Aktualisiert 12.04.2019 19:40

Diskriminierung«Ich bekomme keinen Job, weil ich zu schön bin»

Die Italienerin Alice Soldi bewirbt sich seit Jahren als Rettungsschwimmerin, doch jedes Mal bekommt sie eine Absage. Hat das mit ihrem Aussehen zu tun?

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Alice Soldi (26) aus dem italienischen Küstenort Fano bewirbt sich seit drei Jahren als Rettungsschwimmerin - doch jeden Sommer bekommt sie die gleiche Antwort: Nein, danke.

Alice Soldi (26) aus dem italienischen Küstenort Fano bewirbt sich seit drei Jahren als Rettungsschwimmerin - doch jeden Sommer bekommt sie die gleiche Antwort: Nein, danke.

Facebook/alice.soldi
Erst kürzlich schilderte sie ihre Geschichte in der lokalen Zeitung «Il Resto del Carlino».

Erst kürzlich schilderte sie ihre Geschichte in der lokalen Zeitung «Il Resto del Carlino».

Facebook/alice.soldi
An einem Ort habe der Personalverantwortliche zu ihr gesagt: «Wie soll eine zierliche Frau wie du einen grossen Mann retten, der im Meer ertrinkt?»

An einem Ort habe der Personalverantwortliche zu ihr gesagt: «Wie soll eine zierliche Frau wie du einen grossen Mann retten, der im Meer ertrinkt?»

Facebook/alice.soldi

Die 26-jährige Alice Soldi aus Fano an der Adriaküste ist frustriert. Seit drei Jahren schickt sie ihre Bewerbung als Rettungsschwimmerin für Fano oder den naheliegenden Badeort Pesaro - doch jeden Sommer bekommt sie dieselbe Antwort: Nein, danke. Soldi glaubt zu wissen, wo das Problem liegt: Sie ist eine Frau. Dazu noch eine sehr attraktive Frau.

«Das ist ein klarer Fall von Geschlechterdiskriminierung», sagte Soldi zur lokalen Zeitung «Il Resto del Carlino». «Als ich vor drei Jahren meine Ausbildung als Rettungsschwimmerin für Meer, Schwimmbäder und Binnengewässer abschloss, gab ich meinen Lebenslauf bei diversen Badeanstalten ab. Oft erhielt ich als Antwort einen sexistischen oder bösartigen Kommentar», erzählt die studierte Biologin.

Viel zu tun in Sachen Gleichstellung

An einem Ort habe der Personalverantwortliche zu ihr gesagt: «Wie soll eine zierliche Frau wie du einen grossen Mann retten, der im Meer ertrinkt?». Ein anderer meinte direkt, «ein hübsches Mädchen» wie sie würde die Badenden ablenken, und «dann könnten alle ertrinken». Soldi fand die absurden Ausreden «gar nicht witzig», wie sie dem «Corriere della Sera» sagte.

Ihre Präsenz in der italienischen Presse hat nun erste Reaktionen gezeigt: In den vergangenen Tagen hat sie zahlreiche Jobangebote erhalten. Zwar freue sie sich, sagte die junge Frau dem «Corriere della Sera», dennoch «sollten im Jahr 2019 solche Themen es nicht mehr auf ein Titelblatt schaffen. Aber offenbar gibt es in Italien bei der Gleichstellung von Mann und Frau noch viel zu tun.»

Haben Sie auch schon einmal eine Absage bekommen, weil sie zu attraktiv für den Job waren? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte und schicken Sie ein Foto an 20 Minuten.

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