Bezirksgericht Kreuzlingen: «I schlitz di uf»
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Bezirksgericht Kreuzlingen«I schlitz di uf»

Ein 29-jähriger Thurgauer lieferte sich einen Kleinkrieg mit seiner Schwester und drohte einem Arbeitskollegen mit dem Tod.

Das Bezirksgericht in Kreuzlingen.

Das Bezirksgericht in Kreuzlingen.

Der heute 29-jährige Thurgauer fühlte sich von seinem Arbeitskollegen gemobbt, worauf er ihn bedrohte. Er schickte ihm mehrere SMS mit Nachrichten wie «I leg di um» oder «I schlitz di uf». Das schreibt die «Thurgauer Zeitung» am Freitag. Auf die Drohungen folgte auch eine Handlung: Als sich die beiden über den Weg liefen, zückte der 29-Jährige ein Messer. Der Arbeitskollege konnte sich aber in sein Auto retten und fuhr los. Der 29-Jährige schleuderte dem anfahrenden Auto das Messer nach.

Droh-SMS schickte der Thurgauer öfter herum, auch an seine Ex-Freundin. Am Mittwoch und Donnerstag stand der Mann vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen.

Schwester gewürgt

Neben den Drohungen musste er sich auch für die versuchte vorsätzliche Tötung seiner Schwester verantworten. Mit dieser liefert er sich einen jahrelangen Kleinkrieg. Sie hätten sich schon als Kinder gestritten und seien «wie Hund und Katz» gewesen, sagte der Vater. Sie gingen nicht gerade zimperlich miteinander um. Manchmal rutschte ihnen auch die Hand aus.

So auch am 1. Oktober 2010. Damals trafen die beiden aufeinander, weil der Angeklagte etwas im Haus der Schwester reparieren musste. Es kam zum Streit. Die Schwester habe «Seich» über ihn erzählt und seinen Alkoholentzug herumgeplaudert. Deshalb habe es ihm den «Nuggi rausgehauen». Der Angeklagte habe die Schwester am Hals gepackt und zugedrückt. «Ich merkte, dass ich bald das Bewusstsein verlieren würde», schilderte die Schwester den Vorgang. «Sie hatte einen rotblauen Kopf, fast violett», beschreibt ein Kollege die Gesichtsfarbe der Schwester des Angeklagten. Der Kollege war eingeschritten, als der Bruder seine Schwester würgte und konnte diesen von der Schwester wegzerren.

Sieben Jahre Gefängnis gefordert

Das war ihre Rettung, so der Staatsanwalt. Der Beschuldigte bestritt das vor Gericht: «Ich hätte vielleicht noch ein paar Sekunden länger zugedrückt, aber ich hätte sie sicher losgelassen.» Das sieht auch der Verteidiger so. Sein Mandant habe seiner Schwester eine Lehre erteilen wollen.

Der Staatsanwalt beantragte vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen eine Freiheitsstrafe über sieben Jahre sowie 300 Franken Busse wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und den Drohungen. Ausserdem befürchtet der Staatsanwalt, dass vom Angeklagten eine erhöhte Gefahr für weitere Straftaten ausgeht.

24 Monate bedingt

Die Verteidigung erachtet lediglich die Drohung aös erwiesen und war der Meinung, zwölf Monate bedingt wären genug. Sein Mandant habe Defizite und Schwächen erkannt und hart daran gearbeitet. Er sei regelmässig in ärztlicher und psychiatrischer Behandlung.

Das Gericht zeigte sich von der Entwicklung des Angeklagten beeindruckt. Zudem zweifelte es an, ob der Bruder seine Schwester vorsätzlich töten wollte. Daher fällte es ein milderes Urteil als von der Staatsanwaltschaft gefordert: Wegen versuchter Gefährdung des Lebens und mehrfacher Drohung verurteilte es den Angeklagten zu 24 Monaten bedingt, bei drei Jahren Probezeit, sowie zu einer Busse von 150 Franken. (20 Minuten)

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