Neptunes-Track ein absoluter Knaller und neben Snoop Doggs «Beautiful» oder Blurs «Out of Time» ein veritabler Anwärter auf den Hit des Jahres 2003. Fast alles daran klingt nach Achtziger, nach «Thriller», nach Disco. Michael Jackson jedenfalls sollte sich was schämen.

Als Justin Timberlake vor einem Monat in der ZDF-Show «Wetten, dass ...?» erschien, bestätigte er das Bild, das man sich mittlerweile von dem Youngster gemacht hatte: Etwas scheu, zurückhaltend, freundlich – vielleicht etwas zu unsicher für einen Superstar. Auf der Bühne dann die Verwandlung: Das Lächeln wurde selbstbewusster, die Bewegungen geschmeidiger. Die Band performte den Song «Señorita». Justin sass am Fender Rhodes und versuchte das alte Frage-Antwort-Spiel: «All the guys sing: ‹It feels like something's heating up, can I leave with you?› And now the ladies: ‹I don't know but I'm thinking 'bout, really leaving with you.›». Das Grazer Publikum schien an jenem Samstagabend hoffnungslos überfordert – in Zürich wird das natürlich ganz anders sein.

Date

Samstag, 22. November, 20 Uhr, Hallenstadion Zürich (ausverkauft).

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