Aktualisiert 28.02.2012 15:32

One-Woman-Business

«Ich bastle mir eine kleine Schwester»

Grosse Online-Händler wie Zalando fischen mit teuren Kampagnen nach Neukunden. Viele Kleinunternehmerinnen rollen indes das Feld ganz leise von hinten auf. Vier Frauen berichten.

von
Franziska Voegeli

Online-Shops liegen im Trend. «Ich krieg eine Lieferung von Zalando», heisst es seit einigen Wochen von allen Seiten. Der Online-Versand hat mit offensiver Werbung und kostenfreier Lieferung die Kleider- und Schuhschränke der Massen erobert.

Doch während bei Zalando Produkte von unzähligen bekannten Marken auf den Versand warten, funktioniert das Konzept Online-Shop durchaus auch im kleineren Stil. Keine Ladenmiete, kein Personal - ideale Voraussetzungen, seine eigene Produktelinie ans Volk zu bringen.

Ein Shop als Geburtstagsgeschenk

Zum 30. Geburtstag kriegte Nina Bregenzer von ihrer Freundin einen Online-Shop geschenkt. Die Webseite für NinaBee war fix und fertig designt und programmiert. Seither wandern alle ihre selbstgemachten Schmuckstücke via Fotoapparat in den digitalen Laden, bis jemand am Bildschirm seinen Lieblingsohrring, eine schöne Kette oder passende Brosche entdeckt und nach Hause bestellt.

«Bevor es das Label NinaBee gab, habe ich den Schmuck im kleinen Rahmen an meine Freundinnen und Bekannte verkauft oder verschenkt. Die Nachfrage wurde schliesslich immer grösser», so die 31-Jährige. Genau so fing es bei anderen auch an. Doch während Bregenzer sich dem Schmuck widmet, greifen andere zu Nadel und Faden oder wühlen sich durch die Kleiderstangen in Brockenhäusern.

Vom Flohmi ins Netz

So zum Beispiel Dusanka Simic aus Zürich. Unter dem Fantasienamen Jo Brauer verkauft sie ihre Fundstücke, die sie mit Kennerblick zwischen alten Fetzen entdeckt, zuhause wäscht, bügelt und in neuem Glanz der Schwester überstreift. Mit den richtigen Accessoires kombiniert und von allen Seiten abgelichtet, wird so der Wert der Oma-Kleider um ein Mehrfaches gesteigert. Je nach Qualität der Stoffe und wenn noch Anpassungen bei Länge, Grösse oder Stil vorgenommen wurden, können die gebrauchten Stücke auf Jo Brauer auch mal bis zu 160 Franken kosten. Kommt ein Stück lange nicht weg, fällt der Preis.

Online-Shops gibt es wie Sand am Meer, das weiss auch die 28-jährige Simic. Trotzdem zügelte sie vor einem Jahr ihr überfülltes Kleiderzimmer ins Internet. Seither stöbern so nicht mehr nur Freunde, sondern auch Unbekannte durch ihre Ausbeute, die sie auch mal im vollgepackten Kofferraum von Flohmärkten oder Secondhand-Läden im Ausland in die Schweiz fährt: «Mein Herz schlägt für Raritäten und Einzigartiges, was ich immer wieder bei Vintage-Stücken finde.» Im Kleiderschrank von Simic selbst ist ein Drittel aus zweiter Hand. Offline arbeitet die 28-Jährige für eine Modeagentur und vertritt verschiedene Labels. So hat sie auch schon bei sich selbst eingekauft, denn bei Jo Bauer gibts zudem eine Non-Vintage-Abteilung. Das gibt zu tun: «Das Projekt ist zu einem Vollzeit-Freizeit-Job geworden.»

Die kleine Schwester

Corina Martin hat seit einiger Zeit ein kleines Schwesterchen, Marke Eigenbau. Das Nesthäkchen ist ihr Label mit dem Namen petite soeur. «Ich habe keine Geschwister und stellte mir vor, wie es wäre, eine kleine Schwester zu haben. Auf sie Acht geben, mit viel Gefühl und Liebe versorgen.» Diese Sorgfalt und Liebe fliesst nun in die Taschen und Accessoires von petite soeur.

«Da es keine Laufkundschaft gibt, muss ein Online-Shop ständig von sich reden machen» weiss Simic. Dafür fallen keine Mietkosten an, falls niemand etwas bestellt. Um die Produkte den Leuten doch auch mal physisch präsentieren zu können, stellt Taschen-Macherin Martin an verschiedenen Märkten aus: «Die Kunden würden die Ware gerne anfassen, das fehlt beim Bestellen im Internet.»

Bei Bregenzer und Simic ist der Online-Shop (noch) kein Vollzeitjob. Eine Ausnahme ist Martin, die ihre Stelle als Grafikerin in einer Werbeagentur aufgegeben hat und nur noch für ihre kleine Schwester sorgt. Das heisst, solange sie das vermag. Zwischendurch müssen immer wieder Freelance-Jobs her. Reicht das Geld nur für Stoffreste, dann werden daraus iPhone-Hüllen oder kleine Buttons gemacht. «Darin liegt für mich finanziell wie auch kreativ die Herausforderung», so die 26-Jährige.

Fiese Absteigen für hübsche Souvenirs

Simic hatte am Anfang ihr gesamtes Sparkonto geplündert und ist mit 15 000 Franken an den Start gegangen. Nicole Ochsenbein schlachtete hingegen nur das Ferienkässeli. Die Produkte ihres Shops Mi & Yu sind Souvenirs aus fernen Ländern. Was sie an Hotelkosten abspecken konnte, floss als Mitbringsel in den Reisekoffer. Oder anders gesagt: «Ich übernachtete in fiesen Absteigen, um dafür mehr shoppen zu können.»

Die ersten Mitbringsel kamen aus Kambodscha und Thailand, wo die Journalistin eine Weile lebte. «Bringst mir auch so eins mit?», fragten ihre Freundinnen, die auch gerne ein farbiges Krama wollten, ein Baumwolltuch, das in Kambodscha als Sonnenschutz, Babytrage oder Halstuch verwendet wird. Noch heute kann man die bunten Allzwecktücher, die Ochsenbein bei Strassenhändlern in Phnom Penh einkauft, auf Mi & Yu bestellen.

Nicht nur wurde die Souvenirkiste immer grösser, die Ferienreisen werden mehr und mehr zu Dienstreisen an Messen nach Paris, Madrid, London oder in den Norden. Von dort schickt sich die 38-Järhige dann jeweils Pakete nach Hause. Bei gefragten Produkten kommt der Nachschub manchmal auch direkt von den Freundinnen aus Bankgkok. Für das Erstellen des Webshops hatte Ochsenbein Hilfe, für den Rest braucht auch sie einzig ihre eigene Motivation und Arbeitskraft. Wem Ähnliches vorschwebt, empfiehlt sie: «Einfach machen!»

Bei gibts Schmuck Bei gibts «Vitage and More» Bei gibts Taschen und Accessoires Bei gibts Souvenirs aus fernen Ländern

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