Tödlicher Leichtsinn: ICE nach Interlaken überrollt Sprayer
Aktualisiert

Tödlicher LeichtsinnICE nach Interlaken überrollt Sprayer

Ein 15-jähriger Graffiti-Sprayer ist in Rathenow in Brandenburg von einem ICE-Zug erfasst und getötet worden. Sein gleichaltriger Freund wurde schwer verletzt.

Die Sprayer hatten sich morgens mit ihren Farbdosen an einem Güterzug in Höhe der Havelbrücke zu schaffen gemacht, als der ICE heranraste. Der Lokführer eines anderen Zuges gab noch ein Notsignal ab - zu spät.

Die beiden Jugendlichen aus dem ostdeutschen Rathenow konnten nicht mehr ausweichen. Ein Zwölfjähriger, der in unmittelbarer Nähe stand, erlitt einen Schock. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke wurde bis zum Mittag komplett gesperrt.

Sein Hobby habe dem 15-Jährigen bereits zuvor Ärger mit Bahn und Ermittlern eingebrockt, teilte die Bundespolizei mit. Nun kostete es ihn sein Leben, kaum dass die Schulferien in Brandenburg und Berlin begonnen haben.

«Eigengefährdung wird unterschätzt»

«Wir weisen immer wieder auf die Gefahr hin», sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Vandalismus und Graffiti-Schmierereien seien seit Jahren ein grosses Thema, insbesondere im Grossraum Berlin. «Zur Ferienzeit erleben wir regelmässig einen Anstieg».

Damit wächst auch das Risiko: «Die Eigengefährdung wird ständig unterschätzt», erläuterte Meik Gauer von der Bundespolizei. Seit Jahren versuchen Polizei und Bahn mit Präventionsarbeit dagegen anzukämpfen. Im vergangenen Sommer starteten sie die Kampagne «Fair und sicher unterwegs».

Das Unglück in Rathenow wird nun von der Bundespolizei untersucht. Der ICE 375 war aus Berlin nach Interlaken in der Schweiz unterwegs; in Rathenow hatte er kurz betriebsbedingt gestoppt. Zum Zeitpunkt des Unglücks hatte er nach Schätzungen der Bahn wieder eine Geschwindigkeit von etwa 120 Stundenkilometer erreicht. (sda)

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