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Mein Traumjob«Ich arbeite rund um die Uhr»

Ehrgeiz und eine grosse Portion Naivität: Das half Nina Egli, eine erfolgreiche Modedesignerin zu werden und Kleider ihres Labels Toujours Toi Family Affairs auf der ganzen Welt zu verkaufen.

von
Marc-André Capeder
Die Zürcherin Nina Egli, 34, kommt 2002 nach New York, um Schauspielerei zu studieren.

Die Zürcherin Nina Egli, 34, kommt 2002 nach New York, um Schauspielerei zu studieren.

Nina Egli hats geschafft: Shops in Zürich, Paris, New York und Tokio verkaufen Kleider ihres Labels Toujours Toi Family Affairs. Moderedaktorinnen von «Elle» und «Nylon» besuchen ihre Shows und bauen ihre Sachen in Modestrecken ein. Mittlerweile ist die 34-jährige Zürcherin so erfolgreich, dass sie ständig zwischen ihrem Zuhause in New York und anderen Modemetropolen hin- und herjettet. Gerade hat sie erfahren, dass die superhippe Boutique Opening Ceremony in New York und L. A. ihre Kleider ins Sortiment aufnimmt.

Friday: Nina, was bedeutet es, wenn deine Kleider bei Opening Ceremony hängen?

Nina Egli: Es ist eine Riesenehre und eine Riesenchance. Die verkaufen ja auch etablierte Designer wie Alexander Wang, Rodarte, Carven oder Mary Katrantzou.

Wie hast du das geschafft?

Ich habe meine Kollektion wie immer an den Modemessen in New York und Paris präsentiert. Dort suchen die Einkäufer nach neuen Labels für ihre Shops. Den Leuten von OC haben meine Sachen wohl gefallen.

Welche Eigenschaften muss ich mitbringen, um als Modedesignerin Erfolg zu haben?

Du musst auf Leute zugehen können und ein guter Networker sein. Gerade am Anfang, wenn du noch kein Geld hast, läuft alles über Beziehungen. Und du musst Fotografen, Make-up Artists und Stylisten kennen lernen. Und Redaktorinnen von Modezeitschriften, damit sie über dich schreiben.

Wie stehts mit Talent?

Klar brauchts Talent. Aber am wichtigsten ist das Durchhaltevermögen. Es kommen täglich neue tolle Labels auf den Markt, da wartet keiner auf deins.

Welche Modeschule hast du besucht?

Gar keine! Ich habe das Handwerk bei meiner Mutter gelernt, sie ist Modedesignerin. Family Affairs ist ein Mutter-Tochter-Unternehmen. Wir designen gemeinsam. Mein Mami macht die Schnittmuster, darin bin ich nämlich nicht so gut. Ich kaufe Stoffe ein.

Ist es kein Nachteil, dass du nicht studiert hast?

Vielleicht war das sogar mein Glück. So ging ich mit einer gewissen Naivität an die Sache heran. Als Modestudent lernt man, wie unglaublich anstrengend und schwierig es ist, ein Label aufzuziehen. Ob ich dann noch den Mut gehabt hätte, weiss ich nicht.

Schaffen deshalb junge Schweizer Designer nur selten den Durchbruch?

Ich glaube, sie geben zu früh auf. Man kann nicht drei Kollektionen machen und glauben, man sei dann gleich weltbekannt. Man muss optimistisch bleiben und an sich und seinen Erfolg glauben.

An sich glauben, das klingt immer so einfach.

Ich weiss. Dabei ist es superhart. Am Anfang verdienst du keinen Rappen, hast aber eine Menge Auslagen für Stoff und Produktion. Das kann schon deprimierend sein.

Soll man sich Stars wie Alexander Wang zum Vorbild nehmen?

Warum nicht? Aber man muss wissen: Alexander Wang ist schon sehr lang im Business. Und er hat sogenannte Backers im Hintergrund, Leute mit richtig viel Kohle, die sein Label mitfinanzieren. So kann er viel mehr investieren für Shows, PR und Kommunikation und sogar einen eigenen Shop eröffnen. Solche Backers habe ich nicht.

Wie viel arbeitest du eigentlich?

Rund um die Uhr, auch am Wochenende. Das hab ich in New York gelernt. New Yorker denken nicht in Arbeitsstunden, die schuften einfach ständig. Gesund ist das nicht, aber es geht halt nicht anders.

Sag doch bitte auch noch etwas Positives!

Oh, da gibts ganz viel. Ich habe eigenständig etwas aufgebaut, konnte mein Label in die gewünschte Richtung lenken. Ich habe freie Hand in allen Entscheidungen und bin keinem Vorgesetzten Rechenschaft schuldig. Und ich kann von meinem Label leben.

Du verdienst also richtig gut?

Ich schwelge nicht im Luxus, aber ich kann mir eine schöne Wohnung in Brooklyn leisten und muss nicht jeden Cent umdrehen. Geld für Kleider gebe ich ja kaum aus, ich trage meistens meine eigenen.

Wolltest du schon mal alles hinschmeissen?

Immer wieder mal. (Lacht) Meistens dann, wenn alles zusammenkommt: Die aktuelle Kollektion produzieren und schon die Samples der nächsten herstellen, Pressetext schreiben, Bilder fürs Lookbook shooten, Shows vorbereiten. Mit einem Team im Rücken ist das kein Problem. Aber wenn man wie wir alles allein macht, fragst du dich schon manchmal: Warum tu ich mir das an?

Und, warum tust du dir das an?

Das Label ist mein Leben, meine Identität. Es aufzugeben, wäre, wie einen Teil von mir sterben zu lassen.

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