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Frisch gewählter Bundesrichter«Ich bin 100 Prozent Schweizer»

Keita Mutombo ist als erster Schwarzer zum Bundesverwaltungsrichter gewählt worden. «Es spricht für die Schweiz, dass das möglich ist», sagt er.

von
Noah Knüsel
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Ein historischer Moment: Keita Mutombo ist der erste Schwarze, der in der Schweiz ein Richteramt auf Bundesebene bekleidet.

Ein historischer Moment: Keita Mutombo ist der erste Schwarze, der in der Schweiz ein Richteramt auf Bundesebene bekleidet.

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Neben ihm hat die Vereinigte Bundesversammlung 68 Richterinnen und Richter des Bundesverwaltungsgerichts wieder und sieben neu gewählt. Blick in den Saal des Nationalrats während der Wahl von Ignazio Cassis zum Bundesrat am 20. September 2017.

Neben ihm hat die Vereinigte Bundesversammlung 68 Richterinnen und Richter des Bundesverwaltungsgerichts wieder und sieben neu gewählt. Blick in den Saal des Nationalrats während der Wahl von Ignazio Cassis zum Bundesrat am 20. September 2017.

Keystone/Anthony Anex
Das ist sonst noch passiert in der Frühlingssession: Der Ständerat ist der Ansicht, dass eine angemessene Vertretung der Geschlechter geregelt werden muss: Das offizielle Bundesratsfoto 2018.

Das ist sonst noch passiert in der Frühlingssession: Der Ständerat ist der Ansicht, dass eine angemessene Vertretung der Geschlechter geregelt werden muss: Das offizielle Bundesratsfoto 2018.

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Es ist ein Meilenstein in ihren beruflichen Karrieren: Das Parlament hat am Mittwoch sechs Juristen neu als Richter ins Bundesverwaltungsgericht gewählt. Für einen aber war die Ernennung besonders speziell: Keita Mutombo. Der 42-Jährige mit Wurzeln im Kongo ist der erste Schwarze, der ein Richteramt auf Bundesebene bekleidet.

Herr Mutombo, herzliche Gratulation zur Wahl zum Bundesverwaltungsrichter!

Vielen Dank. Ich möchte aber auch allen anderen Personen, die wieder oder neu gewählt wurden, gratulieren. Sie alle haben es mehr als verdient.

Was bedeutet die Wahl für Sie persönlich?

Sie erfüllt mich mit viel Freude und Genugtuung. Dass man in der Schweiz mit afrikanischen Wurzeln Bundesverwaltungsrichter werden kann, spricht für das Land.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Es ist wunderschön, ich bekomme sehr viele Glückwünsche. Schon morgens um 6 Uhr haben mir zum Beispiel Freunde aus Thailand gratuliert.

Sie haben es vorhin angesprochen: Sie sind der erste Schwarze, der in der Schweiz ein Richteramt auf Bundesebene innehat. Was löst das in Ihnen aus?

Von aussen wird das als etwas sehr Ungewöhnliches betrachtet – und das kann ich auch verstehen. Für mich persönlich ist es aber nichts Spezielles. Ich bin in Bern und Freiburg aufgewachsen, weshalb ich auch Berndeutsch spreche. Im Kopf und im Herzen bin ich zu hundert Prozent Schweizer.

Seit frühester Kindheit leben Sie hier. Wie kam es dazu?

Mein Vater hat in der Schweiz studiert und mich zu sich geholt.

In der Armee waren Sie Offizier, gleichzeitig sind Sie in der SP. Wie passt das zusammen?

Für mich ist das kein Widerspruch. Eine der wichtigsten Aufgaben der Armee ist die Friedensförderung. International spielen die Friedensbemühungen der Schweizer Armee eine wichtige Rolle. Und ich bin überzeugt, etwa bei einer Naturkatastrophe sind die Leute sehr froh über die Armee.

Welche Erwartungen haben Sie an die Arbeit als Bundesverwaltungsrichter?

Ich freue mich sehr darauf, denn ich wollte immer Richter werden. Von meinen Kollegen erhoffe ich mir ein konstruktives, fachlich hochstehendes Verhältnis und Loyalität.

Das hat seinen Sitz in St. Gallen und ist das grösste eidgenössische Gericht. Es behandelt Beschwerden, die gegen Verfügungen von Bundesbehörden erhoben werden. Wenn es nicht als letzte Instanz entscheidet, kann man seine Urteile vor dem Bundesgericht anfechten.

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