Kurssturz: «Ich bin 50’000 Franken im Minus» – darauf musst du an der Börse achten
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Kurssturz«Ich bin 50’000 Franken im Minus» – darauf musst du an der Börse achten

Die Aktien- und Krypto-Börsen stürzen weltweit ab. Das schmerzt auch die Leserinnen und Leser. Eine Expertin erklärt, wie du Fehler vermeiden kannst. 

von
Marcel Urech
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Ein Bitcoin war am 15. Juni rund 21’400 Franken wert. Anfang Jahr gab es für einen Bitcoin noch 43’400 Franken. Der Wert hat sich also in 5,5 Monaten mehr als halbiert.

Ein Bitcoin war am 15. Juni rund 21’400 Franken wert. Anfang Jahr gab es für einen Bitcoin noch 43’400 Franken. Der Wert hat sich also in 5,5 Monaten mehr als halbiert.

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Beliebte Kryptowährungen wie Ethereum, Cardano und XRP sind ebenfalls abgestürzt.

Beliebte Kryptowährungen wie Ethereum, Cardano und XRP sind ebenfalls abgestürzt.

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Auch Aktien befinden sich im Sinkflug.

Auch Aktien befinden sich im Sinkflug.

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Darum gehts

Bitcoin ist auf den tiefsten Stand seit anderthalb Jahren gefallen, und auch die Aktien-Börsen sind tiefrot. Die Redaktion hat die Leserinnen und Leser gefragt, ob auch sie beim Crash Geld verloren haben. Es gab zahlreiche Rückmeldungen. Sie zeigen, dass auch die 20-Minuten-Community unter dem Kurssturz leidet.

Doch auf was muss man achten, wenn man Geld investieren will? Der Anlageexperte Urs Rempfler von der auf Kapitalanlagen spezialisierten Firma Invalue nimmt Stellung zu Aussagen der 20-Minuten-Leserschaft.

  • «Ich bin mit meinen Kryptos rund 50’000 Franken im Minus. Aber nur wer verkauft, verliert Geld.»

Das sagt der Experte: «Wie sich Anlagen in Kryptowährungen in Zukunft rentieren werden, können auch Experten nicht einschätzen. Erstens generieren Kryptowährungen – anders als zum Beispiel Obligationen, Aktien und Immobilien – keinen laufenden Ertrag und sind somit spekulative Anlagen. Zweitens wurden auch ältere Kryptowährungen erst vor relativ kurzer Zeit lanciert. Das erschwert es, ihr Verhalten in verschiedenen Konstellationen einzuschätzen. Drittens sind die Preisschwankungen von Kryptowährungen enorm hoch. Und viertens ist die Welt der Kryptos sehr uneinheitlich – Kryptowährung ist nicht gleich Kryptowährung.»

  • «Es gibt eine einfache Regel: Kaufen, wenn die Börse rot ist, und verkaufen, wenn sie grün ist.»

Das sagt der Experte: «Die entscheidende Frage ist, wann die Börse rot und wann sie grün ist. Häufiges Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren verursacht erfahrungsgemäss hohe Kosten. Regelmässig einen festen Betrag in Anlagefonds zu investieren glättet grundsätzlich die Wertschwankungen und begrenzt den Einfluss emotionaler Entscheide sowie die Bewirtschaftungskosten. Man sollte sich immer fragen, welche Vermögensrückschläge und Wertschwankungen man in einer bestimmten Frist maximal tragen kann.»

  • «Ich bin seit Anfang 2021 mit 90’000 Franken im Krypto-Markt drin. Jetzt bin ich 22’000 Franken im Minus. Anstatt zu verkaufen, kaufe ich monatlich nach. Mein Ziel ist es, finanziell unabhängig zu sein.»

Das sagt der Experte: «Kryptowährungen werfen wie schon erwähnt keinen laufenden Ertrag ab und sind somit spekulative Anlagen. Sie mögen als kleine Beimischung in einem gut diversifizierten Portfolio von Vermögensanlagen dienen. Von Kryptowährungen als Kerninvestment raten wir ab. Sinnvoller ist ein Portfolio, das gut über Anlagekategorien, Regionen, Branchen, Firmen und Schuldner gestreut ist.»

Das ist ein Bitcoin

  • «Ich habe meinen Kindern im Oktober Krypto-Konten eingerichtet und sie ermutigt, sich mit dem Handel von Kryptowährungen vertraut zu machen. Nun ist der Geldwert und die Motivation halbiert. Aber mit Verlust verkaufen wir nicht, eher werden wir nochmals investieren. In rund fünf Jahren sind die Kinder erwachsen, bis dann gibt es vielleicht neue Höhenflüge.»

Das sagt der Experte: «Vielleicht gibt es bis dann neue Höhenflüge, vielleicht auch nicht. Wir empfehlen jedem, seine Vermögensanlage breit zu streuen. Die zugrunde liegende Blockchain-Technologie erachten wir durchaus als revolutionär. Sie befindet sich jedoch immer noch in ihren Anfängen und viele Fragen sind noch offen.»

  • «Leider sind meine Säule-3a-Konten aktuell stark betroffen. Ich hoffe jetzt, dass sie sich wieder erholen. Wie soll man denn heute sonst fürs Alter vorsorgen?»

Das sagt der Experte: «Sehr langfristig wurde die Geduld beim sinnvoll diversifizierten Anlegen am Kapitalmarkt noch immer entschädigt. Rückschläge an den Börsen gab es in den letzten 100 Jahren viele, von Ausnahmen abgesehen haben sich die Kapitalmärkte jedoch langfristig immer erholt. Jede Krise unterscheidet sich aber von den vorherigen, da die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten jedes Mal anders sind. Daher sind auch historische Vergleiche zu relativieren. Nun scheinen sich zum Beispiel die Zeiten tiefer Zinsen langsam dem Ende zuzuneigen – auch risikoärmere Anlagen werfen daher wieder einen positiven Ertrag ab.»

Investierst du in die Säule 3a?

  • «Investiere nur, was du auch verlieren kannst.»

Das sagt der Experte: «Beim Anlegen ist neben der eigenen Risikoneigung auch die Anlagefrist ein zentraler Aspekt. Wer nächstes Jahr eine Reise plant und daraufhin sparen will, sollte nicht in risikoreiche Anlagen wie Aktien investieren. Denn die Börse macht kurzfristig, was sie will. Wer hingegen für die Pensionierung in 30 Jahren spart, kann durchaus erwägen, einen Teil seines Vermögens in risikoreiche Anlagen wie Aktien zu investieren.»

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